Hans Arthur Marsiske: Kriegsmaschinen Hommage zum 80. Geburtstag von Fernando Botero von Michael Ebmeyer Der FUTTERblog - streng verdaulich! Joy As A Toy: Dead As A Dodo Kennzeichen T - 28.04.2012
Mittwoch, 23. Mai 2012 | 02:14

 

Peter Richter: Blühende Landschaften

20.05.2004

Das Land, in dem die Projektionen blühen
 
Von Dresden, dem „Tal der Ahnungslosen“, ins durchgestylte Hamburg und über Namibia nach Ost-Berlin – das ist der Weg, den der Journalist und Autor Peter Richter zurückgelegt hat, um Deutschlands „blühende Landschaften“ zu erkunden. Kein Reisebuch im herkömmlichen Sinn ist dabei entstanden, sondern ein Heimat-Beschwerdenbuch, in den sich, wie Richter zu Recht sagt, „gut blättern lässt“.

 

Letztes Jahr war es Die deformierte Gesellschaft von Meinrad Miegel, die ein wenig hoffnungsvolles Bild der nächsten Jahre und Jahrzehnte entwarf, dieses Frühjahr erscheint in Bestsellern wie Gabor Steingarts Deutschland - Der Abstieg eines Superstars oder Ist Deutschland noch zu retten? von Hans-Werner Sinn die Zukunft unseres Landes so düster wie kaum zuvor. Was erwartet den Leser in Blühende Landschaften – einem Titel, der ein viel beschworenes und inzwischen oft verhöhntes Diktum Helmut Kohls zitiert? Der Ost-West-Wanderer Peter Richter ist viel zu klug, um in die „wann-wird-es-endlich-besser“-Kerbe zu hauen. Sein Beitrag über die Ausgestaltung seiner „inneren Einheit“ rund 15 Jahre nach der Wende ist eine fröhlich-freche Satire auf die deutsche Befindlichkeit in Ost und West.

Mit Zonengabi in den Kaufrausch


Zonengabi, dem „Durchschnitts-Dummchen“ aus dem Osten, sei alles zu verdanken, so Peter Richter. Nur weil sie unbedingt Bananen wollte, konnte die Einheit verwirklicht werden. Nicht die Bürgerrechtsbewegung, sondern Zonengabi habe ihren Mitbürgern den Weg in die Freiheit eröffnet. Als der Westen kurz darauf mit seinen Kaufhäusern im Osten Fuß gefasst hatte, begann ein Konsumrausch, der der Jugend ermöglichte, „kein Kleidungsstück mehr als einmal zu tragen“. Entweder waren die Klamotten so schlecht verarbeitet, dass ein mehrmaliger Gebrauch ohnehin nicht möglich war, oder – und das war die Regel – die Klau-Ausbeute sprengte jedes bislang bekannte Maß! Der Osten wurde ausgeplündert, doch nicht (nur) von Wessis. Es waren die jungen Ostler, die den Einzelhandel in den ersten Nachwende-Jahren hemmungslos ausräumten.

Hochbetten, gut sortierte Gewürzregale und VEB-Klamotten


Ein Zimmer in Hamburg? Dort, wo die Häuser Straßen nicht in klinisch-sterilem Weiß funkeln, sondern mit der Zeit ein wenig verschmuddelt und ergraut sind, sieht es fast so aus wie im Osten, nur kostet´s hier ein Vielfaches mehr als dort. In der sonst so mondänen Hansestadt begegnet der Autor dem Westen in Reinkultur und macht sich über ihn lustig. Sein Blick richtet sich erbarmungslos auf die Absonderlichkeiten des Alltags, die für viele junge Westler zur sinnstiftenden Stilfrage empor stilisiert werden, wie z.B. das Hochbett im WG-Zimmer, das gemeinsame Kochen mit Gästen und die aus Christian Krachts Faserland hinlänglich bekannten Barbour-Jacken, die jetzt in Gefahr geraten, in einer Retro-Welle von den alten Ost-Klamotten, hergestellt von VEB Herrenmode Dresden, überholt zu werden!

Kein Generationen-Buch


Anders als Wolfgang Illies´ Generation Golf-Bücher, die die Erfahrungen einer ganzen Generation „inspizieren“, erzählt Peter Richter nur von seinen eigenen Erlebnissen. Und er lässt keinen Zweifel, wem seine Sympathien gehören: Mitleid kommt auf, wenn er etwa an die Ost-Städte denkt, die einem Mittelalter-Romantik-Boom anheim fallen, während menschenleere Einkaufszentren dort nur so aus dem Boden schießen. Ist der Osten auf der Verliererstraße? Peter Richter befasst sich, anders als der Titel nahe legt, nicht mit politischen Fragen im engeren Sinn. Sein Ansatz ist ein ästhetischer und heißt Currywurst statt Sushi –Schluss mit dem albernen Getue!

Birgit Kuhn


Peter Richter: Blühende Landschaften. Eine Heimatkunde
Goldmann Verlag. Gebunden. 17,90 Euro.
ISBN 344231075X

Dichter und Diplomat

»Ich erzähle von Dingen, die mich sehr stark geprägt haben. Zum Beispiel, der Spanische Bürgerkrieg aufgrund der vielen Republikaner, die in Mexiko Zuflucht suchten und die ...

Garten Eden vor der Haustüre

Sie heißen Tigerella, Gelber Squash oder Rote von Paris. Sie gehören alten Sorten an, die oftmals in Vergessenheit geraten sind – doch ihre Farben-, Formen- und Geschmacksvielfalt ...

Maigrüße

Ich liebe den 1. Mai. Tag der Arbeit! Der Tag an dem wir den Vorkämpfern der Arbeiterbewegung gedenken. Der Tag, an dem wir demütig unsere Häupter neigen vor | weiterlesen

Augenblicke des »alten Europa«

Tony Judts literarischer Gang durch sein Chalet der Erinnerungen.

 

Von WOLFRAM SCHÜTTE

»Scheißwald,
Scheißnatur, ey!«

Leicht grenzwertig diesmal, möchte man meinen. Setzt das gewöhnliche Schema von Mord, Aufklärung, Festnahme etwa Schimmel an? Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) geht dem Hinweis auf ...

Maler der Farben und Formen

Üppige Figuren und bunte Farben sind die Markenzeichen des kolumbianischen Malers Fernando Botero. Anlässlich seines 80. Geburtstags zeigt die Galerie Samuelis Baumgarte Bilder, ...

Toppreis für Ihr Zahngold

Mit Die Sorgen der Killer empfiehlt sich Guido Rohm einmal mehr als Avantegardist der deutschen Kriminalliteratur.

Von THOR KUNKEL

Verstaubt ohne Ende

Bullenklatschen ist ein irreführender Titel, aber er provoziert – das ließe sich genauso über den Film sagen. Provozierend das Personal: eine Anarcho-Fete. Jedenfalls ...

Kampf der Superlative

Wenn ausgerechnet Incal-Autor Alejandro Jodorowsky, der inzwischen auch »Heilung durch Kunst« betreibt, die Geschichte des mächtigsten Killers des Universums erzählt, ...