Vor 13 Jahren wurden Parastou Forouhars Eltern in Teheran ermordet, beide waren führende Oppositionelle. Seitdem kämpft die Konzept-Künstlerin Forouhar politisch und mit künstlerischen Mitteln für eine Aufklärung des Verbrechens und für eine Veränderung der Verhältnisse im Iran. Seit 1991 lebt und arbeitet Parastou Forouhar in Deutschland. Sie war unter anderem Stipendiatin der Hessischen Kulturstiftung (2001) und der Villa Massimo in Rom (2006).
Titel: Frau Forouhar, haben die momentanen Umwälzungen in den arabischen Ländern Einfluss auf die Situation der Aktivisten und Künstler im Iran?
Forouhar: Natürlich könnte man behaupten, dass die Eindrücke der Aufstände den Menschen im Iran neue Motivation gegeben haben, aber damit würde man auf einer sehr allgemeinen Ebene bleiben. Das ist so einfach gesagt! Ich treffe nur ungern so allgemeine Aussagen, das ist nicht meine Art.
Titel: Sie fahren jedes Jahr im November in den Iran, um das Andenken ihrer ermordeten Eltern zu wahren. Dabei werden Sie regelmäßig schikaniert, 2009 etwa hielt man Sie wochenlang grundlos fest. Welche Eindrücke haben Sie bei Ihrem letzten Besuch gesammelt?
Forouhar: Im Iran herrscht zurzeit eine große Welle der Repression. Menschen sitzen in Gefängnissen, oder stehen unter Hausarrest, es gibt Hinrichtungen, Menschen versuchen, das Land zu verlassen. Die Aktivisten werden ständig kontrolliert und beobachtet. Die Kunstszene versucht, eine verdeckte Sprache zu entwickeln, um ihre Haltung zu artikulieren. Oft bleibt es aber bei einer inneren Haltung, die nicht nach außen dringen kann.
Auf der Straße ist immer noch eine gewisse Unzufriedenheit und auch Wut zu spüren, aber diese Wut findet keinen Kanal um sich zu äußern, genau da hat das Regime eine massive Barriere aufgebaut.
Titel: In den Medien wird oft gefragt, warum eine Revolution wie in Ägypten und Tunesien nicht auch im Iran möglich ist. Unterschätzt man das Ausmaß der Repression?
Forouhar: Ja! Im Iran werden gleich nach China weltweit die meisten Menschen hingerichtet. In den Gefängnissen wird gefoltert und vergewaltigt. Humane Haftbedingungen, die eigentlich im Gesetz verankert sind, können nicht durchgesetzt werden. Die beiden Führungsfiguren der Grünen Bewegung sind zum Beispiel seit Wochen unter Hausarrest. Einer von ihnen durfte nicht mal seinen eigenen Vater am Sterbebett besuchen. Obwohl das Regime innerlich sehr zerstritten ist, reagiert es mit voller Härte auf die Gegenseite.