GEH MIR FORT - Grobzeug im Rindermix 2 - Teil XLI Zum Tod der Literatur-Nobelpreisträgerin Wislawa Szymborska Digitaler Rückblick: Januar 2012 Eine Deutschemichelnachtzipfelzubettgehtirade Der Schauspieler Gary Oldman im Interview Kernnzeichen T - 27.01.2012
Donnerstag, 09. Februar 2012 | 05:03

 

Yilmaz Dziewior, Beatrix Ruf (Hg.): Sarah Lucas.

23.02.2006


Rotzig und respektlos

„Würde ich bestimmte Dinge, die ich als Künstlerin sage, auch in einem voll besetzten Bus sagen?“ (Sarah Lucas)

 

Mann betritt einen Ausstellungsraum und zweifelt an seiner Wahrnehmung: bin ich jetzt doch aus Versehen in die sanitären Einrichtungen geraten? Aber nein: Pissoirs sind in ihrem Inneren selten rot, blau oder grün, und Toilettenschüsseln werden kaum aus uringelbem Glas hergestellt und in Gruppen aufgebaut.

„Schöne Kunst“ ist mit Sicherheit etwas anderes. Sarah Lucas (geb. 1926 in London) setzt gezielt auf die direkte Provokation, gerne auch mit Ekelfaktor. Manchmal kann man den Eindruck bekommen, sie sei von einer Art künstlerischem Tourette-Syndrom befallen, das sie immer wieder shit, dig oder xxxx you wiederholen lässt. Dies und der Wille zur gesellschaftskritischen Aussage heben sie dann auch etwa von der Pop-Art ab.

Sie erklärt ihre (teilweise zu) plakativen, oft gegenständlichen Werke ohne Geheimniskrämerei: „Toiletten wiederum sind so etwas wie die Kehrseite unserer Existenz, die andere Seite der Münze. Versteckt und dreckig dienen sie einzig dazu, all das zu entsorgen, was wir nicht um uns haben wollen. Sie sind uns vertraut ... Allerdings thematisieren wir diese Dinge für uns selbst meist überhaupt nicht.“

Sarah Lucas aber thematisiert. Der vorliegende Band transportiert anschaulich sowohl ihre Arbeiten von 1989 bis 2005 als auch deren Anordnung im Raum, die immer wesentlich ist für die Wirkung ihrer Kunst, häufig in Verbindung mit (fotografischen) Selbstporträts. Wenn sie sich auch nicht mehr gerne der Young- British-Art-Szene der späten 80er- und frühen 90er-Jahre zuordnen lässt, so liegen die Wurzeln ihrer zunehmenden Bekanntheit aber durchaus im unkonventionellen damaligen Aufbruch dieser Bewegung.

Die kompakten Aufsätze vermitteln eine erfrischend unkomplizierte Sicht auf Lucas' Werke und legen u. a. dar, auf welche Art und Weise sie (männliche) Alltags-Klischees verwendet, um diese zu demontieren oder wenigstens in ihrer Banalität bloßzustellen. Ein umfassendes, bebildertes Werkverzeichnis und eine tabellarische Biografie vervollständigen den Band.

Von Olaf Selg














Abb.: The Old In Out (1998, Ausschnitt).







Yilmaz Dziewior, Beatrix Ruf (Hg.): Sarah Lucas
.
Hatje Cantz 2005.
Geb. 196 S. 454 Abb., davon 76 farbig.
39,80 Euro.
ISBN 3-7757-1642-4.

Harder.
Faster.
Louder!

Frank Schäfer, mit universitären Würden ausgestatteter Geisteswissenschaftler, Autor, Kritiker, Hobbymusiker und eingefleischter Metal-Fan hat eine Interviewsammlung zum Thema Heavy ...

Fernsehverbot für den Verfassungsschutz

Das Fernsehen gibt uns immer wieder Rätsel auf. Ich frage mich beispielsweise seit Jahren, wer eigentlich die Live-Übertragungen aus dem Bundestag kuckt? Alle paar Monate schluchzen ...

Ein Jahr lang Frühling

Der arabische Raum war in den vergangenen Monaten in den deutschen Medien so präsent wie selten zuvor. Fast unvermeidlich, dass sich die Veränderungen dort nach angemessener Frist auch in ...

Schweizerinnen auf dem Vormarsch?!?

Wer fällt Ihnen ein, wenn Sie an starke Schweizer Frauen denken? Wenigstens irgendeine Frau? Frau? Fühlen Sie sich nicht zu schlecht, wenn Ihnen zu dem Land, in dem die Frauen erst 1971 ...

Bonsoir Tristesse

Jean Cayrol gehört zu den großen Unbekannten der französischen Nachkriegsliteratur. Sein Roman Im Bereich einer Nacht (L'espace d'une nuit) erschien ...

Life and Death of a Hollywood Extra

»Rede!« – »Ich werde nichts sagen!« Blitz! Schock! Flackern! Noch höher drehen die russischen Schurken die Stromzufuhr des ...