Eli Pariser: Filter Bubble Hans Arthur Marsiske: Kriegsmaschinen Hommage zum 80. Geburtstag von Fernando Botero Kathrin Hartmann: Wir müssen leider draußen bleiben Joy As A Toy: Dead As A Dodo Nis-Momme Stockmanns Heimkehrstück "Der Freund krank" in Frankfurt uraufgeführt
Dienstag, 22. Mai 2012 | 14:33

»Attersee schön wie seine Bilder« in Salzburg

07.07.2011

Das fotografierte Selbst

Am Wochenende hat im Salzburger Museum der Moderne Rupertinum eine sehenswerte Ausstellung eröffnet: Attersee schön wie seine Bilder. Nicht vom österreichischen See Attersee, sondern von dem gleichnamigen Künstler Attersee, der seit den 1960er Jahren einer der führenden Künstler der Alpenrepublik ist und seinen fotographischen Arbeiten ist hier die Rede. JÖRG ESCHENFELDER war in Salzburg und hatte Gelegenheit mit Christian Ludwig Attersee zu sprechen.

 

Es ist eine kleine, feine Schau, die das Salzburger Museum der Moderne in seinem Haus Rupertinum - gegenüber dem Festspielhaus - zeigt. Eine Ausstellung, die sich einem Aspekt des künstlerischen Schaffens von Christian Ludwig Attersee widmet, der bisher in der öffentlichen Wahrnehmung eher ein Schattendasein führte: die Fotografie. Zu sehen sind Arbeiten der 1960er Jahre, in denen sich Attersee als Model, als Objekt der Betrachtung inszenierte. Sowie Plakate und Manifestationen und Arbeiten der 1970er Jahren, in denen Attersee Portraits als Ausgangspunkt für Übermalungen verwendete. Einen Ansatz, den er auch seit der Jahrtausendwende erneut aufgriff.


In seinen frühen Arbeiten spielte Attersee mit Sexualität, Sinnlichkeit, Erotik. Er inszenierte sich mit Posen und Attributen; spielte ironisch mit der eigenen Schönheit, die häufig auch in die Weiblichkeit reichte - in den 60er Jahren durchaus ein Tabubruch. Doch Attersee fotografierte nicht selber, sondern ließ sich fotografieren und nutzte die Fotos als Ausgangspunkt für Provokationen, Collagen und Übermalungen, die farbenfroh mit den Schwarz-Weiß-Arbeiten spielen, sie um eine Dimension erweitern. Die Fotografie nimmt in seinem Schaffen und Leben eine besondere Stellung ein: »Wenn man Attersee haben will als Person, aus Fleisch und Blut, dann muss man in seine Fotozyklen hineinwandern. Will man seine Umgebung haben, muss man in seine Malerei wandern.«

 

Eine ironische Schau

Attersee ist ein künstlerisches Multi-Talent. Er malt und zeichnet. Er kreiert Bühnenbilder. Er schreibt und komponiert. Er ist einer der wichtigsten und umtriebigsten österreichischen Künstler der Gegenwart. Ein Künstler, der seit den 60er Jahren in Österreichs Kulturlandschaft eine wichtige Rolle einnimmt.
Obwohl Attersee selbst nie fotografierte, sind Fotografie und Film für ihn eine der wichtigsten Errungenschaften des 20. Jahrhunderts. »Das ist eine großartige Weiterung künstlerischer Möglichkeiten."

Die Ausstellung Attersee schön wie seine Bilder ist eine ironische Schau. Eine Ausstellung, die mit der Schönheit, mit den Vorstellungen und mit ihrer Vergänglichkeit. Eine Schau, die auch die Entwicklung des Künstlers und der Gesellschaft verdeutlicht. Was vor 50 Jahren noch provokant war, lockt heute vielleicht nur noch ein mildes Lächeln hervor. Wo der Künstler vor 50 Jahren noch provozieren wollte, auf Außenwirkung bedacht war, geht es ihm heute mehr um das eigene Erleben beim Malen: »Ich habe diese Suche nach Ersterlebnissen. Das ist das Konzept meiner Bildbeendung. Wenn ich das Glück habe, in meinen Bildern etwas erlebt zu haben, was ich noch nicht kenne. Dann weiß ich, dass das Bild für mich zu Ende ist.«

 

| kommentar schreiben

Name:
Kommentar:

Garten Eden vor der Haustüre

Sie heißen Tigerella, Gelber Squash oder Rote von Paris. Sie gehören alten Sorten an, die oftmals in Vergessenheit geraten sind – doch ihre Farben-, Formen- und Geschmacksvielfalt ...

Öko oder Nazi - Hauptsache Pirat!

Die gute Nachricht zuerst: Die Polizei hat diese Woche bei einer Razzia in Nordrhein-Westfalen zwanzig Wohnungen durchsucht und drei Rechtsextreme im Alter zwischen 18 und  20 Jahren ...

Gegen die Dominanz des Beliebten

Nach Amazon (1997) und Google (2004) geht nun mit Facebook das dritte Internet-Schwergewicht an die Börse. Häufig liegen die drei Unternehmen mit der Entwicklung neuer Techniken ...

Augenblicke des »alten Europa«

Tony Judts literarischer Gang durch sein Chalet der Erinnerungen.

 

Von WOLFRAM SCHÜTTE

Toppreis für Ihr Zahngold

Mit Die Sorgen der Killer empfiehlt sich Guido Rohm einmal mehr als Avantegardist der deutschen Kriminalliteratur.

Von THOR KUNKEL

Verstaubt ohne Ende

Bullenklatschen ist ein irreführender Titel, aber er provoziert – das ließe sich genauso über den Film sagen. Provozierend das Personal: eine Anarcho-Fete. Jedenfalls ...