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Dieses Projekt entstammt einer kraftvollen Idee: mit einem Schiff die Donau hinab bis zum Schwarzen Meer zu fahren, um mit Musikern aus den Anrainerländern Konzerte zu veranstalten. Der oberösterreichisches Künstler Hubert von Goisern hat das scheinbar Unmögliche realisiert – und ein umfangreiches Logbuch seiner Reise verfasst. INGEBORG JAISER ist seinem Traum gefolgt.
Eine Schiffsreise auf Donau und Rhein - quer durch Europa - mag zu den letzten großen Abenteuern zählen, die auf diesen Kontinent noch möglich sind. Hubert von Goisern hat vier Jahre lang die trennenden und einenden Kräfte dieser Ströme erfahren. Und kommt zu dem Schluss: „Die schwierigsten Grenzen, auf die wir gestoßen sind, waren jene, die man nicht sieht. Die in unseren Köpfen.“
Irrwege, Umwege, Auswege
Seit langem träumt der Weltmusiker und –reisende von einem Konzertschiff. Als sich die tollkühne Route durch den afrikanischen Tanganjikasee als kaum realisierbar erweist, wächst die naheliegende Idee einer Donaufahrt, von Regensburg bis zum Schwarzen Meer, quer durch vierzehn Länder, begleitet von Musikern der jeweiligen Region. Mit Martin Heller, dem Intendanten der Europäischen Kulturhauptstadt Linz 2009, lernt Hubert von Goisern einen visionären Impresario kennen, der bereits 2005 spontan Unterstützung verspricht. Nur das ursprüngliche Ansinnen, die Aktion in einem Weblog zu dokumentieren, lehnt von Goisern ab – zu ungefiltert, zu unreflektiert, zu spontan. Nein, ein Buch soll es werden, das Tage- und Logbuch eines ungewöhnlichen Grenzgängers.
Doch die ersten Erkundungstouren im Frühjahr 2006 lesen sich wie ein satirischer Bericht über die Fährnisse und Fallstricke europäischer Kulturförderung. Von Goiserns Begeisterungsfähigkeit stößt allenthalben auf Ignoranz, Arroganz, Zynismus. In Bratislava sorgt man sich eher um die sommerliche Mückenplage, in Budapest verweist man in Richtung Provinz – doch je östlicher von Goisern reist, desto offener, herzlicher wird er empfangen. Kontakte werden geknüpft, Ministerien, Magistrate und Medienvertreter besucht, musikalische Partner verpflichtet, eine Crew zusammengestellt, Pressekonferenzen abgehalten, Pläne geschmiedet und wieder verworfen.
Europa im Fluss
Mit einer zum Konzertschiff umgebauten Transport-Barge startet das Team im Juni 2007 in Deutschland. Zwei Jahre wird die Reise im „schwimmenden, singenden, klingenden Dorf“ dauern, erst die Donau hinunter bis zum Schwarzen Meer, dann den Rhein hinauf nach Rotterdam. Und Hubert von Goisern gelingt es, eine musikalische Brücke zu schlagen, zwischen Künstlern und Kulturen, zwischen Ost und West, zwischen der Sehnsucht nach Ferne und dem Segen der Nähe. Wo immer das Schiff anlegt, treten bei den Konzerten Gastkollegen auf: Xavier Naidoo, Haindling,, Konstantin Wecker, Klaus Doldinger, Willi Resetarits - genauso wie regionale Musiker aus Bulgarien, Rumänien, Moldawien.
Von Goisern schildert die Stationen seiner Schiffs- und Konzertreise in ausführlichen, eindrücklichen Episoden, mal himmelhochjauchzend, mal gründlich frustriert, mal vorsichtig skeptisch, mal rechtmäßig stolz. Mit seinem Mammutprojekt hat er Grenzen überschritten und Europa buchstäblich „im Fluss“ erlebt. Sein umfangreiches, liebevoll gestaltetes, mit zahlreichen Fotografien und Zeichnungen versehenes Logbuch vereint den Traum eines gemeinsamen Europas mit dem Glück von Musik und Natur.
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