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Donnerstag, 11. März 2010 | 20:55

 

Antje Hinz: China hören

12.10.2009

Ein Kulturführer für die Ohren

Am 14. Oktober öffnet die Frankfurter Buchmesse 2009 ihre Pforten, und vermutlich werden überdurchschnittlich viele Chinesen vor Ort sein und die Messehallen, die Imbissstände und eventuell auch das Lesezelt bevölkern. Wäre es da nicht schön, den Vertretern des diesjährigen Gastlands mit ausgefeiltem Wissen über deren Kultur und Geschichte genüberzutreten? STEFAN HEUER empfiehlt einen Crashkurs.

 

Sicher, China gilt nicht gerade als Vorzeigedemokratie, und der schwelende Tibet-Konflikt, die Quote der jährlichen Hinrichtungen und der vorauseilende Ruf gegrillter Hunde haben dazu ge-führt, dass viele Menschen diesem Land mit (um es nett auszudrücken) gemischten Gefühlen gegenüberstehen – aber sollte man sich als Bürger eines Landes, in dem Atomgutachten unter Gefährdung der Bevölkerung geschönt werden und Asylbewerber an Untersuchungsmethoden sterben, über diese Missstände wirklich überheblich mokieren?

Sieht man von den aktuellen politischen Schlagzeilen ab, so ist China durchaus in der Lage, auf-grund seiner Tradition auf kulturellem und wissenschaftlichem Gebiet Bewunderung zu erzeu-gen. Die Chinesen erfanden das Papier und die Druckkunst, das Porzellan und das Schießpulver und stiegen lange vor den Europäern zur größten Seemacht der Welt auf.

Auf dem bereits 2008 im Silberfuchs-Verlag erschienenen Hörbuch China hören lädt die Autorin Antje Hinz ins „Land des himmlischen Drachen“ ein und begibt sich innerhalb der über 4.000 Jahre alten Kultur auf Spurensuche. Der Schauspieler Rolf Becker erzählt von gottgleichen Herrschern, die Paläste, Grabkammern und Mauern für die Ewigkeit errichten ließen, von wel-tentrückten Beamten, die die Natur in Gedichten, Tuschbildern und kalligrafisch festhielten, und von Mönchen, die der Nachwelt unlösbare Rätsel aufgaben. Er berichtet von multikultureller Hofmusik, vom Schönheitskult der Lotosfüße und der Macht der Eunuchen und entführt in die bunte Welt der Peking Oper, um den Streifzug durch die Jahrtausende schließlich mit der Schil-derung zu beenden, wie das Kaiserreich nach einer Zeit der rigorosen Abschottung gegenüber der Außenwelt zu einem neuen kosmopolitischen Denken fand – das alles sehr anschaulich und lebhaft und mit einer vorzüglichen Stimme, wie sie einem erfahrenen und gefragten Theater-schauspieler eigen ist.

Mit traditioneller chinesischer Musik unterlegt, ist dieses Hörbuch ein Reiseführer der besonderen Art, eine exquisite Vorbereitung für alle, die in absehbarer Zeit die Volksrepublik China bereisen, aber auch für diejenigen, die dieses asiatische Land einfach ein wenig besser kennen lernen wollen.

Der Silberfuchs-Verlag trifft mit den Texten, der hochwertigen Verpackung und dem informati-ven und mit einer Chronologie der chinesischen Geschichte ausgestatteten CD den Nerv jener, die sich unterhaltsam bereichern, dabei aber nicht belehren lassen möchten. Das Konzept dieses China-Hörbuchs scheint aufgegangen und den Zuspruch des Publikums gefunden zu haben, denn es wurden inzwischen elf weitere Länder-Hörbücher aufgelegt, unter anderem zu Argentinien, Israel, Frankreich und Japan.

Stefan Heuer


Antje Hinz: China hören. Kayhude: Silberfuchs-Verlag 2008. Audio-CD. 80 Minuten. 24,00 Euro.

Eine Hörprobe finden Sie hier.


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