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Donnerstag, 17. Mai 2012 | 08:50

Und ne Allah-Marsch !!!

29.03.2004

Mathias Tretter, 24.02.2003

 

Wenn man, wie ich, als Jung-Kabarettist arbeitet, hat man es nicht leicht in diesen Tagen. Inzwischen funken es die Handy-Türmchen von den Dächern: Es sind schlimme Zeiten. Man kann den Fernseher anschalten, wann immer man will - die Bilder gleichen sich seit Wochen. Man sieht Politiker, die einfach komischer sind. Denn die langjährigen Spitzenreiter auf meiner Liste der größten menschlichen Abartigkeiten haben schlussendlich eine unheilige Allianz geschlossen: Krieg und Karneval kämpfen künftig Seit an Seit um Marktanteile.

Welch eine jämmerliche Finte, wegen kriegerischer Auseinandersetzungen die Absage von Rosenmontagsaggressionen zu besprechen; ist doch der Krieg die Fortsetzung des Karnevals mit anderen Bütteln. So zumindest wirkt es spätestens seit Donald 'Rummy' Rumsfeld, seines Zeichens amerikanischer Beleidigungsminister, in die Bütt gestiegen ist und mit unilateraler Pumpgun Pointen in die Menge ballert. Zugegeben: Der Obernarr im Weißen Haus war auch vor Rummys tollen Tagen schon Gastgeber manch juxgeladener Prunksitzung. Doch wenn selbst die schwarze Taube unter all Falken, wenn selbst Colin Powell mitmacht, muss es auf den Höhepunkt der Session zugehen. Bagdad, wie es brennt und kracht. A-l-l-a-h---f !!

Wir Deutschen wiederum schicken uns wie üblich an mitzuhalten, wenn der Große Bruder die Moscheen rockt. Die Bundesregierung ist in der Folge zu einem Bütten-Knaller mutiert, für den sich Regionalsender früher mit dem Hinweis auf ihre Informationspflicht entschuldigt hätten. Allein der Auftritt bei der Münchner Sicherheitskonferenz schubste alle anderen Narrentreffen dieses Jahr in die Zweite Liga. Schröder, Fischer, Struck als Achse des Blöden - das soll einer toppen! Mein persönlicher Liebling allerdings steht mal wieder ein bisschen außerhalb des Rampenlichts. Nein, es ist nicht Oskar Lafontaine, dies verrentete Saargeysir auf Pflegestufe drei. So degoutant bin ich nun auch nicht.

Geschmacklos wird es aber trotzdem. Denn von Merkel, Angela soll kurz die Rede sein, unsrer Kolumnistin bei der Feindespresse. Die Frisur gewordene Witzlosigkeit hat sich - Helau!- zum besonderen Anlass erstmals auch verkleidet: als Brücke zwischen BRD und USA. Die erste Frau und erste Ostdeutsche, die den Atlantik überspannt; eine Hängepartie zwischen den Welten. Ich wiederhole: Brücke, nicht Brückenkopf!!! Dazu fehlte es dann doch, nicht nur militärisch.

Der Rest ist Weltpolitik. Selbst ein so humorverachtender Fanatiker wie Osama bin Laden will plötzlich mitspielen im globalen Sketchup. Ein Demo-Tape nach dem anderen schickt die Terror-Nudel an die Scouts von al-Dschasira. Jacques Chirac macht Polen-Witze. Die Polen spielen Stille Post. Und postheroisch fordern Falken wie Dick Cheney, 63 Jahre, vier Herzinfarkte, mehr, viel mehr guts. Es kann also losgehen. Ready, meinte Rumsfeld Mitte letzter Woche. Und wissen Sie, was ready heißt? Es bedeutet, dass ein Mann, dem Sie in einer normalen Welt nicht mal das Schneeschippen vor Ihrer Haustür überlassen würden, nur ein Wort sagen muss, aus einer Laune heraus, und ein Land verschwindet von der Karte. Er braucht sich nur mal wieder zu verschlucken: "Uuäärgh!" - verglühen zehntausend Iraker, noch bevor Bush die Brezel wieder ausspuckt.

Aber vielleicht täusche ich mich ja. Vielleicht ist doch der Karneval die Fortsetzung des Kriegs mit anderen Mitteln. Dann könnten die Amerikaner noch was von uns lernen. Statt ständig die Verbündeten im Kampf für den internationalen Terrorismus zu belästigen, sollten sie vielmehr ein paar Militärs nach Köln verlegen, am Rosenmontag: Watch out, guys - so baut man eine Drohkulisse auf! Und anstatt Saddam mit der Ermordung seiner Untertanen zu belustigen, könnte ein fastnachtender George W. mit schärferen Säbeln rasseln: Exil oder Tony Marshall! So schnell kriegte der Haider Jörgl sein Wohnviertel gar nicht judenfrei, stünde sein Tyrannen-Spezl vor der Tür.

Indessen, die Nachrichten fangen an, und ich selbst muss noch viel lernen, als Nachwuchs-Komiker. Ich verabschiede mich daher plötzlich, unvorbereitet und ohne UN-Mandat, liebe Närrinnen und Narralesen, mit einem dreifachen - Fuck you!

MATHIAS TRETTER

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