Joseph Roth: Beichte eines Mörders
Noch einmal Joseph Roth: Seine “Beichte eines Mörders, erzählt in einer Nacht” ist in ihrer Mischung aus realitätsnaher Beschreibung und romantischer Fantastik, mit ihren zahlreichen Abschweifungen und Nebenhandlungen, mit ihren unerwarteten Wendungen, mit ihren literarischen Bezügen das wohl kurioseste Werk des großen Erzählers. Im Pariser Restaurant Tari-Bari, dem Treffpunkt gestrandeter russischer Existenzen, erzählt Semjon Golubtschik die abenteuerliche Geschichte aus dem vorrevolutionären Russland, die ihn zum Mörder machte.
Wolfram Berger ist der ideale Interpret für diesen Text, der, ungekürzt auf sechs CDs, fast sechseinhalb Stunden in Anspruch nimmt. Mit seiner heiseren Stimme und jener Grazer Sprachfärbung, die er mit Peter Simonischek, dem scheidenden Salzburger Jedermann, teilt, folgt er der Melodie von Roths Duktus, betont er, was keineswegs mehr schauspielerische Selbstverständlichkeit ist, die Sätze genau so, wie ihr Sinn es eigentlich verlangt. Da kommt keine Monotonie auf, obwohl Berger auf jegliche Exaltiertheit oder auf artikulatorische Mätzchen verzichtet. Man meint tatsächlich, man höre den russischen Emigranten, der seine Zuhörer im Pariser Refugium mit seiner Lebensbeichte fesselt.
Wolfram Berger ist ein untypischer Schauspieler. Er hat mehreren bedeutenden Ensembles angehört, im Fernsehen und in einer ganzen Reihe von Filmen mitgespielt, aber er ist zu rastlos, um sich festzulegen und einen einmal erlangten Erfolg auszubeuten. Dies ist auch nicht das erste Hörbuch, dem er seine Stimme und seine Interpretationskunst leiht, aber es ist vielleicht sein bestes.