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Samstag, 04. Februar 2012 | 14:20

 

Cardiff & Miller: The Killing Machine und...

08.11.2007


Auch was auf die Ohren

So wünscht man sich einen Band über multimediale Kunstwerke: selbst so multimedial wie möglich angelegt.

 

Natürlich: es ist immer noch etwas anderes, einem Kunstwerk, zumal einer optisch und akustisch ausgerichteten Rauminstallation, selbst zu begegnen, es zu begehen. Aber wenn schon ein Katalog über solche Arbeiten, dann sollte man versuchen, das Maximum an Sinnesreizen zu transportieren. Das ist in dem Band "The Killing Machine und andere Geschichten 1995–2007" über die Arbeiten des Künstlerpaars Janet Cardiff (geb. 1957) und George Bures Miller (geb. 1960) gelungen.

Cardiff und Miller erzählen bzw. inszenieren in ihren Kunstwerken kurze Geschichten. Dafür gestalten sie Räume, gerne kleine Räume im größeren Ausstellungsraum. Damit schaffen sie entweder eine kino- oder theaterähnliche Situation, in denen der Besucher mit Kopfhörern ausgestattet Platz nimmt und an einer Vorführung teilnimmt ("Playhouse", 1997; "The Paradise Institute", 2001). Oder die beiden bauen vollgestellt wirkende Räume ("The Dark Pool", 1995; "Opera for a Small Room", 2005), in denen sich die Besucher bewegen und so unterschiedliche akustische Eindrücke erhalten, evtl. auch einzelne Elemente erst durch ihre Bewegung aktivieren.
Sehr überzeugend wirkt auch die titelgebende Arbeit "The Killing Machine" (2007), eine Auseinandersetzung sowohl mit Kafkas Erzählung "In der Strafkolonie" als auch mit der Todesstrafe (in Amerika). Und natürlich erinnert man sich an die entsprechende Szene in John Schlesingers "Marathon Man": "Ein sich bewegender Megafonlautsprecher umkreist einen elektrischen Zahnarztstuhl. Der Stuhl ist mit pinkfarbenem Kunstpelz überzogen und von Roboterarmen umgeben, die in ständiger Bewegung scheinbar ein unsichtbares Opfer attackieren", heißt es dazu im Band.

Dieser versammelt Diverses: Primärtexte, die sich als Inspirationsquelle zu erkennen geben. Sekundärtexte, die die Kunstwerke mal ausführlich erläutern, mal kurz und bündig einleiten. Fotos, die eine Übersicht über das jeweilige Kunstwerk geben. Und eine DVD mit Videoclips, die die beschriebenen Raum- und Klanginstallationen nachvollziehbar machen – da bleibt kein Wunsch offen.

Hinzu kommt eine sehr ansprechende Gestaltung, die zum Beispiel zwischen ganzseitigen Fotos und zum Teil luftig bedruckten Seiten abwechselt, und wo die Primärtexte wie kleine Extraheftchen mit einem anderen Papier eingebunden sind – da kommt auch noch das haptische Erleben zum Zug. So ist dieser Band über Kunst fast schon selbst ein kleines Gesamtkunstwerk.

Von Olaf Selg





















Abb.: The Killing Machine, 2007 (Detail)

Janet Cardiff & George Bures Miller: The Killing Machine und andere Geschichten 1995–2007. Hg.: Ralf Beil, Bartomeu Marí, Text von Jorge Luis Borges, Julio Cortázar, Philip K. Dick, J. W. Dunne, Robert Jourdain, Franz Kafka, Essays von Ralf Beil, Christy Lange, Jeanni R. Lee, Bartomeu Marí. Hatje Cantz 2007. 224 Seiten, 104 Abb., davon 75 farbig. Mit DVD 35,00 ¤. ISBN 978-3-7757-1937-7

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