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Montag, 21. Mai 2012 | 11:02

Öffentlich: ja, rechtlich: nein

02.09.2005

Von Wolfram Schütte

 

Es war eine „Heute“-Sendung (ZDF). An ihrem Ende durfte der Sportredakteur Poschmann das Wort ergreifen. Er berichtet von Diesem & Jenem, zuletzt aber von kleinen Querelen im DFB-Team, das an diesem Abend in Rotterdam wieder einmal gegen „Oranje“ antrat. Dann gab Poschmann zurück an den Anchorman. Etwas aber fehlte: der Hinweis darauf, daß das wie brisante Spiel der Kliensman/Löw-Truppe ab 20.15 in der ARD „live“ übertragen würde.

Es war also wie immer: nur keine Information über das TV-Fußball-Länderspiel-„Ereignis“ bei der „Konkurrenz“.Jedermann hat sich daran gewöhnt, daß ein solcher Tipp oder ein solches Link unterbleibt. Warum eigentlich? Nun ja: sapienti sat, die Kenner wissen´s eh. Stimmt schon.

Das ist aber nicht das Motiv dieser Unterlassung einer Information. Hätte das ZDF das Spiel übertragen, wäre statt der bloß gesprochenen Meldung eine „Live“-Schaltung nach Rotterdam an der Tagesordnung von „Heute“ gewesen, die in der „Anmache“ des dortigen Sportreporters geendet hätte, doch gefälligst „gleich beim ZDF dabei zu sein“. Natürlich hätten auch dann schon die Kenner längst gewußt, daß in diesem Falle das ZDF übertragen würde. Aber dennoch wären diese Schlepperdienste der Sportredaktion mobilisiert worden, wobei die „Live-Schaltung“ ins Stadion ja schon als Programm-Appetizer die vorgeblich „seriöse“ Nachrichtensendung zur Werbefläche des eigenen Programmangebots umfunktioniert hätte.

Selbstverständlich bin ich längst nicht mehr so naiv, mich über derlei Selbstwerbung an einem Ort zu wundern, der ja eigentlich nur Nachrichten vorbehalten sein sollte (oder doch einmal Nachrichten vorbehalten war), die mit den Interessen des ZDF nichts, mit der möglichst „objektiven“ Auswahl und Präsentation von Welt- & Deutschlandereignissen alles zu tun hatte.

Selbstverständlich weiß ich auch, warum aber Herr Poschmann in diesem Falle nichts gesagt hat: es ist der Konkurrenzgedanke, der ihn hier schweigen ließ und ihn in anderen Fällen zum „Anmacher“ und Schlepper werden läßt.
Denn: man „konkurriert“ ja um „die Zuschauer“. Man „konkurriert“ zur gleichen Zeit mit unterschiedlichen Programmen, vollmundiger gesprochen: mit „Programmangeboten“. Das weiß ja jeder. Man konkurriert aber auch mit Nachrichten, der angeblichen „Königsdisziplin“ der öffentlich-rechtlichen Sender, denen deshalb die Mehrheit der deutschen Zuschauer das größte Vertrauen in die „Objektivität“ und Gewichtung der Auswahl „schenkt“.

Was hat man exklusiv, was sind die Hauptmeldungen, wie werden sie zeitlich plaziert (an der Spitze, am Ende), wie werden sie präsentiert (mit bewegten, stillen, aktuellen, historischen Bildern oder nur als Wortmeldung) und was fällt von der Fülle des Materials unter den Tisch? Nach solchen Kriterien und, wie es heißt, „nach bestem Wissen & Gewissen“, wählen die öffentlich-rechtlichen Nachrichtenredaktionen die „Neuigkeiten“ (zu Neudeutsch: „News“) ihrer Nachrichtensendungen aus. Gewisse politische Optionen mögen sich in Sprachregelungen oder Kurzkommentierungen in „Heute“ oder „Tagesschau“ gelegentlich auch niederschlagen: Nebbich.

Aber offensichtlich gibt es noch ein Konkurrenz-Prinzip, das gewissermaßen „hauseigen“ verfährt, und zwar bei beiden öffentlich-rechtlichen Sendersystemen: wenn sie nämlich über Ereignisse berichten, die erst bevorstehen und im jeweils andern stattfinden, wie z.B. jenes erwähnte Fußballländerspiel.
Da gilt nicht mehr das Prinzip der umfassendsten Information, da wird auf die Notbremse der Nachrichtenzensur getreten. Oder will mir jemand sagen, Herrn Poschmanns Schweigen sei im Hinblick auf die Zuschauer so selbstverständlich nachrichtendienstlich korrekt, wie seine selbstverständliche Anmache der Zuschauer nachrichtendienstlich notwendig, wenn das ZDF „in der ersten Reihe sitzt“?

Eine „lässliche Sünde“ unserer öffentlich-rechtlichen Sender? Gewiß doch. Aber: wie verkniffen & kleinlich, wie durchschaubar und lächerlich! Und vorallem weil es sich ja auch noch gerade um „Sport“ handelt: – wie bar jedes Fair-play! Glaubt auch nur einer der dafür in den „Anstalten“ Verantwortlichen daran, damit den zufälligen Zuschauer der Nachrichtensendung anschließend bei der eigen Stange zu halten: sei´s durch Verschweigen, sei´s durch Eigenwerbung? Gewiß nicht.
Es ist also nur ein Ritual der mißgünstigen Kleinkariertheit – ein Ritual öffentlich demonstrierten Neids oder öffentlich demonstrierter Selbstbeweihräucherung. „Öffentlich“, wie gesagt; „rechtlich“ aber nicht; dümmlich jedoch auf jedem Fall.

Wolfram Schütte

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