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Donnerstag, 09. Februar 2012 | 09:15

Der Napoleon von der Bahn

28.08.2008

Kein Waterloo für Mehdorn in Sicht

Kürzlich hat “Bahnchef” Mehdorn - wie manche kleine Männer verständlicherweise größenwahnsinnig - in einem Interview erklärt, dass ihm Napoleon “imponiert”, weil dieser (man beachte die Ironie) “Bahnbrechendes im Recht- und im Gesundheitswesen geleistet hat”, so dass seine mehdornsche Reinkarnation “sicher sei”, auch der Korse “wäre ein hervorragender Bahnchef”, also ein Mehdorn ante rem, gewesen.
Von Wolfram Schütte

 

Als nun Napoleon Mehdorn die Jahresbilanz der Deutschen Bahn AG mit einem Rekordgewinnergebnis bekannt gab, kündigte er sogleich an, dass man aber zum Jahresende die Bahnpreise erhöhen werde, also den nächsten Feldzug vorbereite. Diese unverschämte, wahrhaftig bonapartistische Frechheit des Bahnchefs wurde in der bürgerlichen Presse, sogar auch von deren neoliberalen Propagandisten, auf das Heftigste kritisiert.

Natürlich hatte aber der staatsangestellte “Bahnchef”, dem es mit schamlosen Geschick in diesem Jahr gelungen war, wenigstens einen Teilbereich der Bahn zu privatisieren, um - am liebsten mit dem gesamten öffentlichen Eigentum - endlich an die Börse gehen zu können, diese einhellig negative Reaktion auf seine Drohung grinsenden Auges vorausgesehen. Es war sozusagen die Würze, um seinen unaufhaltsamen Siegeszug zur Bahn-Privatisierung desto höhnischer öffentlich genießen zu können. Das hatte er nämlich nötig.

Denn es muss ihn doch sehr gewurmt haben, dass er einmal in diesem Jahr einen Fehler gemacht hatte. Nicht, als er den ihm lange Zeit schon willfährigen Transnet-Gewerkschaftsführer Hansen als Arbeitsdirektor in sein Boot geholt und damit für seine treuen Dienste honoriert hatte, sondern weil der zynische Bahnchef die liebdienerische Dummheit des von ihm Ausgezeichneten nicht in Rechnung gestellt hatte und sein neuer Arbeitsdirektor, vollmundig wie sein Chef & Gönner, als erstes von einem Stellenabbau bei der Bahn öffentlich schwätzte.

Voreiliger & offensichtlicher, d.h. bilderbuchmäßiger, konnte der ehemalige Gewerkschafter seine jetzige & künftige Existenz als Mehdornscher Einkauf nicht denunzieren. Auch wenn - wie der erste Grundsatz des dialektischen Materialismus lautet - “Das Sein das Bewusstsein bestimmt”, müsste man doch wenigstens soviel Bewusstsein erwarten dürfen, es nicht gleich auszuplaudern. So sah sich Mehdorn gezwungen, seine dämliche Neuerwerbung öffentlich zurückpfeifen zu müssen. Peinlich, peinlich.

Peinlicher noch, aber nicht für den Napoleon von der Bahn, war jedoch die eilfertige Versicherung des Verkehrsministers Tiefensee, die von Mehdorn angekündigten Bahntariferhöhungen seien “nötig”. Der SPD-Minister tanzt jedoch schon lange nach der Pfeife seines Bahnchefs, der ihn ganz ungeniert schon öfters an der Nase unter uns Zuschauern herumgeführt hat.

Vielleicht winkt Tiefensee aber, wenn er einmal politisch auf dem Trockenen sitzt, auch noch ein Posten von Mehdorns Gnaden im verkehrspolitisch expandierten Kaiserreich des Bahnchefs, der von seinem Vorläufer weiß, dass Napoleon auch “ein begnadeter General war, der allerdings zu viele Kriege führte“. Eine Warnung?

Zumindest sein “Waterloo” hat der Napoleon der deutschen Bahn AG von keinem deutschen Politiker zu befürchten, heiße er Tiefensee oder gar Blücher. Wellington, der den Mehdorn der napoleonischen Zeit endgültig zu Fall brachte, war ein Engländer.
Wait & see.
Trostlose Aussichten für ein mehdornsches St. Helena.

Wolfram Schütte

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