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Donnerstag, 09. Februar 2012 | 04:13

Clemens J. Setz: Frequenzen

01.02.2010

Wo ist Walter?

Nachdem Söhne und Planeten schon für den aspekte-Literaturpreis 2007 nominiert war, legt Clemens J. Setz jetzt den 720-seitigen Roman Die Frequenzen nach, der auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises stand und jüngst mit dem Bremer Literaturpreis ausgezeichnet wurde. Um Söhne und Väter dreht es sich auch hier, sie erwarten zu viel voneinander, verlieren sich und finden nie wieder zusammen. Von CHRISTIANE MIETH

 

Die Frage, worum es eigentlich geht, stellt sich bis zum Schluss. Da haben wir Alexander, dessen Vater spurlos verschwindet und irgendwann wieder auftaucht, aber spürbar an Größe verloren hat. Und Walter, dessen Vater in ihm so viel mehr sehen möchte, aber nichts finden kann als einen bisexuellen Möchtegernschauspieler. Väter als bekennende Proustliebhaber oder vielmehr Kenner der Proustschen Antworten. Und Väter, die keine Rolle spielen.

 

,,Das große Daumenkino rast seinem Ende zu"

Der Leser sucht besessen nach der Quintessenz. Wo ist Walter, der mit dem rot-weißen Pullover und der Pudelmütze? Die Stimmen ertönen von überall her und mischen sich wie auf einem unklaren Radiosender, bevor sie auf Nimmerwiedersehen verschwinden. Kommen und Gehen. In unendlichen aufeinanderfolgenden Klangwellen.

 

Der Roman ist wie ein großes Daumenkino, aber beim Umblättern hapert es und die Bilder verlieren ihren Fluss. Es fehlt immer mal wieder ein Stück, dann wird zurückgeblättert und später wieder eingesetzt. Das ganze Daumenkinospiel endet im Chaos. Trotzdem freut sich der Leser über die hübschen Bilder.

 

Durchkämpfen!

Clemens J. Setz greift tief in die Trickkiste der Sprachschmankerl. So zitiert er aus einem „Konversationslexikon der Jenseitsmythen“, das es gar nicht gibt (schade eigentlich), zeigt uns Zeitungsartikel, Annoncen und Briefe (frei erfunden) und schreibt Kapitel aus Schulaufsätzen, Parabeln und einseitig geführten Telefongesprächen. Eines ist sicher: Langweilig wird es nicht. Wir befinden uns auf einer Woge aus geschickten Sprachbildern durch eine faszinierende Welt, in der alles seinen unabdinglichen Wert hat, sei es nun eine Steckdose, eine Litfasssäule oder eine streunende Hündin. Sicher. Warum nicht?

 

Ein Wälzer, bei dem es sich lohnt dranzubleiben, sich durchzukämpfen und schließlich die Belohnung einzuheimsen, mehr zu wissen über Väter und Söhne, über die Sorgen anderer, über die kleinen Dinge des Lebens. Auch wenn eine echte, spannende Handlung ausbleibt, ist dieses Buch wie „ein Riss, breit und unübersehbar, mitten in der Wirklichkeit“.

 

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