Keine Kritik am Berufsstand
Wenn sie unter sich sind, führen sie Privatgespräche. Sechs Bildschirme zeigen dabei sechs Protagonisten in ihrer stillen Kammer, gefangen im doppelten Sinne: räumlich und in ihrer Rolle. Um sich ihrer Subjektivität und Individualität bewusst zu werden, müssen sie reden, reden, reden.
Am Ende betreten Techniker den Raum und bauen eine Holzwand um die Bühne herum auf. Die Wand symbolisiert die Undurchlässigkeit des Systems und die Unsichtbarkeit der eigentlichen Protagonisten, ihr Abgekoppeltsein von der Menschenwelt, ihr Gefangensein in der medialen Inszenierung.
»Durch die Indirektheit der Arbeitssituation lässt sich viel über das politische System erzählen«, sagt Kathrin Röggla in einem Kurzinterview nach der Aufführung. Um Kritik am Berufsstand der Simultanübersetzer geht es ihr aber nicht. Es handele sich bei den Protagonisten um »hochintelligente Menschen und Gesprächspartner«, die anhand ihres Sprachbewusstseins die Mängel des politischen Systems erkennen und offenlegen können.
Die Autorin:
Kathrin Röggla, geboren 1971 in Salzburg, ist Theater- und Prosaautorin. Sie erhielt bereits zahlreiche Preise wie den Italo-Svevo-Preis oder den Anton-Wildgans-Preis. Die Uraufführung ihres Stückes fand am Mannheimer Staatstheater statt, das Röggla als zeitgenössische Autorin in sein Programm mit aufnahm, weil sie als besonderen Ausdruck zeitgenössischer Dramatik mit »dokumentarischem Material arbeitet, das sie stark rhythmisiert«, sagt Sandra Strahonja, Pressesprecherin für Presse und Schauspiel.
