Passionsfrömmigkeit und Heiligenverehrung
Statt nach Œuvre oder Entstehungszeit wurden sowohl Ausstellung als auch Katalog nach thematischen Gesichtspunkten organisiert; auf diese Weise entsteht ein spannungsreicher Kontrast zwischen den Techniken Holzschnitt und Kupferstich einerseits und den unterschiedlichen Bearbeitungen einzelner Themen andererseits. Christus-, Marien- und Heiligenleben bilden neben den Topoi Vervielfältigtes Gedächtnis und Profanes die Schwerpunkte der Ausstellung, über die der Katalog anhand von profunden Einführungen in die jeweilige Ikonographie und in die Themen mit ihrem ›Sitz im Leben‹ informiert.
So wird etwa Holzschnitten der Dürer-Werkstatt aus der Großen und der Kleinen Passion mit ihrem rigiden Naturalismus und den figurenreichen Kompositionen, die mitunter eine beinah klaustrophobische Wirkung entfalten, Schongauers Ecce homo-Kupferstich (ca. 1475) gegenübergestellt, in dem der Schöne Stil des ausgehenden Mittelalters noch deutlich spürbar ist. Innerhalb der Reihe von Heiligenleben nimmt Schongauers Stich Der hl. Antonius von Dämonen gepeinigt aus den 1470er Jahren (zugleich Titelbild des Katalogs) unumstritten die prominenteste Stellung ein: als einer der berühmtesten Einblattdrucke überhaupt steht er unter dem deutlichen Einfluss altniederländischer Malerei und antizipiert bereits die Formensprache etwa eines Hieronymus Bosch.