Daniel Wiechmann: Immer bereit
06.05.2004
„Über allen strahlt die Sonne…“
War die DDR der richtige Ort, um dort sein Glück zu suchen? Daniel Wiechmann, 1974 in Ost-Berlin geboren, hat es versucht und berichtet in seinem Erinnerungsbuch von seinen Jugendjahren in der DDR.
Ein besserer Mensch werden, herausfinden, was einen glücklich macht und dieses Glück für sich erobern – nicht mehr und nicht weniger hatte sich Daniel Wiechmann in seinem jungen Leben vorgenommen. Ein besserer Mensch werden? Das hieß für ihn als DDR-Bürger Sozialist werden: Leben in und für eine Gesellschaft, in der die Starken den Schwächeren helfen und die Menschen so miteinander umgehen, dass es allen immer besser geht. Wenn man Daniel Wiechmann glauben will, war er von seinen ersten Lebenstagen bis zum Ende der DDR überzeugt, dass sein Traum von einem besseren, sozialistischen Leben in der DDR Wirklichkeit werden würde.
Ideologien auf dem Prüfstand
Von der Kinderkrippe bis zur Wende reicht sein Lebensbericht, der mehr als dreißig chronologisch angeordnete Impressionen enthält. Als überzeugter und ehrgeiziger Pionier beobachtet Daniel sehr genau, was um ihn herum passiert und stößt auf Widersprüche. Als z.B. beim Volkskammer-Besuch eine LDPD-Abgeordnete die Volksdemokratie der DDR in einem verräterisch-zynischen Ton erläutert, ist er völlig irritiert. Auch die Arbeitswelt, der Ort, an dem sich die DDR als der bessere, gerechtere Staat definierte, hält seinen Erwartungen nicht stand. Daniel erlebt absurde Produktionsabläufe und muss erkennen, dass niemand etwas dagegen unternimmt - nur Planzahlen und die Planerfüllung sind wichtig. Verunsichert hofft er auf eine Lösung. Die liefert die DDR gleich doppelt: Wer zweifelt, dem fehlt es nur an der ausreichenden Schulung im Marxismus-Leninismus. Ferner gilt, dass im Sozialismus, der sich noch im Aufbau befindet, Fehler nicht zu vermeiden sind.
Geschichten aus dem Alltag in der DDR
Darüber hinaus berichtet Daniel Wiechmann von Erlebnissen, in der die DDR-Ideologie weniger dominant und fragwürdig erscheint, z.B. von einer Begegnung mit einem Helden der Arbeit, Ferien im Jugendlager in Polen, seiner Freundschaft zum Hauswirt, genannt Mülltonnen-Johnny, und seiner Jugendweihe. Sie zeigen das andere, private Gesicht eines Alltags, in dem man sich auf Dauer eingerichtet und sein kleines Glück gefunden hatte.
Noch ein Zonenkind!
Jana Hensel und Claudia Rusch haben es mit Zonenkinder (2002) und Meine freie deutsche Jugend (2003) vorgemacht, Daniel Wiechmann macht es ihnen nach – das ist der Eindruck, der sich nach der Lektüre aufdrängt. Gewiss – Daniel Wiechmann schreibt aus der Perspektive eines Jugendlichen, der im festen Glauben an den Sozialismus aufwächst. Anders Jana Hensel, die Erinnerungen an eine verloren gegangene Heimat heraufbeschwört und Claudia Rusch, die von ihrem Leben im Umfeld der DDR-Opposition erzählt. Immer bereit! enthält inhaltlich wenig Neues, es ist ähnlich umfangreich wie seine Vorgängertitel und in der bekannten Geschichten-Struktur erzählt – drei gute Gründe, um dieses Buch als „nett, aber ein wenig belanglos“ einzustufen. Dennoch: Ein hübsches, leicht lesbares Erinnerungsbuch für Ostalgiker und die Zonenkinder-Generation ist es allemal!
Birgit Kuhn
Daniel Wiechmann: Immer bereit Von einem jungen Pionier, der auszog, das Glück zu suchen Droemer. EUR 14,90. ISBN 3426273357
|
Dichter und Diplomat
»Ich erzähle von Dingen, die mich sehr stark geprägt haben. Zum Beispiel, der Spanische Bürgerkrieg aufgrund der vielen Republikaner, die in Mexiko Zuflucht suchten und die ...
Garten Eden vor der Haustüre
Sie heißen Tigerella, Gelber Squash oder Rote von Paris. Sie gehören alten Sorten an, die oftmals in Vergessenheit geraten sind – doch ihre Farben-, Formen- und Geschmacksvielfalt ...
Maigrüße
Ich liebe den 1. Mai. Tag der Arbeit! Der Tag an dem wir den Vorkämpfern der Arbeiterbewegung gedenken. Der Tag, an dem wir demütig unsere Häupter neigen vor | weiterlesen
Augenblicke des »alten Europa«
Tony Judts literarischer Gang durch sein Chalet der Erinnerungen.
Von WOLFRAM SCHÜTTE
»Scheißwald, Scheißnatur, ey!«
Leicht grenzwertig diesmal, möchte man meinen. Setzt das gewöhnliche Schema von Mord, Aufklärung, Festnahme etwa Schimmel an? Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) geht dem Hinweis auf ...
Maler der Farben und Formen
Üppige Figuren und bunte Farben sind die Markenzeichen des kolumbianischen Malers Fernando Botero. Anlässlich seines 80. Geburtstags zeigt die Galerie Samuelis Baumgarte Bilder, ...
Toppreis für Ihr Zahngold
Mit Die Sorgen der Killer empfiehlt sich Guido Rohm einmal mehr als Avantegardist der deutschen Kriminalliteratur.
Von THOR KUNKEL
Verstaubt ohne Ende
Bullenklatschen ist ein irreführender Titel, aber er provoziert – das ließe sich genauso über den Film sagen. Provozierend das Personal: eine Anarcho-Fete. Jedenfalls ...
Kampf der Superlative
Wenn ausgerechnet Incal-Autor Alejandro Jodorowsky, der inzwischen auch »Heilung durch Kunst« betreibt, die Geschichte des mächtigsten Killers des Universums erzählt, ...
|