Hans Arthur Marsiske: Kriegsmaschinen Hommage zum 80. Geburtstag von Fernando Botero Aléa Torik: Das Geräusch des Werdens von Michael Ebmeyer Joy As A Toy: Dead As A Dodo Nis-Momme Stockmanns Heimkehrstück "Der Freund krank" in Frankfurt uraufgeführt
Dienstag, 22. Mai 2012 | 12:17

 

Walter Fähnders und Andreas Hansen (Hrsg.): Vom Trottelbuch zum Torpedokäfer

20.02.2004

 



Ein Torpedokäfer im Spiegel der Kritik

 

In einem Sammelband zeigen Walter Fähnders und Andreas Hansen den Dichter Franz Jung im Spiegel der Literaturkritik – und rücken damit ein schiefes Bild zurecht.


 

Der Edition Nautilus kommt zweifellos das Verdienst zu, Franz Jung eine 14-bändige Werkausgabe gewidmet zu haben, die sein facettenreiches Oeuvre wenigstens vorläufig vor dem Vergessen retten mag. Andererseits reproduziert der engagierte Hamburger Verlag auch ein in erster Linie außerliterarisches Bild von Jung, das seit fast 100 Jahren durch die Köpfe und Gazetten wandert. Potentiellen Leserinnen und Lesern wird er als „expressionistischer Dichter, Dada-Trommler, Freiwilliger und Deserteur des 1. Weltkriegs, Aktivist des Spartakusbundes, Mitbegründer der KAPD, Vagabund, Schiffsentführer, Leiter einer russischen Zündholzfabrik, Wirtschaftsanalytiker und Börsenspekulant“ angepriesen. Das klingt nach einer perfekten Mischung aus Graf Luckner und Stefan George, sagt über die ästhetische Qualität des Jungschen Werkes allerdings ebenso wenig aus wie über dessen Rezeption und Stellenwert in der Literaturszene des 20. Jahrhunderts.

Eine neue Publikation des Aisthesis Verlags hilft da entscheidend weiter. Walter Fähnders und Andreas Hansen haben mehr als 300 Rezensionen gesammelt, die Jungs schriftstellerische Arbeiten von der ersten, 1912 erschienenen Novellensammlung Das Trottelbuch bis zur „Torpedokäfer“-Autobiographie, die 1961 unter dem Titel Der Weg nach unten veröffentlicht wurde, begleiteten. Aufschlussreich ist dabei nicht nur das Spektrum der rezensierenden Presseorgane, das vom „Berliner Börsen-Courier“ bis zur „Roten Fahne“ reicht, oder die Namhaftigkeit der sich um Jung bemühenden Kritiker wie Max Herrmann-Neisse, Oskar Loerke oder Robert Musil, sondern auch die gelegentliche Unschärfe der kritischen Auseinandersetzung. Im „literarischen Echo“ bemängelt Jakob Elias Poriotzky die „stillose Widerwärtigkeit“ des Trottelbuches, um sich zwei Sätze später über die „Stilwildnis“ des Autors zu beschweren. Ähnlich gelangweilt wird Jungs Schauspiel Heimweh in Prag und München 1928 als „blutloses Literatenstück“ oder einschläferndes Produkt „eines für andere als dramatische Zwecke begabten Menschen“ abgetan. Selbst Kurt Kerstens Rezension der Autobiographie wirkt allenfalls hilflos, und man versteht nicht so recht, warum sie Jung selbst für die „bösartigste“ von allen hält.

Aus den eigenen politischen Reihen erfährt der Autor dagegen aufmunternde, wenn nicht begeisterte Unterstützung. Dass Teile der Linken in ihm einen politischen und/oder künstlerischen Hoffnungsträger sehen, während die Gegenseite offenbar davon ausgeht, dass Jung – von gelegentlichen Extravaganzen abgesehen – keine besondere Gefahr darstellt, lässt sich nach dieser Lektüre wohl nicht von der Hand weisen. Über seinen künstlerischen Rang und die tatsächliche politische Brisanz seiner Werke sagt das wenig aus, weckt aber gerade deshalb die Neugier, sich erneut mit ihnen auseinander zu setzen. Das mag letztendlich auch das Ziel dieser arbeitsintensiven Publikation sein, deren Nachwort Fähnders und Hansen mit einem bemerkenswerten Jung-Zitat abschließen:

„Ich habe doch an dem Ausdruck und der Sprachkonstruktion gearbeitet und nicht diese Kulturpäpste und Richter‘. Ein Grundsatz: die Arbeit bleibt und niemals die Beurteilung – diese ändert sich bekanntlich, selbst nach Marx.“


Thorsten Stegemann



Vom Trottelbuch zum Torpedokäfer. Franz Jung in der Literaturkritik 1912–1963, herausgegeben von Walter Fähnders und Andreas Hansen. Aisthesis Verlag. 50 Euro

Dichter und Diplomat

»Ich erzähle von Dingen, die mich sehr stark geprägt haben. Zum Beispiel, der Spanische Bürgerkrieg aufgrund der vielen Republikaner, die in Mexiko Zuflucht suchten und die ...

Gegen die Dominanz des Beliebten

Nach Amazon (1997) und Google (2004) geht nun mit Facebook das dritte Internet-Schwergewicht an die Börse. Häufig liegen die drei Unternehmen mit der Entwicklung neuer Techniken ...

Maigrüße

Ich liebe den 1. Mai. Tag der Arbeit! Der Tag an dem wir den Vorkämpfern der Arbeiterbewegung gedenken. Der Tag, an dem wir demütig unsere Häupter neigen vor | weiterlesen

»Die Macht der Kunst ist, dass sie der Schlüssel zur Wahrheit ist.«

»Wir sind hier ja kein Michael-Jackson-Publikum, sondern gebildete Programmkinobesucher«, tönt der Verleih-Vertreter nach der Premiere von Sing Your ...

Garten Eden vor der Haustüre

Sie heißen Tigerella, Gelber Squash oder Rote von Paris. Sie gehören alten Sorten an, die oftmals in Vergessenheit geraten sind – doch ihre Farben-, Formen- und Geschmacksvielfalt ...

»Scheißwald,
Scheißnatur, ey!«

Leicht grenzwertig diesmal, möchte man meinen. Setzt das gewöhnliche Schema von Mord, Aufklärung, Festnahme etwa Schimmel an? Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) geht dem Hinweis auf ...

Maler der Farben und Formen

Üppige Figuren und bunte Farben sind die Markenzeichen des kolumbianischen Malers Fernando Botero. Anlässlich seines 80. Geburtstags zeigt die Galerie Samuelis Baumgarte Bilder, ...

Toppreis für Ihr Zahngold

Mit Die Sorgen der Killer empfiehlt sich Guido Rohm einmal mehr als Avantegardist der deutschen Kriminalliteratur.

Von THOR KUNKEL

Verstaubt ohne Ende

Bullenklatschen ist ein irreführender Titel, aber er provoziert – das ließe sich genauso über den Film sagen. Provozierend das Personal: eine Anarcho-Fete. Jedenfalls ...