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Donnerstag, 09. Februar 2012 | 11:43

Stefano Bollani: Piano Solo

15.11.2006

Rothschild's CD-Tipp:

Kleine Stücke


Bollanis Klavierspiel ist weder meditativ, noch introvertiert. Eher neigt es zur spaßigen Aphoristik, und bei aller Verknappung erweist es sich als vital wie das Spiel von Kindern.

 

Kein anderes Instrument lässt eine solch große Vielfalt an Möglichkeiten des solistischen Spiels zu wie das Klavier. Es scheint sich selbst stets aufs Neue zu erfinden. Die freie Improvisation am Klavier ist weit älter als der Jazz, aber im Jazz hat sie eine nicht erlahmende zentrale Position eingenommen. Der Italiener Stefano Bollani bevorzugt kleine Stücke, Miniaturen gegenüber den großen, ausschweifenden Klaviereskapaden. Man kann durchaus an Vorläufer im E-Bereich denken, an Béla Bartók etwa oder dessen jüngeren Landsmann György Kurtág. Und von den 16 Stücken, die er auf der CD mit dem sachlichen Titel "Piano Solo" vorträgt und von denen wiederum vier schlicht "Impro" heißen, sind einige kaum als typischer Jazz zu klassifizieren. Sie verzichten auf Synkopen und Drive, aber auch der Blues ist bei ihnen weit entfernt. Andere wiederum nehmen Themen aus dem Jazz und seiner näheren Umgebung auf, etwa Scott Joplins "Maple Leaf Rag" oder "On The Street Where You Live" aus "My Fair Lady".

Man kann noch nicht einmal behaupten, dass Bollani einen eigenen Stil habe. Vielmehr versucht er, jedem musikalischen Thema seinen spezifischen Charakter zu belassen. Fast ließe sich seine CD als eine Anthologie pianistischer Möglichkeiten anhören. Dabei emanzipiert sich diese Aufnahme bis zu einem gewissen Grad von den Erwartungen, die man an eine ECM-Produktion haben mag. Bollanis Klavierspiel ist weder meditativ, noch introvertiert. Eher neigt es zur spaßigen Aphoristik, und bei aller Verknappung erweist es sich als vital wie das Spiel von Kindern. Ein Stück heißt "Promenade". Mit Mussorgskij hat das nichts zu tun, aber an dessen "Bilder einer Ausstellung" mag man bei Bollani durchaus denken. Wer es nicht wusste, kann sich hier überzeugen: die Grenzen zwischen der älteren Musik und dem Jazz sind fließend. Bei Bollani werden sie gegenstandslos.

Thomas Rothschild


Stefano Bollani: Piano Solo. ECM Records, ECM 1964 (Vertrieb: Universal).
Homepage von Stefano Bollani (mit Hörproben)

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