Gilbert Achcar: Die Araber und der Holocaust Hans Arthur Marsiske: Kriegsmaschinen Aléa Torik: Das Geräusch des Werdens von Michael Ebmeyer Der FUTTERblog - streng verdaulich! Kathrin Hartmann: Wir müssen leider draußen bleiben
Donnerstag, 17. Mai 2012 | 08:56

Konformismus - Eine unzeitgemäße Betrachtung

29.03.2004

Wolfram Schütte, 19.05.2003

 

"Wenn Du geschwiegen hättest, wärst Du Philosoph geblieben", hieß es in der Antike über einen, der den Mund nicht halten konnte. Wer will heute schon noch in diesem Sinne "Philosoph" sein, wenn er Journalist ist - und lieber "vornehm" (Nietzsche) zum trivialkommerziellen Schwachsinn schweigen, als an ihm pseudophilosophisch, nämlich ironisch, beredt teilzunehmen? Ich spreche von der BILD- & BUNTE-Klientel namens Bohlen, Becker, Effenberg, die fast so lange wie die bunten Massenblätter die grauen Zellen der klugen Köpfe in der vormaligen "Intelligenzpresse" beschäftigt haben.

Kaum ein Feuilletonist war sich in der letzten Zeit zu schade, dafür auf der Glatze von ausgepichten massenmedialen Geschäftsideen seine "geistvollen" Locken zu drehen - erst recht, wenn diese Nullitäten sich (wie abgehalfterte Politiker) von Ghostschreiberhand zu autobiografischen Buchautoren geadelt sehen und jede PR, die sie "ins Gespräch bringt", hochwillkommen ist: für den Absatz ihrer nährstofflosen Ware. Da dürfen die "Edelfedern" nicht fehlen, und es schwärmen diese Eulen der Minerva wie Prostituierte nach einem zahlkräftigen Freier aus und "besprechen" & belabern in der kulturellen Dämmerung, in der ihnen alle Katzen grau geworden sind, das journalistische Objekt ihrer Begierde. Auch dabei zu sein, ist ihr Wunsch, und sie blasen dafür läppische Mäuschen, Luder oder Loddel zu beindruckenden Elefanten auf, mit denen sich öffentlich & "geistreich" o­nanieren lässt. Ein für "Literatur" zuständiger TAZ-Redakteur publizierte eben sogar das Tagebuch seiner Besorgungen & Seelenqualen, wie mit dem noch gar nicht erschienenen Elaborat Effenbergs umzugehen sei, liest & zitiert dazu Luhmann (man lässt sich ja nicht lumpen) und denunziert political correctness bei FAZ-Kollegen: es ist zum Schreien, nein: zum Brüllen. Offenbar gehören aber längst BILD und die BUNTE zur intellektuellen Grundausstattung des heutigen Feuilletonisten, der sich früher bemühte, den "Merkur" oder das "Kursbuch" nachzubuchstabieren. Derzeit ist man offenbar nicht mehr geistesgegenwärtig & up to date, wenn man nicht die Aufmacher der Springerschen- und die Bildstrecke der Burdaschen Cashcow fortlaufend studiert hat. Man hält das für "demokratisch", glaubt sich "volksnah" und endlich fern der Intellektuellen-"Arroganz", weil man dem Volk aufs Maul und in die Seele schaut und kommt nicht auf die naheliegendste Idee, dass man doch nur nachhechelnd für seinesgleichen Idioten "rezensiert", was diesem Käufer- & Leservolk tagtäglich ins Gehirn geschissen wurde - von noch intelligenteren, noch zynischeren, noch skrupelloseren "Kollegen", versteht sich. Selten ist die journalistische Intelligenz der ehem. "Intelligenzblätter" dümmer gewesen als heute, da sie das handfeste Geschäft des medialen Spektakels in aller verblödeten Unschuld, "sich auch einen Reim" aufs Hochgepuschte machen zu wollen, bis ins Geht-nicht-mehr prolongiert und die eigene Hirnerweichung bei ihren Lesern vermutet. Wenn einmal Intelligenz auf Differenz beruhte und bestand, besteht sie heute und aalt sie sich in eilfertigem & -freudigem Konformismus mit dem, was jeweils der Entertainement-Fall ist und zu ihm von der Boulevardpresse oder der PR-Industrie gemacht wurde.

Was für eine lächerliche Parasitenexistenz fristen doch diese intellektuellen Up-to-dater! War einst Prometheus oder Don Quichote ihr pathetischer Schutzheiliger, so ist es nun unpathetisch und ironisch: die Zecke. Sie lässt sich fallen, wenn sie das vorbeistreifende Menschelnde an der ausgedünsteten, eklen Buttersäure erwittert hat und sucht sich daran zu mästen, um zeitungeistig zu überleben und "mitreden" zu können. Dabei brauchte es noch nicht einmal den Wunsch, ein philosophischer Kopf zu sein, um zu den dümmsten Börsenschwankungen der Publicity- & Medienindustrie zu schweigen und den Schwachsinn sich selbst zu überlassen. Selbstachtung würde schon genügen. Steht aber nicht mehr auf der journalistischen Agenda, ist flöten gegangen. Was zurückblieb, pfeift auf dem letzten Loch.

Wolfram Schütte

Von der Verrohung des Bürgertums

Ja, die Welt ist schlecht, weil ungleich. Aber hurra – wir tun doch was! Das Netzwerk der »Tafeln« sorgt dafür, dass auch Hartz-IV-ler würdig ...

Wenn man mit der Mafia seinen Doktor macht

Zwei Neuerscheinungen aus Deutschland und den USA nehmen einen trivialen Gegenstand ernst: die erfolgreiche Fernsehserie The Sopranos, die im Mafia-Milieu spielt. THOMAS ROTHSCHILD hat ...

Propagandaschlachten

Nahost-Interessierte kennen die Situation: geht es um Araber und den deutschen Nationalsozialismus, ist die Diskussion zuende, sobald ein Name fällt. Der 1974 verstorbene Großmufti von ...

Vergangen, aber nicht vorbei

Vor nicht einmal 25 Jahren war sie noch in aller Munde, die Apartheid, und ebenso das Land, zu dem sie allein zu gehören schien, Südafrika. Heute scheint sie und die unmenschlichen ...

Gesamtnote: zehn. Bestanden!

Heute heißt es runter, heute ist Sturzflugprüfung und Telemark muss springen. Edward van de Vendel und Alain Verster erzählen in Die Taube, die sich nicht traute von jenem ...

Der neue Schulmädchenreport

»Das wird ein Riesen-Mega-Hammer-Hit!« - Ein Hit waren schon Enid Blytons Serienauftakt über The Twins at St. Clares, ein Riesenhit die ...

Der Kaiser der Revolution

Die Geschichte des Films ist, technisch betrachtet, die Geschichte einer permanenten Annäherung an die Wirklichkeitsillusion. Nachdem Ende des 19. Jahrhunderts aus einer Kombination dreier ...