Kitsch as Kitsch can
Was dann nicht mehr ganz ins Disneybild passt, ist, dass Lauren sich neben dem Theater ihr Geld als Stripperin und Edelhure verdient. Und außerdem ist sie nicht die einzige Frau des Prinzen, sondern nur eine von vierzig, die sich in ihrem goldenen Vergnügungskäfig tummeln und dort vor sich hin intrigieren, weil es ja sonst nichts zu tun gibt.
Lauren stürzt sich mit Elan in dieses Abenteuer und steigt auf - bis zur zweitliebsten Gespielin des Prinzen. Doch dann hat sie keine Lust mehr und kehrt zurück nach New York, wo sie zu einer gefragten Schauspielerin wird ...
Das wäre zwar ein Disney-Ende, wenn Lauren nun nicht das Kind eines bekannten Elektro-Musikers abtreiben würde und, als ihr das Geld ausgeht, noch einmal zu ihrem Prinzen zurückkehrt.
Es ist schwer zu sagen, was Harem Girls eigentlich soll. Lauren demontiert kein Prinzenbild, sondern ersetzt Kitsch durch anderen Kitsch. Auch der Reiz ihrer Ich-war-Nutte-Geständnisse verliert sich relativ schnell durch Sätze wie: „Er vögelte mich von hinten, während mein Bewusstsein unter der Decke trieb und uns beiden zusah ...“ Das ist eher peinlich als skandalös.
Der Informationswert – falls ihn jemand suchen sollte - geht ebenfalls gegen Null. Denn Lauren dringt nie in den innersten Kreis der Macht vor, es gibt keine Insiderinformationen aus der Wunderwelt des Brunei-Kapitalismus. Die Nachricht, dass Prinz Jefri 30 Milliarden Dollar veruntreut haben soll, trifft sie genauso überraschend wie alle anderen. Laurens literarische Ambitionen zerschießen dann das Buch endgültig.