Christina Holtz-Bacha: Medienpolitik für Europa
13.04.2006
In Europa für Europa?
Medien, die ganz Europa bedienen sollen, haben es nicht leicht: Denn den typischen Fernsehzuschauer oder Zeitungsleser gibt es nicht - und wird es in naher Zukunft auch nicht geben. Spartenkanäle wie Arte, Eurosport oder Euronews kämpfen um ihre Einschaltquoten. Die europäische Tageszeitung The European entstand 1990, wurde alsbald nur noch als Wochenzeitung verlegt und schließlich 1998 wieder eingestellt. Die Priorität der Rezipienten liegt ungebrochen bei den nationalen Sendern und Printprodukten.
Ziel der Europapolitik ist es jedoch seit Jahrzehnten, über einheitliche Medienangebote eine gemeinsame Identität zu schaffen, den Bürgern ein Dach gemeinsamer Information zu schaffen. Kein leichter Akt, wie Christine Holtz-Bacha auf fast 400 Seiten in ihrem Buch "Medienpolitik für Europa" deutlich macht. Sie stellt den Status Quo mit Akteuren ebenso dar wie die Strukturgeflechte und die Möglichkeiten bzw. Beschränkungen einer europäischen Medienpolitik.
Die einzelnen Kapitel führen teilweise sehr weit, beleuchten sie doch stets den kompletten Zeitraum, in dem man von einer europäischen Medienpolitik sprechen kann – rund 25 Jahre sind seit den ersten medienpolitischen Aktivitäten der EU-Institutionen auszumachen. Sämtliche Entwicklungsschritte und Eckdaten werden akribisch aufgeführt, wobei sich natürlich kaum vermeiden lässt, dass der Text teilweise nurmehr aus Abkürzungen und Jahreszahlen besteht. Doch angesichts der Bandbreite des Themas sind alle Informationen relevant, um am Ende einen lückenlosen und in sich sehr schlüssigen Überblick gewonnen zu haben. Für Interessierte im Allgemeinen und für Medienjournalisten im Besonderen kann das Buch durchaus auch als Nachschlagewerk dienen.
Uta Leidenberger
Christina Holtz-Bacha: Medienpolitik für Europa.
VS Verlag für Sozialwissenschaften 2006.
384 S. ISBN 3-531-14127-9.
29,90 ¤