Hans Arthur Marsiske: Kriegsmaschinen Hommage zum 80. Geburtstag von Fernando Botero Aléa Torik: Das Geräusch des Werdens von Michael Ebmeyer Kathrin Hartmann: Wir müssen leider draußen bleiben Nis-Momme Stockmanns Heimkehrstück "Der Freund krank" in Frankfurt uraufgeführt
Montag, 21. Mai 2012 | 11:19

Drei Mal kassiert

10.07.2006

Wie mich die Stadt Stuttgart beschummelt hat

 

Seit die Stadt Stuttgart nicht mehr regelmäßig den Sperrmüll einsammelt, hat jeder Bewohner der Stadt pro Jahr Anspruch auf zwei kostenlose individuelle Sperrmüllabholungen gegen Anmeldung. Nach Angabe des für Abfallwirtschaft zuständigen Amts erfolgt diese innerhalb von zwei bis acht, beziehungsweise, nach einer anderen Verlautbarung, nach spätestens sechs Wochen. Am 19.3.2006 habe ich schriftlich um Abholung des Sperrmülls in der letzten Maiwoche angesucht. Sieben Wochen danach hatte ich auf meinen Antrag noch keine Antwort erhalten. Als ich daraufhin im Amt anrief, bot mir der zuständige Herr einen Abholtermin am 19.6.2006, einen Monat nach meinem Umzug an, zu einem Zeitpunkt also, an dem ich die Wohnung, aus der ich den Sperrmüll entfernen musste, längst übergeben haben würde. Für diesen späten Termin machte der Herr die Gewerkschaft und den Streik im öffentlichen Dienst verantwortlich. Als Alternative bot er mir einen Eildienst an, für den ich 42 Euro bezahlen solle.

Ich habe noch nie zuvor von der kostenlosen Sperrmüllabholung Gebrauch gemacht. Für die erst- und einmalige Inanspruchnahme sollte ich also gleich dreifach bezahlen: 1. durch meine obligatorischen und über Jahrzehnte hinweg überwiesenen Gebühren für die Müllabfuhr, 2. als Mitglied von ver.di durch meinen Gewerkschaftsbeitrag, mit dem die Streikgelder beglichen werden, und 3. durch einen Sonderbetrag für die bereits doppelt bezahlte Leistung.

So drückt sich die Stadt unter Wiederholung ihrer gewerkschaftsfeindlichen Propaganda um ihre Verpflichtungen. Mehr noch: sie kassiert für nicht erbrachte Leistungen. Den schwarzen Peter schiebt sie jenen zu, die nicht bereit sind, ihrerseits eine unbezahlte Verlängerung ihrer Arbeitszeit widerspruchslos hinzunehmen. Zu jenen, die sich dieser Diffamierung willig anschließen, gehört auch der Herr, der meinen Antrag nicht beantwortet hat, obwohl er sich doch nicht im Streik befand. Rechtfertigt nicht allein solches Verhalten den Unmut der Müllmänner und der Bürger, der sich freilich an die falsche Adresse wendet, wenn er sich gegen die Streikenden richtet. Den im bürgerlichen Leben justiziablen Tatbestand einer bezahlten, aber verweigerten Leistung hat allein die Stadt zu verantworten. Doch die versteckt sich hinter faulen Ausreden. Wen wundert angesichts solcher Bauernfängerei die Politikmüdigkeit der Bürger?

Überhaupt scheint das Schummeln in Mode zu sein. Nach einem Flug mit den Austrian Airlines kam mein Koffer mit aufgerissenem Deckel an. Er ist nicht mehr verwendbar. Er war nicht neu, aber in vorzüglichem Zustand, und er erfüllte seine Funktion einwandfrei. Ich hatte nicht die Absicht und keinen Grund, mir einen neuen Koffer zu kaufen. Die Austrian Airlines ersetzen mir einen angeblichen Zeitwert von 30 Euro. Der ist eine theoretische Größe, da naturgemäß ein fehlerfreier Ersatzkoffer zu diesem Preis nicht zu bekommen ist. Der billigste Koffer dieses Formats und dieser Ausstattung kostet 159 Euro. So muss ich 129 Euro investieren für einen Schaden, den die Fluglinie zu verantworten hat – mehr, als ein innereuropäischer Städteflug kostet. Die Kofferindustrie mag das freuen. Der Reisende sollte sich hingegen überlegen, ob er Fluggesellschaften meidet, bei denen er riskiert, außer für den Flug auch noch für einen neuen Koffer kassiert zu werden, den er gar nicht haben wollte, oder aber künftig mit einem Bündel über der Schulter verreisen zu müssen. Wer kann einem angesichts solcher Verhältnisse kriminelle Fantasien verübeln, in denen jene, die so mit einem umgehen, für einen Schaden aufzukommen gezwungen werden, den man mal zum Ausgleich selbst verursacht hat?

Thomas Rothschild

Von der Verrohung des Bürgertums

Ja, die Welt ist schlecht, weil ungleich. Aber hurra – wir tun doch was! Das Netzwerk der »Tafeln« sorgt dafür, dass auch Hartz-IV-ler würdig ...

Gegen die Dominanz des Beliebten

Nach Amazon (1997) und Google (2004) geht nun mit Facebook das dritte Internet-Schwergewicht an die Börse. Häufig liegen die drei Unternehmen mit der Entwicklung neuer Techniken ...

Garten Eden vor der Haustüre

Sie heißen Tigerella, Gelber Squash oder Rote von Paris. Sie gehören alten Sorten an, die oftmals in Vergessenheit geraten sind – doch ihre Farben-, Formen- und Geschmacksvielfalt ...

Vergangen, aber nicht vorbei

Vor nicht einmal 25 Jahren war sie noch in aller Munde, die Apartheid, und ebenso das Land, zu dem sie allein zu gehören schien, Südafrika. Heute scheint sie und die unmenschlichen ...

Gesamtnote: zehn. Bestanden!

Heute heißt es runter, heute ist Sturzflugprüfung und Telemark muss springen. Edward van de Vendel und Alain Verster erzählen in Die Taube, die sich nicht traute von jenem ...

Verstaubt ohne Ende

Bullenklatschen ist ein irreführender Titel, aber er provoziert – das ließe sich genauso über den Film sagen. Provozierend das Personal: eine Anarcho-Fete. Jedenfalls ...

Der neue Schulmädchenreport

»Das wird ein Riesen-Mega-Hammer-Hit!« - Ein Hit waren schon Enid Blytons Serienauftakt über The Twins at St. Clares, ein Riesenhit die ...