Verändertes Gesicht
Jede Art von urbaner Kunst, so wird einleitend erklärt, nimmt ihren Anfang im Reiz des Verbotenen, der jedem „Betreten verboten“-Schild innewohnt; so ist ein Graffiti in seiner ursprünglichen Form auch nichts anderes als Protest und Ausdruck am Widerstand gegen Autoritäten. Urban Art ist jedoch mehr als mutwillige Zerstörung, Vandalismus und Übergriffe auf das Eigentum anderer, sie ist nicht destruktiv, sondern produktiv: Gerade verfallene, verwahrloste Wände laden Sprayer dazu ein, sie zu verändern, durch Farbe und die eigene Signatur individuell zu gestalten und zu verändern – kurz: sie sich anzueignen. Genau dies geschah in der Keimzelle der Urban Art, in den New Yorker Armenvierteln Mitte der Siebziger Jahre. In enger Verbindung mit Graffiti stand von Anfang an die sich formierende Subkultur des HipHop – und schon immer trugen Graffitis deshalb auch eine politische Aussage.
Mit den sozialen Brennpunkten hat sich in den vergangenen Jahrzehnten auch das Gesicht der Street Art verändert: Nicht mehr Bürgerrechtsfragen bestimmen den gesellschaftlichen Diskurs, sondern die Folgen von Finanzkrisen und Konflikte zwischen Religionsgemeinschaften sind es, die die Künstler mit ihren Werken thematisieren. Deshalb spielt auch der Ort, an dem ein Graffiti angebracht wird, eine wichtige Rolle – für seine Boxers aus dem Jahr 2007 beispielsweise hat deshalb Faile die symbolträchtige Sperrmauer zwischen Palästina und Israel gewählt.