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Dienstag, 22. Mai 2012 | 13:42

 

Gerhard Richter: Abstrakte Bilder.

15.01.2009


Gegen die Spektakelkultur

Die abstrakten Bilder von Gerhard Richter (geb. 1932) sind ein kunstvoller Protest gegen die Verwertungsmechanik des Kunstmarkts. Von Olaf Selg

 

Kann das gelingen? Natürlich nicht. Ein erfolgreicher Maler kann auch Sch... auf die Leinwand schmieren, und die Kunstwelt ist begeistert, es wird berichtet, gekauft. Denn der Kunstmarkt funktioniert weder nach moralischen Gesichtspunkten noch aufgrund von Verständnis für eine ästhetische Theorie hinter dem Kunstwerk.

Der Bildband „Abstrakte Bilder“ umfasst Arbeiten Gerhard Richters von 1986 bis 2008. Man muss die Werke nicht mögen, kann Richter den Übergang von seinen „Fotografischen Bildern“ hin zur abstrakte(re)n Malerei verübeln. Der Bildband verschafft aber nicht nur einen intensiven Einblick in diese Werkgruppe Richters, sondern zugleich auch exemplarische Kenntnisse der speziellen Konstellationen der abstrakten Kunst über den Spezialfall Richter hinaus, und das auf engstem Raum, auf knapp 160 Seiten.

Konstruktiv und destruktiv

Bevor man die drei substanziell dichten Aufsätze zu Beginn des Bandes liest, sollte man die Bildtafeln goutieren – wenn auch natürlich nicht jedes Werk die gleiche Anziehungskraft besitzt – und dann den Text „Gerhard Richter – ein Moment in der Zeit“ von Ulrich Wilmes lesen. Hinter dem kryptischen Titel verbirgt sich eine sehens- und lesenswerte „Dokumentation von Zuständen bei der Entstehung abstrakter Bilder“. Richter selbst hat seine Werke „Rot“ (1994), „Cage 1“ und „Cage 4“ (2006) während ihrer Entstehung in verschiedenen Stadien fotografiert. Diese 23 bzw. zweimal 9 Vorstufen in Beziehung zum fertigen Werk gesetzt zu sehen, ist äußerst aufschlussreich. Hier wird verständlich, warum Richters Abstraktionen oftmals so dicht, so spannungsreich erscheinen: Den Bildern liegt „eine äußerst differenzierte Abfolge konstruktiver und destruktiver Prozesse zugrunde“. Und: „Die das Bild konstruierenden Farbelemente und -strukturen ... bilden Analogien und Ergänzungen, Widersprüche und Kontraste, sie differieren sowohl hinsichtlich des Duktus' der Spuren als auch der Textur der Oberflächen und verweigern also eine Einheitsbildung im Sinne einer tradierten Komposition.“ (Wilmes)

Verweigerungshaltung

Anschließend kann man sich den ersten drei Aufsätzen im Band widmen: „Geste, Faktur, Index: Abstraktion in der Malerei von Gerhard Richter“ von Benjamin H. D. Buchloh, „Gerhard Richter – Abstraktion als Entgleisung“ von Gregor Stemmrich und „Arbeit am Bild. Gerhard Richters Diskretion“ von Beate Söntgen. Die Texte unterstützen u. a. die Darstellung der Verweigerungshaltung Richters, etwa bezüglich seiner künstlerischen Opposition gegen die „dem Arsenal des Spektakels anheim gefallene“ (Buchloh) abstrakte Kunst seiner Kollegen Yves Klein oder Jackson Pollock. Um keine, wie auch immer gearteten, Erwartungen absichtlich zu erfüllen, setzt Richter nach Beate Söntgen auf intensive künstlerische „Arbeit“ (siehe Dokumentation der Vorstufen der fertigen Bilder) statt auf „flüchtige Gestik“ und schafft so „ein Werk, das Bestand hat“.

Von Olaf Selg















Abb.: Gerhard Richter: Schwan (3) (1989)


Ulrich Wilmes (Hg.): Gerhard Richter: Abstrakte Bilder. Texte von Benjamin H. D. Buchloh, Gregor Stemmrich, Beate Söntgen, Ulrich Wilmes. HatjeCantz 2008. 160 Seiten, 137 Abb., davon 136 farbig. ¤ 49,80. ISBN 978-3-7757-2248-3

Ausstellungen: Museum Ludwig, Köln 18.10.2008 - 1.2.2009, Haus der Kunst, München 27.2. - 17.5.2009



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