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Montag, 21. Mai 2012 | 11:14

Peter Hacks: Prospers Telephon (ab 5)

29.03.2006

Geheimwaffe
Peter Hacks, der wohl erfolgreichste Dramatiker der DDR in den 1960er und 1970er Jahren, hat sich über besondere Waffen seine eigenen Gedanken gemacht. Ein bekanntes Zitat entstammt dem 1971 erschienenen Essay Kunst und Revolution: "Eingestandenermaßen ist die Kunst eine Waffe. Eingestandenermaßen ist ein Holzhammer eine Waffe. Nach Aristoteles folgt hieraus nicht, daß die Kunst ein Holzhammer sein müsse. Es folgt eher, daß die Kunst eine um so bessere Waffe sei, je bessere Kunst sie ist." Dem jungen Prosper gibt er im Kampf gegen Tante Fiebig eine wirkungsvolle Waffe in die Hand.

 

Um Kunst und Revolution, um Mächtige und Unterdrücker, um Meinungsfreiheit und Zensur geht es auch in Hacks Geschichte von dem leidenschaftlichen Leser Prosper, dessen Lesebegeisterung auch vor dem väterlichen Bücherschrank nicht halt macht. Tante Fiebig, wohl wissend, dass nicht alles, was dort an Gedrucktem zu finden ist, für einen Knaben in diesem zarten Alter geeignet ist, versucht mit allen Mitteln Prosper am Lesen zu hindern. Kein Mittel ist ihr zu brutal, für keine Schnüffelei ist sie sich zu gut: Prosper wird von ihr kontrolliert – Tag und Nacht – und am Lesen gehindert. Und da kommt die Geheimwaffe ins Spiel: ein knallrotes Spielzeugtelefon. Und dieses Telefon – wunderbar altmodisch mit ph -, also dieses Telephon rettet Prosper, denn mit seiner Hilfe kann er mit Herrn Zaubermeister Tesch Kontakt aufnehmen. Und der sollte die Tante doch wohl in den Griff bekommen.
Die wundervolle Geschichte über dramatische Maßnahmen, die voller Wunder steckt, wurde von Katja Wehner gekonnt und voller ironischer Details in Szene gesetzt. Sie bläst Tante Fiebig zu einem erbosten Monster mit riesiger Oberweite auf und lässt Prosper mit kurzer Hose und Seitenscheitel wie ein kleines Unschuldslamm wirken.
Die Bilder stecken voll origineller Einfälle und verlieren meist erst auf den zweiten Blick ihre vordergründige Harmlosigkeit. Peter Hacks, der im August 2003 gestorben ist, hätte sicher seine Freude an ihnen gehabt. Eine kleine, subversive Bilderbuchköstlichkeit zum Genießen!

Andrea Wanner


Peter Hacks: Prospers Telephon
Aufbau-Verlag 2006.
Gebunden. 32 Seiten. 12,50 Euro.
Ab 5 Jahren.
ISBN 3-351-04068-7

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