Hans Arthur Marsiske: Kriegsmaschinen Hommage zum 80. Geburtstag von Fernando Botero Aléa Torik: Das Geräusch des Werdens Joy As A Toy: Dead As A Dodo Kennzeichen T - 28.04.2012 Nis-Momme Stockmanns Heimkehrstück "Der Freund krank" in Frankfurt uraufgeführt
Montag, 21. Mai 2012 | 10:56

Er köchelt wieder

16.05.2005

Claus Koch läßt seinen „Neuen Phosphoros“ wieder leuchten

 

Ich weiß: Kalauer mit Personennamen verbieten sich von selbst, jedoch vor allem, wenn dem damit Angesprochenen aus seinem Namen einen Strick gedreht wird, um ihn hämisch witzelnd daran aufzuhängen. Vielleicht sind sie aber doch im Augenblick der Freude einmal erlaubt, besonders wenn liebevolle Ironie sich darin ausspricht, daß ein lange Vermisster wieder tätig ist. Also: Claus Koch köchelt wieder.

Der intellektuelle Einzelgänger und Moralist meldet sich zurück. Eben jetzt hat er seine Glossierung der laufenden Ereignisse wieder aufgenommen und wird sie vierzehntägig fortsetzen. Sein „Neuer Phosphorus“ leuchtet erneut: sowohl dem Schlechten heim, wie auch als intellektuelles Leuchtfeuer dem kritischen Denken voraus. Mehrere Monate lang hatte der unabhängige Publizist seine Website (www.claus-koch.com) verwaisen lassen. Er schrieb an einem Buch, das wohl verarbeitet, was er seit 1999 in seinem „Neuen Phosphoros“ im Internet an Glossen & Überlegungen, Kritik und vorausblickender Hellsichtigkeit der kleinen Öffentlichkeit seiner „Happy few“ von Lesern unterbreitet hatte.

Claus Koch hatte sich (notgedrungen) auf seine eigene Domäne im Virtuellen zurückgezogen, seit er in den Printmedien keinen Platz mehr gefunden hatte, nachdem ihm 1999 die „Süddeutsche Zeitung“, wo er vierzehntägig ein viel beachtetes Forum für seine unabhängigen Gedanken zur Zeit & Gesellschaft hatte, den Laufpass gegeben hatte. Viele seiner Printleser sind ihm ins Internet gefolgt, andere hat er im Laufe der Zeit dort dazugewonnen. Sein langes Schweigen war ein herber Verlust für sie. Seine kritischen Einreden, in Essays & Glossen, gegen den Lauf der Dinge in Politik, Gesellschaft, Wissenschaft und Kultur wurden seither vermisst. Nun nicht mehr, glücklicherweise. Nicht immer werden ihm seine Leser zustimmen und manchmal auch nicht folgen wollen, aber doch immer froh sein, sich an seinen Argumenten und Argumentationen reiben zu können, um sich selbst zu entzünden.

Wie sehr die Wahrnehmungsfähigkeit eines solchen Kopfs mit sozialer Empathie heute nötig ist, zeigt allein schon eine kleine Glosse wie „Unbezahlbar“ in seiner jüngsten Lieferung des „Neuen Phosphorus“. Der frankophile Koch, der viele seiner Kenntnisse der französischen Presse verdankt, hat dort gelesen, daß dieses Jahr nur noch 35% der 60.000 französischen Häftlinge die Möglichkeit zur erlaubten Teilzeit-Arbeit im Gefängnis hat. Im Jahre 2001 waren es noch 50 % gewesen. Viel ließ sich mit der schlecht bezahlten Arbeit nicht verdienen; aber abgesehen davon, daß solche Tätigkeit Sinn & Zweck hat (im Sinne eines reintegrativen Strafvollzugs) und der bescheidene materielle Gewinn einen Zuwachs an Würde bedeutet, sind die Häftlinge sogar darauf angewiesen, weil „in den Zellen von der Seife bis zum Fernsehen alles bezahlt werden muß“ (Koch).

Warum aber wird den Strafgefangenen, von denen 20 % Analphabeten sind, diese Möglichkeit genommen? Weil immer mehr Unternehmen, die sich dieser billigen Arbeitskräfte bedient hatten, ihre Produktion oder bestimmte Produktionslinien ins Ausland verlegen, vorallem nach Asien, der Staat aber, wie Koch ergänzt, „in einer Zeit der Liberalisierung und Massenarbeitslosigkeit schwerlich öffentliche Werkstätten für Häftlinge errichten kann“. So hat „die Globalisierung“ mittlerweile auch die (französischen) Gefängnisse ereilt.

Für Koch ist dies „eine der vielen Verwüstungen, die von der Globalisierung in den westlichen Kulturnationen angerichtet werden“ und die besonders laut (und doch unvernehmbar) „zum Himmel schreit. (...) Die Strafanstalten, in denen die Elendesten unter Elenden gesammelt werden, um zu sühnen und sich zugleich zu läutern“, beschließt er seine Glosse, „sind ein barbarisches Relikt der Staatsgesellschaft. Doppelt gemein, weil die Ausgeschlossenen hier von ihren Mitmenschen nicht wahrgenommen werden müssen.(...) Solange es den Strafhäftling gibt, kann es die Zivilgesellschaft, von der die aufgeklärte Romantik schwärmt, nicht geben“. Könnte es sein, daß solche empathetische Wahrnehmungsfähigkeit mehr (metaphysische?) Vorstellungskraft & Empfindungswärme voraussetzt, als bloß die eigene Angst, für den sozialen Ausstieg ins Kalkül zu geraten, die man den laufenden statistischen Menetekels ablesen kann?

Wolfram Schütte

Von der Verrohung des Bürgertums

Ja, die Welt ist schlecht, weil ungleich. Aber hurra – wir tun doch was! Das Netzwerk der »Tafeln« sorgt dafür, dass auch Hartz-IV-ler würdig ...

Gegen die Dominanz des Beliebten

Nach Amazon (1997) und Google (2004) geht nun mit Facebook das dritte Internet-Schwergewicht an die Börse. Häufig liegen die drei Unternehmen mit der Entwicklung neuer Techniken ...

Garten Eden vor der Haustüre

Sie heißen Tigerella, Gelber Squash oder Rote von Paris. Sie gehören alten Sorten an, die oftmals in Vergessenheit geraten sind – doch ihre Farben-, Formen- und Geschmacksvielfalt ...

Vergangen, aber nicht vorbei

Vor nicht einmal 25 Jahren war sie noch in aller Munde, die Apartheid, und ebenso das Land, zu dem sie allein zu gehören schien, Südafrika. Heute scheint sie und die unmenschlichen ...

Gesamtnote: zehn. Bestanden!

Heute heißt es runter, heute ist Sturzflugprüfung und Telemark muss springen. Edward van de Vendel und Alain Verster erzählen in Die Taube, die sich nicht traute von jenem ...

Verstaubt ohne Ende

Bullenklatschen ist ein irreführender Titel, aber er provoziert – das ließe sich genauso über den Film sagen. Provozierend das Personal: eine Anarcho-Fete. Jedenfalls ...

Der neue Schulmädchenreport

»Das wird ein Riesen-Mega-Hammer-Hit!« - Ein Hit waren schon Enid Blytons Serienauftakt über The Twins at St. Clares, ein Riesenhit die ...