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U-900

23.10.2008

Lasset uns lachen!

Da Deutschland sich selbst als Comedy-Nation sieht und deren schreckliche Ausläufer sich ernüchternder Beliebtheit erfreuen, ist Atze in Großformat eine logische Konsequenz.
Von Jakob Stählin

 

Auf die audiovisuelle Müllkippe wird sich nächstes Jahr – man hat es befürchtet – auch der wohl untalentierteste der Untalentierten gesellen: Mario Barth. Ein Name, der die Contenance verebben läßt, der wie Atze, wie Markus Maria Profitlich, wie der späte Otto, wie die nahezu gesamte Privatfernsehhumorlandschaft eine sittliche Betrachtung ihrer Werke unmöglich macht. Die schalen Lacher der bundesdeutschen Massen zu Mann-Frau-Unterschieden wirken grotesk, sektenhaft, einstudiert; das anarchische Moment des Humors, das Spiel mit Grenzen und Unerwartetem, ja, der ehrliche Lacher, das sich Laben an der Abstrusität weichen einer klebrigen, perfiden Einheitlichkeit, einem Knopfdruck, wie in »TV Total«, Wiederholungen, wie im Privatfernsehen. Unkreativität als Masche, Bestätigung als Rezept – die reinste Hausiererei.

Doch von vorne. Sven Unterwaldt, der ohnehin eher für die jüngeren Kinozuschauer dreht und natürlich stets behauptet, Quatsch wie Siegfried oder 7 Zwerge funktionierten prima, wenn man eine kindliche Seite an sich beibehalten hätte, nimmt sich nun der Thematik eines U-Boot-Films an, ein Sujet also, das die Deutschen durchaus mit einer Sternstunde der hiesigen Filmgeschichte verbinden dürfen. Und immerhin: Der Film ist auf gediegenem Level als Unterhaltungsfilm für Kinder denkbar; mit einem soliden Spannungsbogen und einer doofen Schlußpointe. In verschrotteten Marienhof-Kulissen und staubigen U-Boot-Szenarien latscht Atze durch das dritte Reich und fährt den goldenen Gral nach Amerika.

Eine Schnittmenge aus altbekannten Zutaten, eine gewollte Genresynthese aus Abenteuerfilm und Komödie soll bei Laune halten, doch betrachtet man U-900 aus der Perspektive der erwachsenen Massenzielgruppe, so ist fraglich, ob sich irgendwer daran tatsächlich erfreuen kann. Viel zu nett und freundlich plätschert das Wasser ins Boot und der Film auf die Neunzigminutenmarke zu, die einen Status als Spielfilm zu rechtfertigen versucht.

Die Kunstfigur Atze Schröder, diese nervige Pottlocke, die ihren kompletten Gestus aus einem halben Kalauer zieht, nutzt die Plattform Kino nicht im Geringsten, um mal ein bißchen anzuecken, ein bißchen auf seinem Niveau zu schocken, ja, schlicht konsequent doof, ignorant und frauenfeindlich zu sein. Überraschend, denn gerade diese Attribute des warmherzigen Pseudocharmeurs wären Quelle für zahllose Gagawitze mit hohem Blähfaktor gewesen. Aber: Atze schenkt uns keinen einzigen Pupswitz.

Es ist müßig, sich darüber zu echauffieren, daß U-900 überflüssig ist wie ein Kropf, denn die Einnahmen werden den Produzenten rechtgeben, die Deutschen werden lachen ohne nachher zu wissen weshalb. Ohne die Synapsen übermäßig anzustrengen wird der Kehlkopf exaltierte Geräusche per Kalauknopf in den Kinosälen aufjaulen lassen, doch wie gesagt: Egal ist das Wort der Stunde, U-900 lediglich ein weiterer Nichtfilm im Vakuum des deutschen Humormordors.

Jakob Stählin


U-900. D 2008. R: Sven Unterwaldt Jr. B: Michael Gantenberg, Oliver Ziegenbalg. K: Stephan Schuh. S: Stefan Essl. M: Karim Sebastian Elias. P: Wiedemann & Berg. D: Atze Schröder, Oliver K. Wnuk, Yvonne Catterfeld, Götz Otto, Jürgen Schornagel u.a. 98 Min. Warner ab 9.10.08

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