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Kein würdiger Nachfolger, sondern eine Grabrede – aber eine gute. JAN FISCHER über die Fortschrift von Douglas Adams' Trilogie Per Anhalter durch dieGalaxis.
Man muss Eoin Colfers Mut bewundern. Es gibt schließlich nur zwei Bücher oder Buchreihen, die es weit genug für ihren eigenen Feiertag gebracht haben: Das eine ist James Joyces Ulysses. Auf ihn geht der "Bloomsday" zurück. Das andere ist die Trilogie von Douglas Adams Per Anhalter durch die Galaxis, deren Fans den alljährlichen „Towel Day“ am 25. Mai begehen. Mehr noch: Es gibt kaum einen Autor mit einer derart soliden Fanbase wie Douglas Adams sie nach wie vor hat. Und noch dazu sind es Science-Fiction-Fans, die Sorte, die sich vielleicht besser im Anhalter-Universum auskennen als der Autor selbst, die in Morgenmänteln zu Science-Fiction-Conventions pilgern, die sich gerne einmal als Gralshüter aufspielen: Schon im Vorfeld wurde Colfer überhäuft mit Schmähungen, ein Leichenfledderer sei er, nur an Geld interessiert.
Da hilft es auch nicht, dass Colfer sich nach allen Seiten hin abgesichert hat: Colfer bekam den Auftrag von Adams’ Witwe und benutzte dessen Notizen als Grundlage. Der Autor selbst bekannte, es sei eigentlich verrückt, an Adams’ Buchreihe noch herumzudoktern. Außerdem brauche er das Geld gar nicht und die Anerkennung sowieso nicht, denn er ist Autor einer eigenen, erfolgreichen Buchreihe: den Artemis Fowl-Bänden. „Aber“, sagte er Spiegel Online, „wenn ich es nicht gemacht hätte, hätte es jemand anders gemacht.“
Käsebasierte Gottheit
Colfer ist also in die Fußstapfen von Douglas Adams getreten, Fußstapfen, die nach Ansicht vieler zu groß sind, als dass überhaupt jemand reinpassen könnte, Fußstapfen, so groß wie die Universen, die Douglas Adams erschaffen hat.
Es wäre sinnlos, auf den Plot einzugehen. Es ist einer dieser unzusammenfassbaren, typischen, verworrenen Adams-Plots: Am Anfang macht Colfer erst einmal Tabula rasa, versucht all das, was Adams an komplizierten Paralleluniversen zusammengebastelt hat, halbwegs logisch auf eine Realität zu beschränken, danach kommen Vogonen vor, eine käsebasierte Gottheit, Thor, zwei oder drei alternative Erden - das wären so ungefähr die Eckdaten.
Und übrigens noch was... ist ein trauriges Buch, eines, das von Verlust handelt. Man muss sich das vielleicht so vorstellen: Colfer steht am offenen Grab von Adams und hält eine Grabrede, in der er davon erzählt, wie witzig, wie toll, wie nett und bunt der Verstorbene war. Was er konnte und geleistet hat. Eine Grabrede ist eine Fußnote im Leben eines Menschen, lässt ihn kurzzeitig wieder auferstehen, macht den Verlust gleichzeitig schlimmer und weniger schlimm. Genauso liest sich das Buch: Als würde jemand sagen: Seht her, ich kannte ihn gut, lebendig machen kann ich ihn nicht.
Respektvolle Reminiszenz
Colfer kommt dicht dran an Adams’ Witz, an seine vertrackten Plots, an seine Ideen, er stellt sogar seinen eigenen Stil soweit wie möglich zurück und passt ihn Adams an. Aber er ist nicht Adams, und obwohl das Buch gut ist - gut wäre, stünde es allein und für sich -, ist es ein Echo. Ständig steht zwischen den Zeilen, was Adams aus den Ideen nicht gemacht hat, als wäre ein zweites, nicht existierendes Buch im Buch eingesperrt und könnte niemals heraus, würde niemals leben dürfen.
Man muss Colfer anrechnen, dass er es versucht hat, dass er den Mut gefunden hat, überhaupt etwas zu sagen und zu schreiben, den Mut gefunden hat, das Buch zu beginnen, zu beenden und zu veröffentlichen. Man muss ihm auch anrechnen, dass Und übrigens noch was... nicht das von den Fans befürchtete Desaster ist, sondern eine respektvolle Reminiszenz an Douglas Adams. Kein würdiger Nachfolger, aber eine Grabrede, die schwer besser sein könnte.
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