Eli Pariser: Filter Bubble Hans Arthur Marsiske: Kriegsmaschinen Hommage zum 80. Geburtstag von Fernando Botero von Michael Ebmeyer Joy As A Toy: Dead As A Dodo Nis-Momme Stockmanns Heimkehrstück "Der Freund krank" in Frankfurt uraufgeführt
Montag, 21. Mai 2012 | 11:42

Joseph Roth: Beichte eines Mörders

12.11.2009

Wolfram Berger liest Joseph Roth

Ein idealer Interpret für diesen Text - man meint tatsächlich, man höre den russischen Emigranten, der seine Zuhörer im Pariser Refugium mit seiner Lebensbeichte fesselt.

 

Joseph Roth: Beichte eines Mörders

Noch einmal Joseph Roth: Seine “Beichte eines Mörders, erzählt in einer Nacht” ist in ihrer Mischung aus realitätsnaher Beschreibung und romantischer Fantastik, mit ihren zahlreichen Abschweifungen und Nebenhandlungen, mit ihren unerwarteten Wendungen, mit ihren literarischen Bezügen das wohl kurioseste Werk des großen Erzählers. Im Pariser Restaurant Tari-Bari, dem Treffpunkt gestrandeter russischer Existenzen, erzählt Semjon Golubtschik die abenteuerliche Geschichte aus dem vorrevolutionären Russland, die ihn zum Mörder machte.

Wolfram Berger ist der ideale Interpret für diesen Text, der, ungekürzt auf sechs CDs, fast sechseinhalb Stunden in Anspruch nimmt. Mit seiner heiseren Stimme und jener Grazer Sprachfärbung, die er mit Peter Simonischek, dem scheidenden Salzburger Jedermann, teilt, folgt er der Melodie von Roths Duktus, betont er, was keineswegs mehr schauspielerische Selbstverständlichkeit ist, die Sätze genau so, wie ihr Sinn es eigentlich verlangt. Da kommt keine Monotonie auf, obwohl Berger auf jegliche Exaltiertheit oder auf artikulatorische Mätzchen verzichtet. Man meint tatsächlich, man höre den russischen Emigranten, der seine Zuhörer im Pariser Refugium mit seiner Lebensbeichte fesselt.

Wolfram Berger ist ein untypischer Schauspieler. Er hat mehreren bedeutenden Ensembles angehört, im Fernsehen und in einer ganzen Reihe von Filmen mitgespielt, aber er ist zu rastlos, um sich festzulegen und einen einmal erlangten Erfolg auszubeuten. Dies ist auch nicht das erste Hörbuch, dem er seine Stimme und seine Interpretationskunst leiht, aber es ist vielleicht sein bestes.

 

| kommentar schreiben

Name:
Kommentar:

Von der Verrohung des Bürgertums

Ja, die Welt ist schlecht, weil ungleich. Aber hurra – wir tun doch was! Das Netzwerk der »Tafeln« sorgt dafür, dass auch Hartz-IV-ler würdig ...

Gegen die Dominanz des Beliebten

Nach Amazon (1997) und Google (2004) geht nun mit Facebook das dritte Internet-Schwergewicht an die Börse. Häufig liegen die drei Unternehmen mit der Entwicklung neuer Techniken ...

Garten Eden vor der Haustüre

Sie heißen Tigerella, Gelber Squash oder Rote von Paris. Sie gehören alten Sorten an, die oftmals in Vergessenheit geraten sind – doch ihre Farben-, Formen- und Geschmacksvielfalt ...

Vergangen, aber nicht vorbei

Vor nicht einmal 25 Jahren war sie noch in aller Munde, die Apartheid, und ebenso das Land, zu dem sie allein zu gehören schien, Südafrika. Heute scheint sie und die unmenschlichen ...

Gesamtnote: zehn. Bestanden!

Heute heißt es runter, heute ist Sturzflugprüfung und Telemark muss springen. Edward van de Vendel und Alain Verster erzählen in Die Taube, die sich nicht traute von jenem ...

Verstaubt ohne Ende

Bullenklatschen ist ein irreführender Titel, aber er provoziert – das ließe sich genauso über den Film sagen. Provozierend das Personal: eine Anarcho-Fete. Jedenfalls ...

Der neue Schulmädchenreport

»Das wird ein Riesen-Mega-Hammer-Hit!« - Ein Hit waren schon Enid Blytons Serienauftakt über The Twins at St. Clares, ein Riesenhit die ...