Giovanni Segantini, sein Name allein evoziert Fernweh, ist Synonym für die Idylle der Hochalpen. Am Fuß der Alpen, in Basel, hat man in der Fondation Beyeler diesem einzigartigen Maler eine Ausstellung gewidmet (16.01.-25.04.11). Eine umfassende Retrospektive, doch keine Gesamtschau. Dies scheint nach den Worten von Guido Magnaguagno, einem Hauptverantwortlichen des Projekts, ein Ding der Unmöglichkeit. Das Alpentriptychon (1896-99) mit seinem Riesenformat oder Die Strafe der Wollüstigen (1891), als Hauptwerk des Symbolismus in Liverpool befindlich, waren nicht loszueisen. Vor allem im Falle des Alpentriptychons (Mit den drei Tafeln: Werden – Sein – Vergehen) wiegt das nicht zu schwer, ist es dem Besucher doch durch die verwandten Bildwelten anderer Exponate und durch großartige Vorstudien im Gedächtnis präsent. Der Katalog bietet zusätzlich doppelseitige Farbabbildungen des in St. Moritz befindlichen Hauptwerks.
Geboren 1858 im damals noch österreichischen Arco am Gardasee, wuchs Segantini in ärmlichen Verhältnissen in Mailand auf, wo er in der zweiten Hälfte der 1870er Jahre seine Ausbildung zum Maler begann. Etliche Exponate aus dem Frühwerk zeigen dem Betrachter einen ganz unbekannten Segantini. Von 1880 an, begann sein Weg nach Norden – immer weiter und höher trieb es ihn in die Alpen hinauf. Als »Künstler-Outcast« bezeichnet ihn Ulf Küster in seinem Katalogbeitrag. Segantini blieb ein Staatenloser bis zu seinem Tod. Nachdem in Mailand die österreichische Staatsbürgerschaft abgelegt wurde, nahm er weder die italienische noch später die Schweizer Staatsbürgerschaft an. Ein Umstand, der ihm freie Reisen nahezu unmöglich machte. Nie besuchte er Paris, das Kunstzentrum des 19. Jahrhunderts, obgleich vor Ort seine Werke ausgestellt wurden – und das mit großem Erfolg. Weder einen Drang noch eine Notwendigkeit zum Verreisen verspürte er, noch dazu in eine Großstadt. Vielmehr suchte er die Isolation, die Einsamkeit inmitten der Natur.