Alexander Kluge ist ein Besessener. Es gibt Themen, die ihn nicht loslassen. In seiner aus 4 DVDs bestehenden, elfstündigen Revue filmischer Essays und Interviews schließt er an einzelne Aspekte seiner Nachrichten aus der ideologischen Antike (siehe den CD-Tipp vom 19.2.2009) an. Die Methode hat sich nicht verändert, aber Kluge vertieft manche Fragestellungen, verschiebt gelegentlich den Fokus. Der materialistische Ansatz wird fast noch deutlicher.
Pointierter noch als in den Nachrichten aus der ideologischen Antike stehen das Verhältnis von Wirtschaft und Gesellschaft und die Bedeutung des Geldes im Zentrum. Leitmotivisch zieht sich die jüngste Finanzkrise durch die Teile, die Frage nach ihren Ursachen und ihrer Struktur. Und wiederum vermag Kluge seine eigene Neugier auf den Zuschauer zu übertragen. Auch die sprödeste Materie wird unter seiner Regie zu einem sinnlichen Erlebnis, dem man sich kaum entziehen kann.
Vergleichbar dem Copy & Paste-Verfahren verwendet Alexander Kluge Filmmaterial, das er schon anderswo benutzt hat, oder er nimmt herausgeschnittene Passagen aus Interviews nunmehr auf. Wichtigster Gesprächspartner ist diesmal der Soziologe Dirk Baecker. Völlig unvermittelt brechen drei Gespräche mit Ralf Dahrendorf ab. Schade, davon hätte man gerne mehr.
Erstaunlich, dass Kluge in einem Interview mit einer Russin, die wieder einmal nichts versteht, die „stecken“ mit „stechen“ verwechselt und ihrem Gegenüber nicht erklären kann, dass das russische Wort für „Geld“ ein Pluraletantum ist, nicht erkennt, dass es in dem Märchen von der Frau, deren Froschhaut zu früh verbrannt wurde, ganz offensichtlich um die Jungfernhaut geht, also um eine (vorzeitige) Defloration.