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Samstag, 04. Februar 2012 | 14:03

 

JoAnne Northrup (Hg.): Jennifer Steinkamp.

10.08.2006

Ich muss Computeranimation machen.“
Die amerikanische Künstlerin Jennifer Steinkamp (geb. 1958) gilt es, in Deutschland noch richtig bekannt zu machen, obwohl sie schon für Bands wie U2 gearbeitet hat. Dabei bietet sie auf den ersten Blick eigentlich einiges, was sie massenkompatibel erscheinen lässt: Ihre Werke sind bunt, bewegt und neuerdings auch voller Blumen. Ein Blumenkind? Wohl weniger, auch wenn dies insbesondere der auffällig gestaltete Einband nahe legt.

 

Steinkamp schafft computerbasierte Lichtkunstwerke und gestaltet Räume virtuell aus. Ihre Arbeiten sind z. T. performanceartig-interaktiv angelegt; es existieren zwar durch die Programmierung vorgegebene Grenzen, der Besucher kann jedoch auf die Gestalt des Kunstwerks während seiner Anwesenheit durch Tastatur, Maus und/oder Bewegung im Raum Einfluss nehmen, ebenso wie umgekehrt seine Wahrnehmung durch die Licht- und Farbeffekte beeinflusst wird.

Insgesamt wird die Vorstellungskraft bei der zweidimensionalen Präsentation ihrer raumgreifenden Werke in einem Katalog sehr gefordert. Sowohl der kinetische als auch der akustische Faktor – oft werden ihre Werke von einer speziell für sie komponierten Musik begleitet – sind auf Papier kaum darstellbar. Wohl aber wird dafür recht gut mit Raumskizzen die Dreidimensionalität der „falschen Natur“ ihrer Werke dargestellt, wie die Künstlerin ihre Beschäftigung mit der Architektur der jeweiligen Ausstellungsorte nennt: „Die Auseinandersetzung mit den architektonischen Gegebenheiten bildete von Anfang an einen Hauptpfeiler in Jennifer Steinkamps künstlerischer Praxis“ (JoAnne Northrup). Dies macht ihre Werke einerseits zu einem dichten Erlebnisraum und andererseits so einmalig, dass sie an einem andren Ort nicht die gleichen sind oder gar nicht aufgebaut werden könnten. Insofern ist ein Katalog wie der vorliegende doch wiederum eine gute Lösung zum Kennenlernen ihrer Arbeiten. Die Erweiterung des Bildbands um eine beigelegte CD/DVD mit der Video- und Tonaufzeichnung wenigstens eines Beispielwerks wäre aber zwingend gewesen.

Für die deutschsprachigen Leser ist die Rezeption des Bandes zusätzlich erschwert, da der deutsche Text dem englischsprachigen Katalog quasi als Anhang folgt und damit der direkte Text-Bild-Bezug verloren geht. Statt der Nummerierung der Abbildungen wäre hier die Angabe der entsprechenden Seitenzahlen sinnvoller gewesen für eine schnellere Suche nach dem jeweils besprochenen Kunstwerk.

Aber haben wir es überhaupt mit Kunst zu tun? Die Einordnung der Werke von Steinkamp in eine der traditionellen oder postmodernen Kategorien scheint schwer zu fallen, von JoAnne Northrup wird die Nähe zu „Light-and-Space-Künstlern“ angesprochen. Der bemerkenswerte Text von Dave Hickey („Jennifer Steinkamp: Atmen in der Welt“), der u. a. auf das Zeitlos-Zyklische der Arbeiten hinweist, macht da keine langen Faxen. Er stellt und beantwortet die Frage(n) wie folgt: „Macht Jennifer Steinkamp 'Videokunst', 'Digitalkunst', 'Neue Medien', 'neue zeitbasierte digitale Videokunst' oder was? Die Antwort auf alle diese Fragen lautet natürlich: 'Was soll's? Uns gefällt's.'"

Von Olaf Selg


Abb.: X-Ray Eyes (1999-2001)






JoAnne Northrup (Hg.): Jennifer Steinkamp. Prestel Verlag. 208 S. Geb., dt./engl. 100 Farb-Abb. 49,95 Euro. ISBN: 3-7913-3592-8

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