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Samstag, 04. Februar 2012 | 14:15

 

Annegret Hoberg, Helmut Friedel (Hg.): Franz Marc.

10.11.2005


Die Kunst der „Weltdurchschauung“

„Ich empfand schon sehr früh den Menschen als 'hässlich', das Tier schien mir schöner, reiner.“ (Franz Marc)

 

Franz Marc (1880–1916) war ein Maler, dessen Werk so eingängig, dessen Selbstzeugnisse scheinbar so schwärmerisch und dessen früher Kriegstod so sinnlos erscheinen, dass angesichts dieser Faktoren in der Auseinandersetzung mit ihm und seiner Kunst seit jeher Verkitschung droht.

Daher sollte zunächst einmal das genaue Hinschauen auf seine Werke und seine Werkentwicklung wieder im Vordergrund stehen. Die derzeitige Ausstellung im Lenbachhaus in München (noch bis zum 08.01.2006), zu der auch der vorliegende Katalog entstanden ist, bietet dafür eine besondere Gelegenheit. Eine ungewöhnlich große Anzahl von Bildern gibt einen bestechenden Überblick über Marcs künstlerische Entwicklung. Wer nicht die Gelegenheit findet, nach München zu kommen, oder wer das dort Gezeigte in aller Ruhe vor- bzw. nachbereiten möchte, dem sei der vorliegende Katalog empfohlen.

Verständliche Texte warnen und bewahren vor einer erneuten, in der Kunstgeschichte althergebrachten, von Traditionen und Vorbildern abgehobenen, schwärmerischen Interpretation von Franz Marcs künstlerischem Weg zu seinem einzigartigen Stil. Erhellend sind in diesem Zusammenhang die Ausführungen etwa zur japanischen und zur buddhistischen Kunst; der Hang von Marc zum „Exotismus“ (Isabelle Jansen) war ein damals verbreitetes Phänomen. Erläutert wird auch sein Verhältnis zu konkreten Vorbildern wie Ferdinand Hodler und Hans von Mareés ebenso wie zu Vincent van Gogh, Paul Gauguin und Paul Cézanne. Hinzu kommen zeitgleiche Strömungen wie Kubismus und Futurismus. Intensiv und freundschaftlich waren darüber hinaus die Verbindungen mit Kollegen wie August Macke oder Wassily Kandinsky und die Zusammenarbeit in der 1911 von Marc mit gegründeten Künstlergruppe „Der Blaue Reiter“, dessen Almanach in vielerlei Hinsicht zum Werkverständnis aller Beteiligten beiträgt.

Sinnvolle Zuordnungen und Vergleiche nehmen dem Werk von Marc also seine weltentrückte, isolierte Einzelstellung und ordnen ihn in malerische Traditionen ein. So entsteht ein lebendiger Eindruck von Franz Marcs aus dem Frühwerk herausreifender, „ausgesprochen geistiger, intellektueller Vorgehensweise“ (Annegret Hoberg), der seinem ab 1911 entstehenden ureigenen mystischen Stil in der Abbildung insbesondere der Tierwelt keineswegs den Zauber, wohl aber das Haltlos-Mystische nehmen.

Von Olaf Selg








Abb.: Der Tiger, 1912.

Annegret Hoberg, Helmut Friedel (Hg.): Franz Marc. Die Retrospektive.
Prestel 2005.
Pappe, 360 farb- u. 28 sw-Abbildungen. 336 S. 29.95 ¤.
ISBN 3-7913-3497-2

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