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Montag, 21. Mai 2012 | 12:11

Lyrikkalender 2011 - Jeder Tag ein Gedicht

11.12.2010

Der TITEL-Geschenktipp

Mitte Dezember, das Jahresende naht unaufhaltsam, und wie jedes Jahr scheint der Kalender für das kommende das Wichtigste am ausklingenden Jahr zu sein. Geradezu inflationär wird angeboten, in jeder Buchhandlung und Post, und wer keinen Kalender kaufen möchte, der bekommt ihn halt nachgeworfen – in der Apotheke (mit Werbung für Schmerztabletten am unteren Rand), im Drogeriemarkt, bei der Sparkasse (bei der sich an jedem 10. eines Monats in diskret kleiner, aber dennoch auffällig roter Schrift die Notiz findet: Monatszahler – Lohn- und Kirchensteuer, Umsatzsteuer, Getränke- und Vergnügungssteuer). Von STEFAN HEUER

 

Kalender für lau also, aber entsprechend ansprechend sind die dann meistens auch. Dann doch lieber einen der im Nikolausstiefel vorgefundenen Buchgutscheine in die Hand nehmen und sich einen Begleiter für das neue Jahr besorgen, der diese Bezeichnung auch verdient – einen Kalender, auf den man sich morgendlich freut, den man nicht nur anschaut, weil man wissen möchte, wann Tante Ute Geburtstag hat oder der Zahnarzt mit dem Erscheinen rechnet.

 

Die Mischung macht´s!

Kalender, die die schlaftrunkenen Augen mit Lyrik massieren, gibt es mehrere. Meine Wahl fiel in den vergangenen Jahren auf den von Shafiq Naz herausgegebenen Deutschen Lyrikkalender (von dem auch Ausgaben in englischer und französischer Sprache erhältlich sind), und auch die Ausgabe für 2011 weiß zu überzeugen. Nicht nur bei alkoholischen Longdrinks unter dem Weihnachtsbaum oder Colorado von Haribo, auch hier gilt: Die Mischung machts! Während beinahe alle Lyrik-Sammlungen anhand von Kriterien zusammengestellt werden, die sich entweder an der Herkunft, dem Alter oder dem Bekanntheitsgrad der vertretenen Autorinnen und Autoren oder einer einheitlichen Thematik orientieren, scheint hier nur ein einziges Kriterium zu gelten: die Qualität.

 

Shafiq Naz reiht nicht einfach nur Gedicht an Gedicht, sondern wählt sorgfältig aus einer großen – und ob der Beliebtheit des Kalenders ständig steigenden – Anzahl von eingereichten Gedichten aus, collagiert die einzelnen Gedichte zu stimmigen Reihen, komponiert durch seine Anordnung eine Chronologie des Jahres, dass es eine Freude ist. Selbstverständlich finden sich auch viele der üblichen Verdächtigen, ohne die eine zeitgenössische Lyrik-Anthologie nicht auszukommen scheint, aber warum sollte man gute, wichtige Stimmen weglassen? Zwischen die lebenden Dichter setzt der Herausgeber Klassiker, Hugo von Hofmannsthal zum Beispiel, Achim von Arnim, Theodor Fontane, Joseph von Eichendorff, die Gebrüder Grimm, auch Schiller und Goethe. Erfreulich viele »moderne Klassiker« finden sich; Dichter, deren Bücher man im Regal hat, und auf die man nach solch einem Kalendergedicht wieder richtig Lust bekommt: Johannes Bobrowski etwa, Nicolas Born, Paul Celan, Peter Handke, Peter Rühmkorf, Joachim Ringelnatz, um nur einige zu nennen. Ab damit auf den Frühstückstisch!

 

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