Während der TITEL-Winterpause verlosen wir Madame Strindberg - oder die Faszination der Boheme von Friedrich Buchmayr. Wer bis einschließlich 8. Januar an der Umfrage teilnimmt, kann ein Exemplar gewinnen.
Frida Strindberg …
(0)… werde ich nacheifern.
(3)… verdient Anerkennung.
(6)… war mir bisher unbekannt.
Ungewöhnliches Biografiekonzept
Dabei legt sich Buchmayr nicht auf das Genre der Biografie fest: Er mischt biografische Passagen, die den chronologischen und faktisch gesicherten Rahmen vorgeben, mit Textausschnitten aus Frida Strindbergs Briefen und Aufzeichnungen (zuweilen kommen auch Weggefährten und Familienmitglieder zu Wort) und Teilen aus Feuilletons und autobiografischen Texten. Das Buch erhält so nicht nur eine übersichtliche Gliederung, die Biografie und anthologische Teile auf den ersten Blick trennt, sondern haucht den reinen Fakten Leben ein: Buchmayr entführt den Leser in die Zeit der Boheme und der Wiener Moderne ebenso, wie in die Anfänge der amerikanischen Filmindustrie. Zahlreiche Fotografien, Postkarten und Billetts unterstreichen die Lebendigkeit des Buches zusätzlich. Madame Strindberg ist eine Biografie mit ungewöhnlichem Konzept, in der das Blättern zum Augenschmaus wird.
Am Ende der Lesereise imaginiert wohl jeder Leser ein anderes Bild: Es ist eine ambivalente Frau, die Buchmayr akribisch rekonstruiert hat. Eine Person, deren Beziehungen nur die Extreme kannten, stets schwankt sie zwischen maßloser Bewunderung und Anbetung oder dem völligen Kontaktabbruch. Auch zu ihren beiden Kindern, Tochter Kerstin von August Strindberg und Sohn Friedrich Max (der Vater ist Frank Wedekind), kann Frida nie ein mütterliches Verhältnis aufbauen. Zeitlebens ist ihr die eigene Karriere als Künstlerin und bald die Selbstinszenierung als berühmte Schriftstellergattin wichtiger. Buchmayr löst den Anspruch seiner Biografie ein: Er liefert kein eindeutiges, fertiges Bild Frida Strindbergs, sondern sammelt Fakten und von Frida Strindberg literarisch Übersteigertes gleichermaßen. Ihrem verdienten Platz in der europäischen Literaturgeschichte ist die »Strindberg-Witwe« mit dieser biografischen Untersuchung Friedrich Buchmayrs nun ein beachtliches Stück näher gekommen.