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Mittwoch, 23. Mai 2012 | 02:22

 

Gero von Randow: Das Ziegenproblem

23.06.2004



Unfall bei Nebel 

Über Wahrscheinlichkeiten



 

Warum hoffen Menschen massenweise Woche für Woche auf den Millionengewinn, obwohl ihnen die Vernunft sagen müsste, dass die Lotterieunternehmen Pleite gingen, wenn sie nicht mehr einnähmen als sie auszahlen? Warum glauben Tausende Spieler, sie hätten ein System entdeckt, das sie reich macht, obwohl das nachweislich Unsinn ist? Warum ängstigen sich viele wegen exotischer Krankheiten und setzen sich täglich ins Auto, obwohl die Wahrscheinlichkeit, im Straßenverkehr zu verunglücken, um ein Vielfaches wahrscheinlicher ist, als sich mit jener Krankheit anzustecken? Weil der Irrationalismus weitaus verbreiteter ist als die Fähigkeit zu mathematischem Denken.

Einer, der seit vielen Jahren in Deutschland gegen dieses Missverhältnis kämpft, der sich um Aufklärung bemüht, ist Gero von Randow. Ein Instrument der rationalen Erklärung von scheinbaren „Zufällen“ ist die Wahrscheinlichkeitsrechnung. Doch sie ist nicht ganz leicht zu begreifen. Mit seinem Buch über das so genannte „Ziegenproblem“ hat Randow schon vor längerem einen amüsanten und mit etwas Anstrengung nachvollziehbaren Einführungskurs in dieses Spezialgebiet der Mathematik, das viel mit Logik zu tun hat, verfasst. Jetzt liegt es in einer überarbeiteten Neuauflage vor.

Der oft heftige Widerstand gegen das Denken in Wahrscheinlichkeiten ist auch ein psychologisches Problem. Gero von Randow berücksichtigt es anekdotisch und systematisch in seinem Essay, der die Beschäftigung mit Mathematik als lustvolle Tätigkeit vermitteln möchte. Er enthält auch Formeln, die man aber nicht unbedingt durchschauen muss, um das Buch mit Gewinn zu lesen. Im Grunde ist es ja ein Paradox, dass selbst in einer Zeit, wo der Computer zum Haushaltsgegenstand geworden ist, jene Disziplin, ohne die es keine elektronische Datenverarbeitung gäbe, nach wie vor eine einschüchternde Wirkung zu haben scheint. Ein Büchlein kann die Versäumnisse der Schule nicht kompensieren. Aber ein wenig kann es schon beitragen zum besseren Verständnis von Ereignissen, denen wir auf die eine oder andere Weise täglich ausgesetzt sind.

Und noch etwas macht dieses Buch deutlich: wie rasch wir, zum Beispiel Statistiken, missinterpretieren, weil wir nicht genau nachfragen. Wenn es etwa heißt, dass mehr Autounfälle bei klarer Sicht passieren als bei Nebel, dann muss man bloß bedenken, dass nebeliges Wetter seltener ist. So einfach ist das. Jedenfalls nach der Lektüre des „Ziegenproblems“.

Thomas Rothschild

Gero von Randow: Das Ziegenproblem. Denken in Wahrscheinlichkeiten. rororo 61905, Reinbek bei Hamburg 2004, 208 S., ¤ 7,90

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