Es ist die von diesen Augen ausgehende reservierte Neugierde, die einen in den Band hineinbegleitet, wo man mit farbsatten Bildern, insbesondere inszenierten Porträts, belohnt wird. Das extrabreite Buchformat bietet darüber hinaus Raum für eine cinemascopeartige Präsentation von Bildern bzw. Bildausschnitten auf Doppelseiten, die Hausners Malweise besonders gut sichtbar machen. Ebenso gelungen ist die Gegenüberstellung von Gemälden, Mixed Media aus Fotografie und Malerei und Fotos, die sich farblich und/oder thematisch entsprechen.
Die theoretischen Ansätze zur Auseinandersetzung mit der Kunst Hausners sind dagegen eher kryptisch. Eine metaphorische Annäherung über das Mikado-Spiel (Katharina Syroka) scheint mehr Rätsel aufzugeben als Einblicke zu gewähren. Man muss sich Hausner auch nicht über Winckelmann, Lessing und die Beschäftigung mit der Laokoon-Gruppe annähern, wie Rainer Metzger in seinem Aufsatz. Schlüssiger erscheint da seine Bezugnahme auf Porträts von Edouard Manet, doch dieser Ansatz wird leider nicht konsequent verfolgt. Dabei springen Parallelen zwischen der Präsentation und der Haltung von Figuren geradezu ins Auge: „Die Figuren sind da, so präsent wie präsentiert. Sie haben kein Problem mit der Gegebenheit des Posierens.“ Hausner selbst vermeidet das Anbiedern an die Abgebildeten etwa durch symbolisches Überhöhen.
Konkreter wird Carl Aigner in seinem Text „Von der Malerei zur Photographie und retour“ und widmet sich der Arbeitsweise Hausners, u.a. der Verbindung von Malerei und Fotografie. Leider bleibt die Herkunft der den Werken Hausners beigefügten Fotografien ungeklärt, ebenso wie auch insgesamt ausführliche biografische Daten zu Xenia Hausner fehlen (vgl. hierzu
http://www.xeniahausner.de).
Das Wichtigste aber, ihre Bilder seit 2000 werden mehr als ansprechend präsentiert. Und es scheint sich immer wieder zu zeigen, dass es der Blick ist, den Hausner ihren Figuren gibt, der auch vieles von ihrem Blick auf die Welt mitteilt.
Von Olaf Selg

Abb.: Body Talk, 2005. Mixed Media auf Dibond.
Xenia Hausner: GlücksFall.
Prestel Verlag 2005.
Geb. dt./engl., 136 S. 90 farb- und 10 sw-Abb.
Preis 39,95 ¤.
ISBN 3-7913-3537-5