Eli Pariser: Filter Bubble Hans Arthur Marsiske: Kriegsmaschinen Hommage zum 80. Geburtstag von Fernando Botero von Michael Ebmeyer Der FUTTERblog - streng verdaulich! Joy As A Toy: Dead As A Dodo
Montag, 21. Mai 2012 | 12:43

 

Marie Haller-Nevermann: Friedrich Schiller

16.12.2004

Schillers Leben und Werk

Als Einstimmung auf den zweihundertsten Geburtstag im Jahr 2005 erscheinen zahlreiche neue Biographien über Friedrich Schiller. Marie Haller-Nevermanns Biographie kann dabei, obzwar mit einem Hauch des alten Pathos versehen, zur allgemeinen Einführung dienen. Auch für den ersten literaturwissenschaftlichen Einstieg kann sie empfohlen werden.

 

Zunächst sei angemerkt, dass hier ein wirklich schöner Band vorliegt, der Text ist reich bebildert, die graphische Gestaltung ganz ausgezeichnet, womit der Leser auch schon visuell etwas geboten bekommt. Der Text selber ist sehr faktenreich und es wird eloquent erzählt. Dabei ziehen sich zwei rote Fäden durch das ganze Buch: Der eine klingt im Titel der Biographie bereits an: „Ich kann nicht Fürstendiener sein“, was Schiller als den Dichter der Freiheit ausweist, was natürlich nichts Neues ist, hier aber besonders biographisch begründet wird. Der andere rote Faden besteht in der schwachen Gesundheit des Dichters und, wenn man so will, der Tragik seines Lebens. Gut gelungen ist hier auch die Verknüpfung von Leben, Werk und Zeitgeschehen, wobei naturgemäß Schillers Dramen im Vordergund stehen.

Pathos durch die Hintertür

Wir haben es ja schon immer gedacht. Hinter all den vielen Werken, die Friedrich Schiller in seinem kurzen Leben schrieb, stand der unbändige Schaffenswille, die unglaubliche Diskrepanz zwischen dem Wirken der geistigen Genialität einerseits und der körperlichen Hinfälligkeit andererseits. Man stelle sich das einmal vor: Schiller, der gerade einmal 45 Jahre alt wurde, war die letzten fünfzehn Jahre schwer krank. Aber er schonte sich nicht, er schuf. Was eignet sich besser, um dieses Faktum zu heroisieren, hernach in das allgemeine Pathos einzubinden. Schiller der Nationaldichter, der Volksdichter, der heroisch schaffende deutsche Mensch. Mit Grausen denkt man an dieses vereinfachende, pathetische Schillerbild, das seine Materialisierung dann auch in unzähligen Schillerdenkmalen fand und so der breiten Masse ins Bewusstsein drang. Und so fordern wir von einer heutigen Biographie, fast schon selbstverständlich, die Überwindung dieses Bildes.

Marie Haller-Nevermann erfüllt diese Forderung allerdings nur zum Teil. Sie erfüllt sie immer da, wo sie faktenreich erzählt, wo sie Schiller im Kontext unterschiedlicher Bereiche, der Musik, der Medizin und Psychologie, der Philosophie usw. zeigt und so, das ist das eigentlich Innovative dieses Buches, eine Reihe neuer Facetten ins Spiel bringt. Doch sie erfüllt sie immer da nicht, wo sie auf ältere Rezeptionsliteratur zurückgreift und so immer noch das alte Schillerbild, gewissermaßen durch die Hintertür, wieder hereinlässt, was doch zuvor, sicherlich auch nach eigenem Anspruch, überwunden werden sollte. Lobend hervorzuheben ist dagegen die Rezeptionsgeschichte, die Haller-Nevermann am Ende des Buches bietet, was dem Leser eine Reflektion über eben jenes tradierte Schillerbild erlaubt und diesen Mangel etwas heilt. Aufgrund der zahlreichen Fakten und der gut ausgewählten Literaturhinweise eignet sich das Buch auch für einen ersten literaturwissenschaftlichen Zugang in Schillers Werkwelt, was es cum grano salis empfehlenswert macht.

Frank Kaufmann


Marie Haller-Nevermann: Friedrich Schiller. Ich kann nicht Fürstendiener sein.
Eine Biographie,
Berlin: Aufbau-Verlag 2004,
Gebunden, 304 Seiten mit 156 farbigen Abbildungen, 24,90 Euro.
ISBN 3-351-03018-5

Hier Buch bestellen
direkt und problemlos über unseren eigenen Buchhandel

Dichter und Diplomat

»Ich erzähle von Dingen, die mich sehr stark geprägt haben. Zum Beispiel, der Spanische Bürgerkrieg aufgrund der vielen Republikaner, die in Mexiko Zuflucht suchten und die ...

Gegen die Dominanz des Beliebten

Nach Amazon (1997) und Google (2004) geht nun mit Facebook das dritte Internet-Schwergewicht an die Börse. Häufig liegen die drei Unternehmen mit der Entwicklung neuer Techniken ...

Maigrüße

Ich liebe den 1. Mai. Tag der Arbeit! Der Tag an dem wir den Vorkämpfern der Arbeiterbewegung gedenken. Der Tag, an dem wir demütig unsere Häupter neigen vor | weiterlesen

»Die Macht der Kunst ist, dass sie der Schlüssel zur Wahrheit ist.«

»Wir sind hier ja kein Michael-Jackson-Publikum, sondern gebildete Programmkinobesucher«, tönt der Verleih-Vertreter nach der Premiere von Sing Your ...

Garten Eden vor der Haustüre

Sie heißen Tigerella, Gelber Squash oder Rote von Paris. Sie gehören alten Sorten an, die oftmals in Vergessenheit geraten sind – doch ihre Farben-, Formen- und Geschmacksvielfalt ...

»Scheißwald,
Scheißnatur, ey!«

Leicht grenzwertig diesmal, möchte man meinen. Setzt das gewöhnliche Schema von Mord, Aufklärung, Festnahme etwa Schimmel an? Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) geht dem Hinweis auf ...

Maler der Farben und Formen

Üppige Figuren und bunte Farben sind die Markenzeichen des kolumbianischen Malers Fernando Botero. Anlässlich seines 80. Geburtstags zeigt die Galerie Samuelis Baumgarte Bilder, ...

Toppreis für Ihr Zahngold

Mit Die Sorgen der Killer empfiehlt sich Guido Rohm einmal mehr als Avantegardist der deutschen Kriminalliteratur.

Von THOR KUNKEL

Verstaubt ohne Ende

Bullenklatschen ist ein irreführender Titel, aber er provoziert – das ließe sich genauso über den Film sagen. Provozierend das Personal: eine Anarcho-Fete. Jedenfalls ...