Hommage zum 80. Geburtstag von Fernando Botero von Michael Ebmeyer Der FUTTERblog - streng verdaulich! Joy As A Toy: Dead As A Dodo Kennzeichen T - 28.04.2012 Nis-Momme Stockmanns Heimkehrstück "Der Freund krank" in Frankfurt uraufgeführt
Dienstag, 22. Mai 2012 | 13:45

 

inside//outside - Innenraum und Ausblick

12.02.2009


Raumkunst

Reale Räume, fast immer menschenleer. Sie schaffen Freiräume für Imagination, reizen zur Spekulation, scheinen auf die Abrissbirne oder auf ein weiteres Crime-Scene-Investigation-Team zu warten. Von Olaf Selg

 

Der Band „inside//outside – Innenraum und Ausblick in der zeitgenössischen deutschen Fotografie“ wirkt im besten Sinne wie ein Essay. Der Themenkomplex „Raum und Sehen“ wird in Texten und Fotografien umkreist, vieles angedeutet, spielerisch verknüpft, keine Zwangsläufigkeit festgeschrieben. Den Lesern und Betrachtern werden Denkräume bzw. „Imaginationsräume“ (Franck Hofmann) eröffnet. Einziges Manko des Bandes: Größere Abbildungen, die sich über mehr als eine Seite erstrecken, verlieren durch den Knick in der Buchmitte an Wirkung.

Nicht unwichtig zu wissen ist, was Simone Förster in ihrem kompakt einleitenden Aufsatz („inside//outside – Innenraum und Ausblick in der zeitgenössischen deutschen Fotografie“) erläutert: Der Ausstellungstitel leitet sich „aus einem Begriff der musikalischen Improvisationstechnik im Jazz ab, ... bei der sich der Solist für eine bestimmte Zeit gänzlich von den harmonischen Vorgaben, der Tonalität des Motivs oder des Themas und der zugrunde liegenden Akkordfolge ... entfernt und es entstehen ... freie, akkordfremde, abstrakt wirkende Klangbilder“. Dies führt allerdings beim Jazz nicht dazu, sich in einer völlig schrägen Tonfolge zu verlieren, wie man vermuten könnte, sondern konsequent immer wieder zurück zum Thema – wie auch in diesem Fall in der Fotokunst. Förster zeigt geschickt auf nur wenigen Seiten verbindende Linien auf und verknüpft die Bilder mit möglichen Intentionen der Fotografen, ohne dabei unnötig festzuschreiben.

Das Verschwinden des Außen

Franck Hofmann behandelt in seinem Text „Ein Fenster in der Welt. Reflexionen über den Zusammenhang von Innenraum und Ausblick“ die Rolle des Betrachters und das Verhältnis von Innen- und Außenraum an seiner ureigensten Schnittstelle, dem Fenster. Das Fenster ist sowohl verbindendes Element von innen und außen in der Realität als auch Motiv in der Kunst (also nicht nur in der Fotografie). Die Feststellung, „die Arbeiten der Ausstellung bezeugen ein Verschwinden des Außen, auf das ein Blick zu richten wäre“, ist dabei sehr allgemein gefasst und vielleicht nur auf eine (vorübergehende) Interieurverliebtheit der ausgewählten Fotografien oder Fotografen zurückzuführen, obwohl nur sechs von 16 Künstlern - namentlich Günther Förg, Sabine Hornig, Thomas Florschuetz, Andreas Gursky, Edgar Lissel und Heidi Specker - versuchen, das Spektrum von „inside//outside“ breiter anzuspielen. Sie zeigen Verknüpfungen von innen und außen (z.B. Thomas Florschütz’ Aufnahmen heraus aus der Abrissruine des Palasts der Republik in Berlin, 2006) oder „die Überlagerung von außen und innen als transparente Schichtung“ (Förster), wie Sabine Hornig in ihren Bildern.

Auf vielen Fotos sind also Innenräume zu sehen, mal kunstvoll gestaltete (z.B. Candida Höfer: Theatro Municipal Rio de Janeiro II, 2005), mal künstlich nur für eine Nacht und für die Fotografie umgebaute Räume (Florian Slotawa und seine Umbauten in Hotelzimmern von 1998 und 1999), mal leergeräumte (z.B. Laurenz Berges im Berliner Umland, 1994) oder schon immer leerstehende Räume als Folge des Baubooms (z.B. Hans-Christian Schinks Büroleerstand, 1998).
Gemeinsam aber ist allen Bildern, egal ob auf ihnen ein Innen- oder Außenraum oder eine komplexere thematische Verknüpfung zu sehen ist, dass sie Fragen nach dem Grund für den jeweiligen Raumzustand und nach seiner möglichen räumlichen Einbindung in die reale Umgebung aufwerfen, also Neugierde auf die Geschichte hinter dem Foto wecken.

Olaf Selg












Abb.: Florian Slotawa: Pension Josefine, München, Zimmer 18, Nacht zum 5. Juli 1999

Walter Smerling, Simone Förster (Hg.): inside//outside – Innenraum und Ausblick in der zeitgenössischen deutschen Fotografie. Texte von Simone Förster, Franck Hofmann. Wienand Verlag 2008. 112 Seiten mit 56 farbigen und 16 s/w Abb. 29,80 ¤, ISBN 978-3-87909-970-2



-------------------------------------------------------------

Garten Eden vor der Haustüre

Sie heißen Tigerella, Gelber Squash oder Rote von Paris. Sie gehören alten Sorten an, die oftmals in Vergessenheit geraten sind – doch ihre Farben-, Formen- und Geschmacksvielfalt ...

Öko oder Nazi - Hauptsache Pirat!

Die gute Nachricht zuerst: Die Polizei hat diese Woche bei einer Razzia in Nordrhein-Westfalen zwanzig Wohnungen durchsucht und drei Rechtsextreme im Alter zwischen 18 und  20 Jahren ...

Gegen die Dominanz des Beliebten

Nach Amazon (1997) und Google (2004) geht nun mit Facebook das dritte Internet-Schwergewicht an die Börse. Häufig liegen die drei Unternehmen mit der Entwicklung neuer Techniken ...

Augenblicke des »alten Europa«

Tony Judts literarischer Gang durch sein Chalet der Erinnerungen.

 

Von WOLFRAM SCHÜTTE

Toppreis für Ihr Zahngold

Mit Die Sorgen der Killer empfiehlt sich Guido Rohm einmal mehr als Avantegardist der deutschen Kriminalliteratur.

Von THOR KUNKEL

Verstaubt ohne Ende

Bullenklatschen ist ein irreführender Titel, aber er provoziert – das ließe sich genauso über den Film sagen. Provozierend das Personal: eine Anarcho-Fete. Jedenfalls ...