Ben Schott: Schotts Sammelsurium Essen & Trinken
19.01.2006
Bowle, Spargel und Urin
Ben Schott hat, angeregt vielleicht vom Erfolg seiner Enzyklopädie des abseitigen Wissens (Schotts Sammelsurium), ein kleines Konservationslexikon zusammengestellt, das sich gewohnt liebevoll und unterhaltsam der zweitschönsten Sache der Welt widmet: Essen und Trinken.
„Jeder Mensch“, so Schott, „verbringt einen beträchtlichen Teil seines Lebens mit Essen und Trinken.“ Schon, wer nur 70 wird, nimmt im Schnitt 105.120 Mahlzeiten zu sich, trinkt 50.000 l und ißt 30 t. Der Verzehr dieser Mengen dauert insgesamt 6 Jahre, ihre Zubereitung 10.
Man sieht schon aus diesen nüchternen Zahlen, daß Essen und Trinken ein so wesentlicher Bestandteil unseres Lebens ist, daß es sich lohnt, sich darüber ein paar Gedanken zu machen. Schotts spezieller Nachschlag zu seinem allgemeinen Konservationslexikon möchte genau dazu anregen und versteht sich somit als Beitrag zur Eß- und Trinkkultur.
Diese Anregungen sind wider bunt gemischt – von den Ansichten berühmter Personen zum Frühstück, der Zusammensetzung der größten Bowle bis zum Verhältnis von Spargel und Urin – gemeinsam ist ihnen nur, daß sie anregend sind. Wer etwa Churchills „Goldene Regel“ ließt, – die lautet: „Ich möchte noch einmal hervorheben, daß mir die goldene Regel meines Lebens quasi als heilige Pflicht vorschreibt, Zigarren zu rauchen und Alkohol zu trinken – und zwar vor, nach, und wenn es sein muss, auch während den Mahlzeiten und in der Zeit dazwischen“ – der kann sich über die Ausgewogenheit des Verhältnisses von Genuß und Verzicht in unserer gesundheitlichen Eßkultur so seine Gedanken machen.
Wie immer bei Konservationslexika, gibt es auch hier vieles für die Konservation, d.h. nichts, was man wissen müßte oder worüber man nachdenken könnte, sondern etwas, das man hübsch in Gesprächen einflechten und womit man sich als kulinarisch besonders erfahren ausweisen kann, ohne es wirklich sein müssen. Daß das in Konservationslexika gebotene Wissen immer auch Hochstaplerwissen ist, wird hier sehr deutlich. So findet man die Geschichte der Château Mouton Rothschild-Etiketten ebenso wie die Geschmäcker exotischer Fleische – Tapir etwa, soll wie Rind schmecken, oder eben wie Pferd, das nämlich auch wie Rind schmecken soll; Puma und Löwe sollen wie Kalb schmecken, letztlich also alle gleich. Hunde dagegen sollen sehr unterschiedlich schmecken, nämlich wie Schwein, Lamm oder Ziege – also größtenteils so wie Gyros oder Döner, dessen Rezept unter dieser Liste steht.
Es findet sich aber auch viel wirklich nützliches bei Schott, z.B. worin welche Vitamine und Mineralstoffe enthalten sind, unzählige Cocktailrezepte oder die ideale Temperatur für grünen Tee. Insgesamt ist Schotts Sammelsurium Essen und Trinken eine teils nützliche, teils überraschende, stets unterhaltsame Sammlung des abseitigen und naheliegenden – oder kurz: Was Sie schon immer über Essen und Trinken wissen wollten, und mehr.
Björn Vedder
Ben Schott, Schotts Sammelsurium Essen & Trinken, Lexikon, Bloomsabury, 2005, ISBN 3-8270-0607-4, 16 Euro.
|
Dichter und Diplomat
»Ich erzähle von Dingen, die mich sehr stark geprägt haben. Zum Beispiel, der Spanische Bürgerkrieg aufgrund der vielen Republikaner, die in Mexiko Zuflucht suchten und die ...
Garten Eden vor der Haustüre
Sie heißen Tigerella, Gelber Squash oder Rote von Paris. Sie gehören alten Sorten an, die oftmals in Vergessenheit geraten sind – doch ihre Farben-, Formen- und Geschmacksvielfalt ...
Maigrüße
Ich liebe den 1. Mai. Tag der Arbeit! Der Tag an dem wir den Vorkämpfern der Arbeiterbewegung gedenken. Der Tag, an dem wir demütig unsere Häupter neigen vor | weiterlesen
Augenblicke des »alten Europa«
Tony Judts literarischer Gang durch sein Chalet der Erinnerungen.
Von WOLFRAM SCHÜTTE
»Scheißwald, Scheißnatur, ey!«
Leicht grenzwertig diesmal, möchte man meinen. Setzt das gewöhnliche Schema von Mord, Aufklärung, Festnahme etwa Schimmel an? Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) geht dem Hinweis auf ...
Maler der Farben und Formen
Üppige Figuren und bunte Farben sind die Markenzeichen des kolumbianischen Malers Fernando Botero. Anlässlich seines 80. Geburtstags zeigt die Galerie Samuelis Baumgarte Bilder, ...
Toppreis für Ihr Zahngold
Mit Die Sorgen der Killer empfiehlt sich Guido Rohm einmal mehr als Avantegardist der deutschen Kriminalliteratur.
Von THOR KUNKEL
Verstaubt ohne Ende
Bullenklatschen ist ein irreführender Titel, aber er provoziert – das ließe sich genauso über den Film sagen. Provozierend das Personal: eine Anarcho-Fete. Jedenfalls ...
Kampf der Superlative
Wenn ausgerechnet Incal-Autor Alejandro Jodorowsky, der inzwischen auch »Heilung durch Kunst« betreibt, die Geschichte des mächtigsten Killers des Universums erzählt, ...
|