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Donnerstag, 17. Mai 2012 | 08:27

Impressionen von der Buchmesse

15.06.2003

Von Anselm Brakhage, 15.10.2001

 

Alljährliches Stelldichein rund ums Buch zu Frankfurt. Die Veranstalter zeigen sich zufrieden: kaum Absagen von Ausstellern, nur 14 % weniger Besucher als im Vorjahr, keine sicherheitsrelevanten Vorkommnisse. Angesichts der angespannten Weltlage hätte es anders kommen können. Das Thema Sicherheit in aller Munde: offenkundige Präsenz von Polizei und Einlasskontrollen sollte wollte maximale Sicherheit suggerieren - aber längst scheint jedermannfrau die Begrenztheit aller Bemühungen bewusst und wohl auch akzeptiert zu sein, ob bei Veranstaltungen dieser Dimension oder im ganz alltäglichen Leben.
Überhaupt: nicht nur die Messe als solche, sondern die Literatur überhaupt im Schatten der aktuellen Weltkrise war natürlich im Gespräch, ob moderiert auf der Bühne oder kommentiert an der Würstchenbude. Einerseits die - mit Verlaub: blödsinnige - Frage danach, ob Literatur nach dem 11. September noch die gleiche sein könne wie zuvor - meine flehende Bitte: aber ja, schreibt auch weiter Gedichte und Geschichten, die (vordergründig) nichts mit der aktuellen Diskussion zu tun haben! - andererseits das blühende Geschäft mit all den aus dem Boden gestampften Fach- und Sachbüchern zum Islam, eine Flut, die es schwer macht, darunter diejenigen wenigen auszumachen, die wirklich etwas zur Meinungsbildung beitragen.

Das Auslaufmodell "Gastland" stürzte sich in diesem Jahr auf Griechenland. Bei aller Berechtigung, das Augenmerk jährlich auf sonst unterbelichtetes Literaturgeschehen zu richten, mutete es doch wie in den Vorjahren auch zuweilen sehr angestrengt und anstrengend an, wenn - sozusagen von null auf hundert - unzählige Verlage und Feuilletons Autoren eine geballte Bedeutung zumessen, welche zuvor (und zum überwiegenden Teil auch wieder danach) das Los geballter Ignoranz ereilte. Ab nächstem Jahr soll ein Zukunftskongress für Internationalität und intellektuellen Diskurs sorgen. Mit dem geplanten Zukunftskongress wollen sich die Frankfurter allmählich von den reinen Gastland-Präsentationen auf der Messe verabschieden. International bekannte Intellektuelle sollen in der Tradition des Frankfurter Instituts für Sozialforschung und der Frankfurter Schule die großen Zukunftsfragen der Menschheit diskutieren. Ob diesem Ansatz eine organischere Anbindung in das Tagesgeschäft beschieden sein wird, bleibt abzuwarten.

Erfreulich und unübersehbar war die Präsenz junger Autoren, die tatsächlich etwas zu erzählen haben und das mit ganz eigener Stimme tun. Das war wahrlich nicht immer so. Welchen Anteil das plakative Gerede über Leben und Sterben der Popliteratur daran haben mag, sei dahingestellt; entscheidend ist einzig, dass nach Entfernen aller Etikette vielstimmige lebendige Literatur übrigbleibt. Das schlug sich im großen Rahmen nieder, sowohl im Angebot arrivierter Verlage als auch bei gelungenen Leseveranstaltungen im Römer, etwa mit Malin Schwerdtfeger, Juli Zeh, Christoph Peters, Frank Goosen oder dem schon etablierten Thomas Hettche. Es fand aber auch Niederschlag im Programm kleiner feiner Verlage wie etwa dem Tropen Verlag aus Köln, der neu gestarteten Verlagsbuchhandlung Liebeskind aus München, dem Hainholz Verlag aus Göttingen oder der Züricher Edition Epoca. Hier sind mutige Literaturliebhaber am Werk, die Qualität mit Herzblut offerieren, durchaus auch für ein größeres Publikum. Das tut gut, macht Mut. Möge ihr Mut belohnt werden.

Anselm Brakhage

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