Soeben ist die 17., um ein Vorwort erweiterte Neuausgabe des Klassikers erschienen. Der dicke Wälzer des Physikers Douglas R. Hofstadter kam erstmals 1979 heraus. Auf Deutsch erschien das Werk 1985. Schon 1980 erhielt der Autor dafür den Pulitzer-Preis. Seitdem wurde das Buch so oft verkauft, stand schon so oft auf den Bestsellerlisten, dass es beinahe überflüssig sein sollte, eine Rezension über so etwas Bekanntes zu schreiben. Vor allem auch deswegen, weil die vorliegende Neuausgabe ein unveränderter Nachdruck ist, dem einzig ein neues (spannendes!) Vorwort Hofstadters hinzugefügt wurde.
Wie kann sich das Selbst entwickeln?
Ich habe das Buch erstmals mit 17 Jahren gelesen, als ich von Mathematik wie von Physik begeistert war. Studiert habe ich dann doch nicht theoretische Mathematik, sondern Philosophie, doch die Faszination für „Gödel, Escher, Bach“ hält sich bis heute.
Worum geht es? Nicht allein um Mathematik, nicht nur um Logik, schon gar nicht nur um Musik oder Kunst. Das Buch ist ein Werk, das viele verschiedene Gebiete behandelt, nicht bloß im Vorübergehen streift, sondern aus vielen verschiedenen Wissenschaftsbereichen Erkenntnisse sammelt und dabei versucht eine der wichtigsten Fragen zu beantworten: Wie entsteht das Ich, das Selbst? Wie kann sich Bewusstsein aus einem unbewussten Stoff entwickeln? Welches Gebilde ist das „Ich“ und wie konnte es sich aus Materie entwickeln? Aus formalen Systemen entwickeln sich Muster. Das Selbst entsteht, weil sich aus (scheinbar?) bedeutungslosen Symbolen ein Muster entwickelt.
Gödel trifft auf Escher und Bach
Begonnen hat Hofstadter mit dem österreichischen Mathematiker und Logiker Kurt Gödel, der mit 25 Jahren bewies, dass es in der Zahlentheorie nicht beweisbare Sätze geben kann. Gödels Unvollständigkeitssatz besagt, dass man nicht entscheiden kann, ob etwas oder das Gegenteil zutrifft. Hofstadter wollte eine Arbeit über Gödel schreiben, dabei kam er immer wieder auf selbstbezogene Schleifen, die ihn an Escher erinnerten. Und schließlich mischten sich noch Bachs Fugen ein. Die vielen Dialoge mit Achilles, der Schildkröte, dem Krebs, manchmal auch dem Ameisenbär erinnern an Fugen aus der Musik.
Viele Lesarten eines Themas
Das Besondere am Buch ist wahrscheinlich, dass es viele verschiedene Lesarten ermöglicht. Sogar so viele, dass sich Hofstadter sehr oft missverstanden fühlt, wie er im Vorwort schreibt. Ich kann nach der Lektüre von GEB, wie der Autor sein grandioses Werk selbst abkürzt, zum Beispiel nicht nachvollziehen, warum das Buch gerade für Informatiker eine Art „Bibel“ sein soll, wie viele Rezensentinnen und Rezensenten meinen. Vielleicht lese ich einfach als Philosophin andere Facetten heraus als Mathematiker oder Informatiker.
Lesenswert sind die rund 800 Seiten allemal. Vielleicht ist Kurt Gödels 100. Geburtstag in diesem Jahr wieder einmal ein Anlass, Hofstadters Buch zur Hand zu nehmen.
Maria-Bernadette Ehrenhuber
Douglas R. Hofstadter: Gödel, Escher, Bach. Ein Endloses Geflochtenes Band. Übersetzt von Hainer Kober, Hermann Feuersee und Philipp Wolff-Windegg. Mit einem Vorwort von Gero von Randow. 17. Auflage, Klett-Cotta 2006. Gebunden, 844 Seiten, 35 Euro.