Josef Hilger: Raumpatrouille
14.04.2005
Zukunftsmärchen der Superlative
"Raumpatrouille"von Josef Hilger, das Buch zur gleichnamigen Kultserie, läßt nichts aus und offen, denn der, der es geschrieben hat, war schon als 11-jähriger Stöpsel im „chronischen Orion-Fieber“.
„Jede Raumbasis ist im Falle eines plötzlichen Zugriffs durch außerirdische Kräfte oder Lebewesen, ohne Rücksicht auf etwaige eigene Verluste, sofort zu eliminieren.“ Dass es sich hierbei um die berühmte Alpha- Anweisung III/ B (1) handelt, daran werden sich wahre Fans der „Raumpatrouille“ bestens erinnern. 7 Folgen waren es nur, ausgestrahlt in der ARD ab 19. September 1966 bis 10. Dezember 1966, die Zuschauerquoten lagen bei 37 bis 56 Prozent. Die Geschichte des „Schnellen Raumkreuzers Orion“ faszinierte, fesselte und fand in allen Altersschichten ihre Fans. Planeten werden besiedelt, der Meeresboden ist als Wohnraum erschlossen und im Starlight- Casino trifft man sich zu futuristischen Tänzen und Cocktails. Die Musik wurde zum Ohrwurm, Eva Pflug und Dietmar Schönherr unvergessen. Rund 3,5 Millionen Mark kostete die Produktion, es war die erste deutsche Science-Fiction-Serie und für die Filmgesellschaft wurde das Ganze zu einem „Zukunftsmärchen der Superlative“.
Entzauberung?
Zum ,,chronischen Orion-Fieber" gesellte sich eine „unheilbare Sammelleidenschaft“ und 1993 die Gründung des Orion-Museums in Köln. Josef Hilger kam einfach nicht mehr davon los. Das ist natürlich für ein so umfangreiches Buch die beste aller Voraussetzungen: Engagement, Leidenschaft, Detailrecherche und das geballte Wissen, mit dem hier ein Fan und fanatischer Sammler ans Werk geht, da kann man gar nicht anders, als aus dem Vollen zu schöpfen. Aber, Vorsicht, so ein bißchen entzaubert das Buch auch die alte, verstaubte, aber noch sehr lebendige Erinnerung an Orion VIII und ihre Besatzung. Was auf dem Bildschirm faszinierte und in außer-galaktische Gefilde entführte, das endet hier auf Abraumhalden in der Nähe von Weilheim. Was wie futuristische und höchst visionär konstruierte Techniken oder Flugkörper eine grandiose neue Welt vorgaukelte, war in Wirklichkeit spitzfindig Zusammengebautes, oft abenteuerlich Kombiniertes: „Außer den bisher abgesprochenen Gegenständen fanden Rechenschieber, Zollstöcke, Diktiergeräte, transparente Knöpfe, Glasperlen, Wasserwaagen und Wasserhähne eine neue Verwendung.“
Ein Klassiker
Dennoch: Es ist ein Riesenspaß, in dem Buch zu blättern, eigene Erinnerungen abzugleichen mit der Fülle an Informationen rund um diese Produktion. Da wird aber auch alles aufgelistet und wirklich nichts vergessen: die einzelnen Folgen, Inhalt, Besetzung, Drehorte, dann mehr als hundert Seiten zu den Stichworten „Tricks, Design Hintergründe“. Ein Weltraumlexikon hilft auf die Sprünge von A wie ‚Abschusscomputer‘, bis zur Zahl 264 (1): „Name eines der letzten 376 Pudel, die es im Jahr 3000 noch auf der Erde gibt. Sein Eigentümer ist Atan Shubashi, der Orion- Astrogator.“ Mit einer Unmenge an, meist schwarz-weiß Fotografien, erklärenden, markierten Kästen, Zeichnungen, Statistiken, Adressen, Presse- Echos, Interviews, Auszügen aus Filmtexten und Porträts der Schauspieler, sowie der Liste der erschienenen Orion- Taschenbücher umfaßt das Buch eigentlich alles, was es überhaupt und jemals zu dem Thema zu sagen gibt. Bis vielleicht auf dies: So richtig versteht man das alles natürlich erst, wenn man es wirklich gesehen hat. „Was heute noch wie ein Märchen klingt, kann morgen Wirklichkeit sein. Hier ist ein Märchen von übermorgen...Begleiten wir die Orion und ihre Besatzung bei ihrem Patrouillendienst am Rande der Unendlichkeit.“
Barbara Wegmann
Josef Hilger: Raumpatrouille Schwarzkopf & Schwarzkopf, 2000 Gebundene Neausgabe, 472 S., 24,90 ¤ ISBN: 3896026267
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