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Dienstag, 22. Mai 2012 | 12:45

Jillian Lauren: Harem Girls

24.06.2010

Disney von hinten

Für Prosa nicht literarisch genug, für ein Sachbuch nicht gehaltvoll genug, für Voyeurismus nicht explizit genug, meint JAN FISCHER nach dieser Lektüre. 

 

„Disney hat keine Ahnung von Prinzen!“, steht hinten auf dem Buch in arabisch-arabesker Schrift. Das ist natürlich nichts Neues, Disney hat ja kaum Ahnung von irgendwas, außer natürlich grob romantisierten Kitschbildern einer Welt, die so nie existiert hat und so auch nie existieren wird. Jillian Lauren hat Ahnung von Prinzen, jedenfalls von einem: Prinz Jefri von Brunei.

 

Dabei fängt Laurens Geschichte durchaus wie Disney an: Eine mittellose Künstlerin aus dem Bodensatz der New Yorker Theaterbohème macht sich mit ihrem Blümchenkoffer auf in ein fremdes Land, zu einem Prinzen, der sie zur Frau gewählt hat.

 

Kitsch as Kitsch can

Was dann nicht mehr ganz ins Disneybild passt, ist, dass Lauren sich neben dem Theater ihr Geld als Stripperin und Edelhure verdient. Und außerdem ist sie nicht die einzige Frau des Prinzen, sondern nur eine von vierzig, die sich in ihrem goldenen Vergnügungskäfig tummeln und dort vor sich hin intrigieren, weil es ja sonst nichts zu tun gibt.

 

Lauren stürzt sich mit Elan in dieses Abenteuer und steigt auf - bis zur zweitliebsten Gespielin des Prinzen. Doch dann hat sie keine Lust mehr und kehrt zurück nach New York, wo sie zu einer gefragten Schauspielerin wird ...

Das wäre zwar ein Disney-Ende, wenn Lauren nun nicht das Kind eines bekannten Elektro-Musikers abtreiben würde und, als ihr das Geld ausgeht, noch einmal zu ihrem Prinzen zurückkehrt.

 

Es ist schwer zu sagen, was Harem Girls eigentlich soll. Lauren demontiert kein Prinzenbild, sondern ersetzt Kitsch durch  anderen Kitsch. Auch der Reiz ihrer Ich-war-Nutte-Geständnisse verliert sich relativ schnell durch Sätze wie: „Er vögelte mich von hinten, während mein Bewusstsein unter der Decke trieb und uns beiden zusah ...“ Das ist eher peinlich als skandalös.

 

Der Informationswert – falls ihn jemand suchen sollte - geht ebenfalls gegen Null. Denn Lauren dringt nie in den innersten Kreis der Macht vor, es gibt keine Insiderinformationen aus der Wunderwelt des Brunei-Kapitalismus. Die Nachricht, dass Prinz Jefri 30 Milliarden Dollar veruntreut haben soll, trifft sie genauso überraschend wie alle anderen. Laurens literarische Ambitionen zerschießen dann das Buch endgültig.

 

Was bleibt?

Eine durchgehende Erzähllinie in Harem Girls ist die Geschichte einer linken Künstlerin, die ihre Einstellung zwar nicht grundsätzlich ändert, aber sie doch überdenkt. Und das immerhin ist spannend zu lesen: Lauren beginnt als Aktivistin, die sich gegen internationalen Kapitalismus und gegen die Dominanz der Männer ausspricht, und muss - mitten in eine Welt geworfen, die nicht nur eines der Herzen der globalen Wirtschaft sind, sondern in der sie und ihre Haremskolleginnen immer nur als Luxusspielzeuge vorgesehen waren – ihr Aktivisten-Ich neu ausrichten. Das gibt dann tatsächlich noch ein paar Seiten unterhaltsamer Gedankenakrobatik.

 

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