Im Schatten des schönen Scheins
Die Intrigen und Skandale, die den Laden im Hintergrund bestimmen und am Laufen halten, liefern nicht nur mehr als genug Stoff für sensationsgeile Klatschreporter, sondern nicht selten auch für den Staatsanwalt. Als einfaches Beispiel sind hier die zweifelhaften Karrieren von Kunstfälschern zu nennen. Oder, ebenso naheliegend, Verbrechen im Zusammenhang mit Kunstgegenständen, die in Zeiten des Umbruchs – z.B. während oder nach dem Zweiten Weltkrieg – begangen wurden und werden. Nicht zu vergessen sind an dieser Stelle auch drastische Darbietungen aus dem Bereich der Performancekunst, die die Gemüter der Öffentlichkeit und der Justiz erhitzen, oder an Kunstobjekten begangener Vandalismus von Seiten religiöser Fanatiker, eifersüchtiger Trittbrettfahrer und nicht zuletzt sammelwütiger Touristen. Komplettiert werden die Eklats durch regimetreuen Ikonoklasmus, anklagende und/oder berechnende Blasphemie und, natürlich, obligatorischen Drogenmissbrauch. Doch auch für Mord und Totschlag stellt der Kunstbetrieb einen dankbaren Nährboden, auf dem diese Verbrechen gut gedeihen können.
Offensichtlich sind nicht nur die Seelen der Künstler zerbrechlich. Zum Glück haben viele der fragwürdigen Taten, die einem eine Ahnung von der hässlichen Kehrseite der Welt der schönen Künste vermitteln, keine nachhaltigen Schäden in verletzten Gemütern verursachen können, sondern lediglich diverse Kontostände nach oben korrigiert. Klar, Skandale sorgen für Aufmerksamkeit, und schon klingelt die Kasse. Gedruckte Worte auf billigem Papier sind oft einträglicher als Ölfarben auf Leinwand. Schön, dass sich der in seinem nebulösen Nimbus verborgene Kunstbetrieb in diesem Zusammenhang in all seiner Weltlichkeit offenbart.