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Florian Kronbichler: Was gut war

08.09.2005


Ein Buch für Alle

Zum 10. Todesjahr Alexander Langers. Florian Kronbichlers Biografie über Südtirols bedeutendsten Oppositionspolitiker.

 

Biografien erzählen gewöhnlich die Geschichte eines Menschen chronologisch, beginnend bei der Geburt, endend mit dem Tod und der Einschätzung der Bedeutung des Schaffens. Dass mit der traditionellen Form der Biografie einem alternativen Alexander Langer nicht beizukommen ist, scheint schon allein deshalb einleuchtend, weil Langer seinen Grundprinzipien aus Gymnasialzeiten lebenslang treu geblieben ist. Florian Kronbichler, der Autor des Buchs, orientiert sich an der schon von Langer selbst gewählten Form des Alphabets als Ordnungsstruktur.

Zwischen A wie Alle und Z wie Zeichen trifft Kronbichler all jene Koordinaten, die einen Alexander Langer definieren – nicht von außen und nicht von oben herab, sondern in der Sprache des Beobachteten.

Der Südtiroler mit Wiener Wurzeln, 1946 in Sterzing geboren, war nach seinem Jus-Studium in Florenz vor allem in der außerparlamentarische Gruppe Lotta continua in Rom politisch aktiv. Der Tod des Südtirol-Dissidenten und Schriftstellers Norbert C. Kaser motivierte Langer zu einer Rückkehr nach Südtirol: 1978 wurde er als Vertreter der Neuen Linken/Nuova Sinistra, 1983 als einziger Vertreter der von ihm gegründeten Alternativen Liste für ein anderes Südtirol in den dortigen Landtag gewählt. Mitte der Achtziger Jahre war Langer am Aufbau der Partei der italienischen Grünen maßgeblich beteiligt, als deren Vertreter er 1989 und 1994 in das Parlament der Europäischen Union gewählt wurde.

Kein typischer Linker

Diese Geschichte, eine Episode abseits des politischen Tagesgeschäfts, klingt skurril: Trifft Alexander Langer, jeder Institution und Institutionalisierung Feind, auf den Südtiroler Oberhirten der Institution Kirche, Bischof Joseph Gargitter, fragt ihn im Smalltalk, ob er ihm einmal bei der Messe ministrieren dürfe. Er wisse nicht, ob er es noch könne, soll er vor dem sakrosankten Termin nicht ohne Aufregung gestanden haben. Der Zeuge sei hochrangig, schreibt Florian Kronbichler in seiner Alexander-Langer-Biografie, ohne dessen Namen zu verraten und mit nur vager Angabe des Zeitpunkts des Geschehens. Die Episode passt so ganz und gar nicht in das Bild eines typischen linksalternativen bzw. Grünenpolitikers. Alexander Langer war aber eben kein typischer Linker, der im Vokabular der Ideologen sprach, vielmehr einer, der – wie kaum jemand – das Revolutionäre am Wirken des Propheten Jesus, sich ohne Eigennutz in den Dienst anderer zu stellen, für seine eigene Politik mobil machte.

Die Nachtseite des Guten

Macht weiter, was gut war – mit diesem Aufruf verabschiedete sich Alexander Langer auf dem Weg in den Freitod vor zehn Jahren, just in jenen Tagen des Massakers auf Srebrenica Anfang Juli 1995. Der Aufruf ohne Angabe des Adressaten von einem, der sich für alle da zu sein zum Lebensmotto gemacht hatte, lässt eben dies offen: was gut war. Und klingt irgendwie nach Zweifel. Hat Langer selbst, der neben anderem für ein friedliches Zusammenleben der Völker in Südtirol wie im ehemaligen Jugoslawien gekämpft hatte, zuletzt die Zuversicht in seinen Lebenszweck verloren? Wenn Florian Kronbichler seiner Langer-Biografie den Titel Was gut war gibt, impliziert das eine Sichtung und Bewertung des Lebenswerks dieser schillernden Politikerpersönlichkeit. Er stößt dabei zum Einen auf Schwächen und Misserfolge genauso wie auf die bittere Erkenntnis des Idealisten Langer, dass das Gute vielen Menschen als nicht erstrebenswert gilt.

Inszenierung ist fast alles

Die Spurensuche nach dem, was gut war, gibt darüber hinaus eine detaillierte Antwort auf die Frage nach dem Charakter des Politikers Alexander Langer. Mehr als ein Idealist machte der Bibelkenner mit jüdischen Wurzeln ernst mit den Idealen des Christentums: für alle da sein, sein wie alle und nichts Besseres, Grenzen niederreißen, Frieden stiften. Nicht ungerne sah er sich selbst in der Rolle des biblischen Davids, des Christopherus und Übersetzers, des Brückenbauers und Mauerspringers, zuletzt als Lastenträger, der es nicht mehr packt.
Kronbichler, der das Schaffen des Politiker zwei Jahrzehnte lang als Journalist verfolgte, konzentriert sich vor allem auf die Person Langer, wie sie nach außen hin präsentierte, in freundschaftlich erzählendem Ton, auch fragend und wenn kritisch, dann immer sachlich, weder idealisierend noch verletzend. Ohne seinem Helden zu nahe zu treten, erahnt und beantwortet er die Fragen des Lesers, dem der Politiker und Mensch Alexander Langer so gut wie unbekannt ist.

Das Alexander-Langer-Abc ist keine zusätzliche wissenschaftliche Abhandlung zu den vielen, die es über Langer schon gibt, sondern ein Buch für Alle, lesefreundlich gestaltet, in einer verständlichen Sprache geschrieben, spannend wie ein Roman – mit offenem Ende. Denn die Form des Alphabets ermöglicht es Kronbichler freilich, sich einer abschließenden Conclusio zu entziehen.

Albina Kritzinger


Florian Kronbichler: Was gut war. Ein Alexander-Langer-Abc
Edition Raetia, 2005
Gebunden. 160 Seiten. 18 Euro.
ISBN 88-7283-227-6

ISBN 88-7283-227-6

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