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Montag, 21. Mai 2012 | 10:49

Von der Wurschtigkeit eines Wurstfabrikanten

13.01.2005

Bayern-Manager Hoeneß will den Gebühren-Zehnten (200 Mio ¤)

Von Wolfram Schütte

 

Der fränkische Wurstfabrikant & FC Bayern-Manager Uli Hoeneß ist immer für eine schamlose Wurschtigkeit gut. Jetzt hat er, ohne daß gerade ihn jemand gefragt hätte, sich für eine Gebührenerhöhung bei den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten aus- und damit seinem Vereinsvorstandsmitglied, dem Bayrischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber, heftig widersprochen, der bekanntlich zusammen mit dem NRW-Ministerpräsidenten Steinbrück dafür gesorgt hat, daß ARD & ZDF bei der letzten Gebührenerhöhungsrunde 10 Cent weniger erhalten haben, als sie gewünscht, besser: verlangt hatten.

Natürlich war das nur ein symbolischer Akt von den beiden politisch antipodischen Ministerpräsidenten, die ihre anderen Länder-Kollegen zu diesem sparsamen Witz gewonnen haben. Sie wollten den Öffentlich-Rechtlichen zeigen, wo`s künftig langgeht, solange sie das Sagen haben über den „Finanzbedarf“ der Landessendeanstalten; und daß ausgerechnet diese beiden Herren an einem Strang zogen, um den gebührenfinanzierten Sendern mit 10 Cent pro Gebührenzahler das Leben (minimal) schwer zu machen, wird etwas verständlicher, wenn man weiß, daß in ihren Ländern die mit ARD & ZDF konkurrierenden Privatsender ihre Domizile haben: in Köln & München.

Wenn die beiden Hohen Herren auch nicht aus den Payrolls von RTLSAT1PROSIEBEN-etc. stehen dürften, so ist ihnen als treusorgende Landesväter die Profitabilität ihrer multinationalen Medienindustrien doch eine duodezfürstliche Herzensangelegenheit. Leider hat aber Edmund Stoiber den jahrzehntelangen CSU- Partei- & Duz-Freund Leo Kirch, der im Zuge seines Aufstiegs zum deutschen Medienmogul wohl einige Millionen ¤ (wenn auch damals noch als DM) zur „Landschaftspflege“, sprich als „Beraterhonorare“ (von Helmut Kohl abwärts) ausgegeben hat, nach Kirchs Insolvenzen als maßgebliche Orientierungskraft der CSU- (& auch CDU-) Medienpolitik verloren.

Traurig, traurig.

So konnte er mit dem SPD-Genossen Steinbrück den Öffentlich-Rechtlichen nur minimalistisch demonstrieren, daß man nicht nach ihrer Pfeife zu tanzen gedenke, solange sie mit dem „Geld der Gebührenzahler“ sich populäre Medienattraktionen erlauben und einkaufen können, um sich dann mit deren werblicher Ausbeutung – nämlich dem Verkauf ihrer Zuschauer an die Werbeindustrie – Nebenverdienste anzuschaffen, mit denen sie ihren öffentlichen Haushalt noch weiter auspolstern, wie es bei ihnen seit längerem schon Usus ist.

Nun wäre man als Gebührenzahler für ARD & ZDF durchaus gewillt, den herrschaftlich agierenden Intendanten das allzu viele Wasser abzugraben, das sie auf die falschen Mühlen leiten – also auf jene TV-„Ereignisse“, aufgrund deren ein „Quotenfuzzi“ wie Herr Struve die Resonanzoberheit der Öffentlich-Rechtlichen ARD über RTL für feiernswert hält – und das am teuersten Platz in München, dem „Bayrischen Hof“, vor geladenen Claqueuren.

Wenn die politische Klasse darauf sähe, daß das gebührenfinanzierte deutsche Fernsehen seinem „öffentlichen Auftrag“ entspräche und nicht einzig & allein nach Einschaltquoten sein Programm ausrichtete, also nicht immer mehr & öfter seiner minoritären Feigenblätter abfallen ließ – wenn die Politiker aller Couleurs also darauf drängten, daß ARD/ZDF sich nicht auf den Niedrigniveauwettbewerb mit den kommerziellen Sendern einpendelten: ja, dann könnte man Steinbrück/Stoiber tendenziell zuneigen. Man könnte & müßte sie als haushälterische Kulturpolitiker in der Medienlandschaft loben. Kann man aber nicht, weil man gewärtigen müßte, daß die Stoibers/Steinbrücks die ersten wären, welche den Geld-Hahn für die öffentlich-rechtlichen Sender vollends zudrehen würden, wenn dort nicht auch „Quote“ sprich: Massenakzeptanz „gemacht“ würde.

(So kann man z.B. einerseits den ARD-Ehrgeiz verstehen, einen Intellektuellen-Entertainer wie Harald Schmidt zur ARD zu holen – um sich mit einem geistreichelndem Hausnarren bei den „anspruchsvolleren“ Zuschauer/Hörern als „aufgeklärter“ Souverän zu nobilitieren, wenn man sonst auch allerorten mit panem et circenses oder mit Provinzmist sich hervortut. Aber andererseits: Warum man Schmidt mehr als „fürstlich“ entlohnt, hat nur damit zu tun, daß man sich in der Oligarchen-Riege der ARD-Länder-Intendanten selbst für fürstlich & souverän hält, um sich einen „Harald Schmidt“ zu jedem von ihm diktierten Preis „erlauben“ zu können, statt haushälterisch die Kirche im Dorf zu lassen.)

Möglicherweise hat dieser freihändige & großkopfetige Umgang mit Euro-Millionen für das ARD-Schmidteinander den eingangs erwähnten fränkischen Wurstproduzenten Hoeneß erst recht auf den Plan gerufen, weil man bei der ARD den überteuerten Schmidt-Einkauf angeblich nun mit einem minimalen, gewissermaßen zehnprocentischen Absehen von der einen oder anderen Uefa-Fußballübertragung wettzumachen versucht.

Womit wir wieder bei dem Bayern-Manager-Ansinnen wären. Hoeneß verlangt 200 Mio ¤ im Jahr mehr als die jetzt schon an die „Deutsche Fußball-Liga“ gezahlten 300 Mio ¤, damit „die Bundesliga international konkurrenzfähig bleibe“. Ohnehin sei das Fernsehen für die Finanzschwierigkeiten vieler deutscher Vereine „verantwortlich. Wenn man sich nicht für die Champions League qualifiziert, ist es sehr wahrscheinlich, das man Verluste macht“, weiß der Manager, seit der FC Bayern zuletzt in der Champions League mehrfach das Nachsehen hatte.

Hoeneß´ Äußerungen sind insofern von erhellendem Wert, als sie ein Argumentationsmuster verraten, das einem mittlerweile von deutschen Großunternehmen schon vertraut ist: Für die eigene Mißqualifikationen werden nicht die mit Wahnsinnsgehältern ohne Risiko versorgten Manager und Kicker-Millionäre verantwortlich gemacht, sondern jener Teil der Kundschaft, nämlich die TV-Verwerter, welche durch ihre hohen Zahlungen die Fettlebe der hochdotierten Vereinsmanager und ihrer kickenden Angestellten erst möglich gemacht hatten. Nicht genug damit: Die ohnehin freigiebig zahlende Kundschaft soll nun auch noch das Geschäftsrisiko der offenbar unseriös an der Insolvenzgrenze herumlavierenden Vereine nicht nur tragen, sondern sogar noch verringern, so daß die „leitenden“ Herrschaften noch sorgloser nach eigenem Gusto schalten & walten können.

Es könnte einem solche Raffgier nach „Kohle“ schnurzegal sein, selbst wenn man durchaus im TV hochkarätig besetzte internationale Fußballmatchs schätzt, würde Hoeneß, wie üblich, nicht wieder auf hohem finanziellen Niveau die Sozialisierung der Verluste bei gleichbleibender Privatisierung der Gewinne für sich & seinesgleichen Nutznießer des Geschäftsunternehmens Fußball-Verein, Bundesliga und Champions League fordern. Da aber „Onkel Leo“ (Kirch) mit seinem Privatsender-Imperium nicht mehr über die Bundesligavereine sein Füllhorn ausschütten kann, tritt der Ex-Stürmer Hoeneß sogar seinem Vereins-Spezi & bayrischen Ministerpräsidenten ans Schienbein, um sich bei den „Öffentlich-Rechtlichen“ & deren Gebühreneinkommen schadlos halten zu können: „Unsere Politiker“, mäkelt der Bayern-Manager mit einer Allerweltsweisheit, „haben meistens keinen Mut, eine Gebührenerhöhung – auch wenn sie noch so klein ist – durchzusetzen. Weil sie Angst haben, nicht wieder gewählt zu werden“. Dieses Argument ist hier allerdings von besonderer Absurdität: Zum einen, weil ja die Gebühren von den Politikern erhöht wurden; und zum anderen, weil gerade der Sinn & Zweck der symbolisch verwehrten 10 Cent darin liegt, die Privaten Sender, also die den Fußballvereinen ökonomisch verwandten Geschäftsunternehmen, gegenüber den Öffentlich-Rechtlichen zu stärken.

Aber dem Bayern-Vereinsmanager liegt ja gar nichts an dem sogenannten „freien Spiel der Kräfte“ und der bei anderen Gelegenheiten vielgepriesenen „Freiheit“ und „Risikofreude“ des Unternehmertums, das er „managt“. Lieber will er quasi den jetzt verweigerten „Zehnten“ – gewissermaßen seinen „Beuteanteil“ an den von jedem Fernsehteilnehmer zwangsweise (wie Kopfsteuern) eingezogenen Gebühren für das Gesamtprogramm (& nicht nur die Bundesliga). „Wenn zehn Cent mehr Gebühren an die GEZ bezahlt werden müssen, was ist denn schon dabei?“ (Hoeneß). Natürlich wären die zehn Cent bei der beschlossenen Gebührenerhöhung nicht sonderlich ins Gewicht gefallen – aber daß sie dazu dienen sollten, den Bock fett zu machen, der in seiner Fettlebe am Rande des Trainingslagers des FC Bayern in Dubai (!) nun mit seiner bekannten unverschämten Wurschtigkeit danach ruft, möchte ich doch verneinen – wie es die angesprochenen Öffentlich-Rechtlichen prompt getan haben.

Eher sollte man dem Bayern-Manager zu seiner ebenfalls dort geäußerten Einsicht von „sinkenden Spielergehältern“ applaudieren. Wenn er sagt: „Es muß weitere Reduktionen geben, sonst kommen wir auf keinen grünen Zweig“, so hätte er noch mehr recht, wenn er die „Reduktionen“ damit begründet hätte, daß man sich sonst den Ast absäge, auf dem man immer schwergewichtiger (& großmäuliger) sitzt.

Aber angesichts dieses kurzzeitigen Durchbruchs zur Vernunft, der ihm sehr schwer gefallen sein dürfte, wollen wir Uli Hoeneß nicht überfordern. Es reicht uns ihn einmal nicht im Abseits stehen & hirnrissig maulen zu sehen.

Wolfram Schütte

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