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Dienstag, 22. Mai 2012 | 13:20

 

Hannah Höch: Aller Anfang ist DADA!

10.05.2007


Meisterin der Fotomontage

Noch immer findet die Dada-Künstlerin Hannah Höch (1889–1878) zu wenig Beachtung.

 

Dabei gibt es Stimmen, die ihr – zusammen mit ihrem Lebensabschnittsgefährten Raoul Hausmann – immerhin die Erfindung der Fotomontage zusprechen. Egal, ob sie nun die Erste war oder nicht: sie war in jedem Fall eine der Kreativsten im Umgang mit dieser Form der Collage. Mit ihren Arbeiten hat sie innerhalb der Dada-Sektion Berlin eine eigenständige Position eingenommen, denn auch wenn sie gesagt hat, „Ich habe alles gemacht und mich um Handschrift und Merkmal nie gekümmert“, so liegt ihren Arbeiten doch ein ganz eigener (ironisch-sarkastischer) Stil zugrunde.
Höch weiter: „Emotionale Hemmungen sind mit der Fotomontage leichter zu überwinden als mit der Zeichnung oder irgend einem anderen Medium.“ Man mag gar nicht an Hemmungen bei Höch glauben, sieht man die Resultate ihres Schaffens oder studiert man ihre Biografie, die gekennzeichnet ist von einer anti-bürgerlichen Lebensweise, etwa als jahrelange Geliebte des verheirateten Hausmann, um dann nach dem Ende dieser konfliktbeladenen Beziehung ab 1926 einige Jahre mit der Schriftstellerin Til Brugman in Den Haag zusammenzuleben.

Die Katalog-Aufsätze – „Der Dada-Code“ (Ralf Burmeister), „Von Paaren und Paarungen“ (Maria Makela), „Zwecklos, sich dagegen aufzulehnen?“ (Werner Hofmann), „‚Der Faden, der durch alle Wirrnisse das Leben hielt' – Hannah Höch und Max Ernst“ (Karoline Hille), „Schnittmuster der Kunst – Zu H. Höchs Prinzipien der Gestaltung“ (Karoline Hille) und „‚Wie eine Biene und der Mond' oder: Die ganze Hannah Höch“ (Jörn Merkert) – liefern reichhaltige Einblicke in Denken und Wirken von Höch. Besonders hervorgehoben wird u. a. ihre jahrelange Tätigkeit als Redakteurin einer Handarbeitszeitschrift, so dass Höch ein enge Verbindung von Kreativität und Alltagskunst etwa im Erarbeiten von Handarbeitskreationen und Stickereiverzierungen eingehen konnte.

Erfreulich sind neben den längeren Aufsätzen, die immer wieder die bildkünstlerische Arbeitsweise von Höch anschaulich und nachvollziehbar erläutern, auch die kurzen Texte von einer Seite Länge, die jeweils ein Werk von Hannah Höch genauer analysieren, vergleichbar den Audiokommentaren in einer Ausstellung.

Natürlich kann der Band nicht alles darstellen: Erster Weltkrieg, Ende des Kaiserreichs, Revolution und Weimarer Republik, die Goldenen 20er, Aufstieg und Machtergreifung der Nazis – die Einflüsse des Zeitgeschehens auf Leben und Werk von Höch erscheinen schier unerschöpflich und hätten an mancher Stelle noch ausführlicher erläutert werden können in Verbindung mit der (gesellschafts-) politischen Dimension von Dada. Auch ausführlichere Selbstzeugnisse von Höch wären einerseits nicht verkehrt gewesen, andererseits wird aber zur Genüge auf weitere Literatur verwiesen.

Insgesamt ist der Band informativ und ansprechend gestaltet und verführt zu einer weitergehenden Beschäftigung mit Hannah Höch – etwa durch einen Besuch der Ausstellung „Hannah Höch: Aller Anfang ist DADA!“ in der Berlinischen Galerie (noch bis zum 02. Juli 2007).

Von Olaf Selg




















Abb.: Hochfinanz, 1923.

Ralf Burmeister (Hg.): Hannah Höch: Aller Anfang ist DADA! Texte von Ralf Burmeister, Karoline Hille, Werner Hofmann, Maria Makela, Jörn Merkert, Freya Mülhaupt, Janina Nentwig, Valentine Plisnier, Bettina Schaschke. Hatje Cantz 2007. 224 Seiten, 330 Abb., davon 133 farbig. ¤ 39,80. ISBN 978-3-7757-1919-3

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