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Montag, 21. Mai 2012 | 11:34

Isabel Abedi, Isola (ab 14)

30.08.2007

Inselspiele

Zwölf junge Leute aus Deutschland zwischen 16 und 19 Jahren sind von Starregisseur Quint Tempelhoff für sein neuestes Filmprojekt ausgesucht worden. Drei Wochen sollen sie, mit allem Notwendigen versorgt, auf einer kleinen Insel vor der brasilianischen Küste miteinander leben und dabei von versteckten Kameras beobachtet werden. Nur das spannende Experiment eines ehrgeizigen Künstlers?

 

Die 17jährige Joy hat ihre eigenen Gründe, warum sie an dem Ganzen teilnimmt. Als 4jährige kam sie aus den Armenvierteln Rios nach Deutschland. Der Film ist für sie Weg und Umweg zugleich in ihre eigene Vergangenheit.

Bereits im Flugzeug begegnet Joy, die sich für den Film den Namen Vera ausgesucht hat, der quirligen Elfe mit lila Wuschelkopf. Und gemeinsam entdecken sie im Flieger Solo, dessen warmes Lächeln Vera sofort gefangen nimmt. Nach und nach stoßen in Rio die anderen dazu: Moon, Pearl, Krys, Darling, Alpha, Milky, Lung, Leander und Joker. Jeder mit dem neuen Namen, den er sich für die Insel ausgedacht hat und jeder mit drei persönlichen Dingen, die er mitnehmen möchte.

Dann beginnt das Abenteuer. Die Regeln sind einfach: keine Drogen, kein Alkohol, keine Gewalt, kein Sex. Ansonsten erklärt ihnen Tempelhoffs Assistentin: „Es gibt kein Skript und keinen Drehplan. Sobald ihr auf der Insel ankommt, seid ihr auf euch gestellt. Erzählt, was ihr wollt, macht, was euch in den Sinn kommt, seid einfach ihr selbst oder von mir aus jemand anders.“

Nervös und angespannt verläuft die Ankunft. Wer sind die anderen? Was an ihrer Geschichte stimmt, was haben sie sich nur ausgedacht. Wie weit kann man, soll man einander vertrauen? Als das erste gemeinsame Essen, die erste gut überstandene Nacht die Atmosphäre lockerer werden lässt, werden sie total überrumpelt. Sie sollen spielen. Eigentlich ein harmloses Kinderspiel. Die Regeln sind im Prinzip die gleichen wie bei „Mord im Dunkeln“. Keinem soll etwas geschehen. Einer ist der „Mörder“, den die anderen nicht kennen. Seine „Opfer“, die er „ermordet“, indem er ihr linkes Handgelenk umfasst, werden in ein Versteck gebracht und dann zurück aufs Festland. Ihr Erschrecken ist echt. Das Spiel verändert alles und schon bald wird daraus blutiger Ernst.

Isabel Abedi zieht mit einer atemberaubenden Story sofort in Bann. Anleihen bei populären Fernsehsendungen – von Castingshows und Dschungelcamp bis Big Brother – und bei Inselklassikern wie „Lord of the Flies“ bilden das Gerüst für einen ausgetüftelten Thriller. Gekonnt werden die Inselmitspieler und die Leser auf falsche Fährten gelockt. Fassungslos erlebt man, wie das paradiesische Inselidyll zum Alptraum wird.

Andrea Wanner



Isabel Abedi: Isola. Arena 2007. Gebunden. 324 Seiten. 14,95 Euro. Ab 14 Jahren.
ISBN 3-401-06048-4

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