Nähe und Distanz zugleich
Dabei zeichnet zweierlei die Arbeiten von Herlinde Koelbl aus: Sie nähert sich den Menschen mit Geduld und Respekt, erhält so einen sehr privaten, teils intimen Zugang, den sie aber nie ausnutzt, um Menschen bloßzustellen oder zu erniedrigen. Einzige Ausnahme ist vielleicht die Serie Feine Leute, die die Welt der Reichen und Schönen und Ach-so-Anständigen teilweise doch ziemlich hinterrücks bloßstellt. Beziehungsweise die sogenannten »feinen Leute« stellen sich (ohne es wohl zu merken) selber bloß.
Ansonsten ist Koelbl eine sensible Beobachterin, mit Nähe und Distanz zugleich, die Bilder sprechen lässt und alle Schichten gleichberechtigt darstellt. Etwa die Vielfalt in den »Deutschen Wohnzimmern«, die vielfältigsten Konzepte der »Schlafzimmer« oder der Arbeitsplätze von deutschen Schriftstellern, die »Im Schreiben zuhause« sind. Koelbl ist eine Chronistin des Lebens aller Arten, aller Couleur, aller Schichten. Ihre ersten Kinderportraits, die ihre Leidenschaft begründeten, finden sich in den über 280 Seiten ebenso wie die Spuren der Macht, die Portrait-Aufnahmen zahlloser Prominenter und eine Auswahl ihrer »Jüdischen Portraits«.