Wäre die SPD nicht auf dem absteigenden Ast und wäre die Stelle des sozialdemokratischen Kunstwarts nicht durch Günter Grass besetzt und mit einer Betroffenheitspatina belegt, könnte die Bezeichnung „sozialdemokratische Kunst“ durchaus positiv klingen. Olaf Metzel mit auf den absteigenden Ast zu setzen, wäre jedoch unfair. Auch würde man das spielerische Element in seinem Werk verkennen.
Aber völlig verkehrt ist das Politvokabular auch nicht, ist das Gesellschaftspolitisch-Plakative durchaus eine Konstante in seinen Arbeiten. Die „Öffentlichkeitsarbeiten“, von Marius Babias treffend als „Wirklichkeitscollagen“ charakterisiert, tragen Titel wie „Stammheim“ (1984) und „Nicht mit uns“ (2000/2001) nach einem Zitat von Willy Brandt oder zeigen eine riesige Pistole im Vorgarten des ehemaligen Bundeskanzleramtes in Bonn („Idealmodell PK/90“ von 1986). Fast schon eine Ikone ist „13.4.1981“ (1987), ein martialisch wirkender Turm aus Polizeiabsperrgittern.
Provokante Assoziationen
Das Attraktive an vielen Arbeiten von Olaf Metzel ist nicht allein der auffällige Eingriff in die Alltagsumgebung durch die Platzierung im öffentlichen Raum, sondern die dadurch frei werdenden Assoziationsmöglichkeiten, die Teile der Bevölkerung tatsächlich zu provozieren scheinen: Das „Randaledenkmal“, das ursprünglich mit auf dem Skulpturenboulevard am Kurfürstendamm in Berlin stand, wurde von Konservativen hinweggemobbt; bei der Arbeit „Aufhängen“ (1993) in Potsdam wurde der herunterbaumelnde Strick mit Schlinge immer wieder von Unbekannten abgeschnitten, so dass auf makabere Art das „aufhängen, abschneiden, aufhängen, abschneiden“ realisiert wurde; im Jahr 2007 wurde Metzels Plastik „Turkish Delight“ (2006), eine nur mit einem Kopftuch bekleidete, nackte Frau, in Wien vom Sockel gestoßen – „Fundamentalisten aller Länder, vereinigt euch!“, dazu muss man nicht mehr aufrufen, das ist im Kleingeist schon lange geschehen. Und doch erscheinen derartige Reaktionen als gute Zeichen für die durchaus mögliche Lebendigkeit von Kunst, steht diese damit im Gegensatz zur vielfach verbreiteten „Boutiquen-Kunst“ (O. Metzel).
Dem Band gelingt es, insgesamt deutlich zu machen, wie Metzels Kunst im öffentlichen Raum gestaltet ist, wie sie über die Verhältnisse der Welt, in der sie (ent)steht, etwas zu sagen hat ohne falsches Missionierungspathos. Abwechslungsreich erscheint hierbei die Mischung aus Kurzdarstellungen diverser Autoren (s.u.) sowie Werkkommentaren und Interviews von und mit Olaf Metzel. Dass einem dabei ein zehn Jahre altes Interview nach wie vor hochaktuell vorkommt – „Irgendwann, wenn man Pech hat, landet man immer unter den Brücken“ – stimmt einen fast schon wieder sozialdemokratisch-betroffen...

Abb.: „13.4.1981“ (1987)
Fritz Barth (Hg.): Olaf Metzel - Öffentlichkeitsarbeiten. Texte von Fritz Barth Marius Babias, Rudij Bergmann, Hans Dickel, Helmut Friedel, Gerald Matt, Friedrich Meschede, Olaf Metzel, Bernhart Schwenk, Florian Waldvogel, Ulrich Wilmes u.a., Gespräche mit dem Künstler von Marlene Streeruwitz u.a. Hatje Cantz 2009, dt., engl. 232 Seiten, 191 Abb., davon 96 farbig. ¤ 68,00. ISBN 978-3-7757-2359-6
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