Donnerstag, 09. Februar 2012 | 05:02

 

A. Schneider, A. Daemgen (Hg.): Pablo. Der private Picasso.

01.12.2005

Sie können Pablo zu mir sagen

Hinter "Pablo. Der private Picasso" verbirgt sich eine Ausstellung des Musée Picasso Paris in Berlin. Es feiert mit diesem Besuch in der Neuen Nationalgalerie zugleich sein 20-jähriges Bestehen, dokumentiert in einem reich bebilderten Katalog.

 

Wie oft mag Pablo Picasso (1881-1973) jungen Frauen wohl zunächst den Vornamen und dann das "du" angeboten haben? Nach der Lektüre des vorliegenden Kataloges kommt man unweigerlich zur Einsicht: ein paar mehr als allgemein üblich sind es wohl gewesen. Diese Erkenntnis ist natürlich nicht neu. Wie überhaupt die Ausstellung und der zugehörige Katalog weniger auf etwas Neues bzw. Sensationelles hinaus wollen, sondern auf einer Zeitreise durch Leben und Werk Picassos eher die stille Seite des großen Künstlers und Womanizers ins Zentrum rücken. Ob allerdings tatsächlich noch vieles privat war bei Picasso? Eher weniger. Nicht nur seine künstlerische Entwicklung spielte sich unter Anteilnahme einer großen Öffentlichkeit ab, auch seine wechselnden Geliebten wurden von ihm zur Schau gestellt, spätestens in seinen Bildern. Zum Schutz ihrer Persönlichkeiten ist natürlich heranzuziehen, dass Picassos Porträts oder Bildnisse nicht im Sinne einer einfachen Wiedererkennbarkeit gestaltet waren, wenn er auch nie zur vollständigen Abstraktion überging, u.a. weil ihm (weibliche) Körper bzw. erkennbare Körperlichkeit zu wichtig waren.
Ohne dass Ausstellung und Katalog dadurch gemindert werden sollen, muss darauf hingewiesen werden, dass Epoche machende Werke wie "Les Demoiselles d'Avignon" von 1907 oder "Gurenica" von 1937 hier (natürlich) nicht vertreten sind bzw. zwar im Werkkontext abgehandelt werden, dem selbst gestellten Thema entsprechend aber nur am Rande. Dies macht zugleich klar, dass der Katalog keine erschöpfende Einführung in das Werk Picassos bieten kann, sondern an zentralen Stellen aufgrund des gewählten, 'privaten' Ansatzes diesbezüglich an der Oberfläche bleibt.

Gleichwohl ist der Katalog mit einer Vielzahl von Kapiteln – entlang wesentlicher Schaffensperioden, Werkformen oder eben wichtiger Frauen in Picassos Leben – übersichtlich gegliedert und sind diese mit jeweils einem gut lesbaren Einführungstext versehen. Eine ausführliche, mehr als nur tabellarische Übersicht über Leben und Werk sowie einige Überblickstexte sowohl zum Leben Picassos als auch zur Geschichte des Musée Picasso runden den Geburtstagsband ab.

Von Olaf Selg



















Angela Schneider, Anke Daemgen (Hg.): Pablo. Der private Picasso. Mit Beiträgen von H. Berggruen, D. Dupuis-Labbé, O. Michel, G.d Régnier und W. Spies. Prestel 2005. Geb. 300 S. mit 180 farb- und 70sw-Abb. 34,95 ¤. ISBN: 3-7913-3506-5


Abb.: Sitzende Frau mit verschränkten Armen, 1937.

Die Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie in Berlin läuft noch bis zum 22.01.2006

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