O brave new world that has such buildings in it ...
Rund ein Vierteljahrhundert liegt zwischen den beiden Bildbänden. Obwohl sie kaum verschiedener sein könnten, besitzen sie den gleichen faszinierenden Themenhintergrund. Im Geist des Künstlers Frederic Chaubin fanden überalterte und avantgardistische Darstellung kommunistischer Architektur ihren Berührungspunkt. Der abgegriffene Bildband, den der französische Fotograf und Herausgeber des Magazins Citizen K in Tiflis aufstöberte, führte ihn auf die Fährte kommunistischer Architektur. Chaubins Suche nach seinen »CCC«, den »Cosmic Comunist Constructions«, sprengte selbst die weitläufigen Gebietsgrenzen der ehemaligen Sowjetstaaten. Die eigensinnigen Geisteskinder des architektonischen Konstruktivismus waren bis nach Südamerika und Kambodscha gewandert. Den Ertrag seiner Suche präsentiert Frederic Chaubin in dem neu erschienen Bildband Cosmic Communist Constructions Photographed. Fünf umfassende Kapitel strukturieren die baulichen Bizarrerien in Bereiche des öffentlichen Lebens, angefangen bei »Unterhaltung und Kultur« über »Wissenschaft und Technologie« bis hin zu »Riten und Symbole«.
Das Attribut »Cosmic« wirkt beinah untertrieben für die architektonischen Fantasien der Sowjetarchitektur. Galaktische Gebäude erinnern an Szenerie-Relikte aus Science-Fiction-Filmen. Verwinkelte Konstruktionen recken sich in einsamen Landschaften gleich einem Motiv M. C. Eschers gen Himmel. Die Architektonik ist geistiges Konstrukt einer gesellschaftlichen Epoche, deren zentrales Moment die Vision war. Visionär sind die Gebäude in ihrer ausufernden Abstraktion und groteske Geometrie. Fast beängstigend wirken manche der surrealen Gebilde. Das Klettergerüst auf einem verwaisten Spielplatz reißt das Maul eines gespenstischen Tierwesens auf, das diejenigen, die dort toben könnten, zu verschlingen scheint. Die Revolution frisst ihre Kinder.
Die Kreativität der Architekten, die in dem repressiven System keinen Ausdruck fand, scheint sich in den überbordenden Gebäuden freizukämpfen. Die befremdlichen Bauten werden zu eigentümlichen Vorboten einer strahlenden Zukunft, deren Platz eine niederschmetternde Gegenwart einnahm. Ihre Monumentalität spiegelt die des kommunistischen Staatsgrundsatzes. The shape of things to come sollte The shape of things to overcome sein. Sie wurde The shape of things to never come.